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Politik

Haftpflichtprämien von Belegärzten in der Geburtshilfe überschreiten 60.000-Euro-Grenze

Mittwoch, 25. Oktober 2017

/dpa

Lübeck/Kiel/München – Die jährlichen Haftpflichtprämien für niedergelassene Frauenärzte, die belegärztlich Geburtshilfe leisten, liegen bei Neuverträgen heute vielfach über 60.000 Euro pro Jahr. Soweit es noch günstigere Altverträge gibt, werden diese schrittweise in der Prämie angepasst. Das berichtete heute der Berufsverband der Frauenärzte auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes.

„Es ist unmöglich, als niedergelassener Frauenarzt auch nur im Ansatz die Haftpflicht­prämien durch die Geburtshilfe zu erwirtschaften“, so das Fazit des Verbandes. Deshalb gebe es kaum noch belegärztlich tätige Frauenärzte, die neu in die Geburtshilfe einstiegen. „Dringend benötigte Nachfolger werden unter diesen Umständen nicht gefunden. Immer mehr Kliniken müssen deshalb ihre geburtshilflichen Abteilungen schließen“, warnt der Verband.

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Probleme in Lübeck

Gestern Abend hat auch der NDR in seinem Schleswig-Holstein-Magazin über das Thema berichtet. Zu Wort kamen dort Belegärzte des Lübecker Marien-Krankenhauses. „Unbezahlbar“ seien die Prämien, so ihr einhelliges Statement. Die Belegärzte organisieren neben ihrem regulären Praxisbetrieb die gesamte Geburtshilfe der Klinik. Das sind mehr als 1.600 Geburten pro Jahr. Die behandelnden Ärzte sind selbstständig und müssen für ihre Arbeit eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen.

„Während sich die Fallpauschalen, die ein Krankenhaus abrechnet, über eine fest­gelegte Systematik regelmäßig, wenn auch mit einer Verzögerung von zwei Jahren, an steigende Kosten anpassen, hat der massive Anstieg der Kosten für die Haftpflicht­versicherung in den vergangenen Jahren keinerlei Einfluss auf die Festsetzung der Vergütungshöhe in der Geburtshilfe gehabt“, hieß es aus der Klinik. Ab dem neuen Jahr kämen die Lübecker Belegärzte in die Situation, dass einige von ihnen für die Geburts­hilfe sogar Geld aufzahlen müssten.

„Selbst im besten Falle ergibt sich für ihre Arbeit ein Entgelt, das weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegt“, kritisiert die Klinik. Sie kündigte an, mit der Kassen­ärztlichen Vereinigung des Bundeslandes, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Kiel Gespräche führen zu wollen, um die Situation zu klären.

„Im Falle der Versicherungen für Hebammen wurde über dieses Thema oft und aus­führlich berichtet. Das Problem betrifft jedoch nicht nur freiberuflich tätige Hebam­men, sondern ebenso auch niedergelassene Gynäkologen, die als Belegärzte in Krankenhäusern geburtshilflich tätig sind – nur, dass die Prämien für die Ärzte in etwa zehnmal so hoch sind“, kritisiert die Klinik.

Einen Lösungsvorschlag liefert der Berufsverband der Frauenärzte: Schon seit mehre­ren Jahren fordert der Verband, dass die Kostenträger einen Sicherstellungszuschlag zur Haftpflichtprämie bei geburtshilflich tätigen Frauenärzte zahlen sollten – so wie er bereits für Hebammen eingeführt ist. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 6. November 2017, 00:23

Wer trägt die Verantwortung für welches Risiko?

Die Schuld an dem aktuellen Mißstand liegt nicht bei den Versicherungen. In den letzten Jahren ist nicht die Zahl der Versicherungsfälle gestiegen sondern durch die verbesserten Überlebenschancen der betroffenen Kinder die Kosten pro Fall, die jetzt auf die Haftpflichtprämien umgelegt werden.

Im Unterschied zu anderen medizinischen Fragestellungen ist eine Geburt zwar ein planbarer Eingriff, aber es ist kein Eingriff, den ein Arzt (oder eine Hebamme) aufgrund einer erhöhten Risikokonstellation einfach ablehnen kann. Gerade bei der Fortpflanzung ist der Mensch nicht die Krone der Schöpfung sondern im Vergleich zu anderen Säugetierspezies ziemlich unvollkommen. Deshalb sollte aus meiner Sicht beim Geburtsrisiko auch die Frage erlaubt sein, für welchen Teil des Risikos der Arzt bzw. die Hebamme verantwortlich ist und welcher Teil des Risikos als allgemeines Lebensrisiko zu werten ist. Die Angehörigen eines geschädigten Kindes sind schwer genug belastet und sollten nicht auch noch mit den Kosten zu kämpfen haben. Aus meiner Sicht sollte aber die Berufshaftpflicht nur für grob fahrlässiges Handeln zuständig sein, für Alles Andere sollte die Rentenversicherung zuständig sein. Wenn das Geburtsrisiko als überwiegend allgemeines Lebensrisiko akzeptiert wird, dann können die Haftpflichtprämien wieder auf ein erträgliches Maß sinken.
Avatar #103970
DöringDöring
am Samstag, 4. November 2017, 14:26

Haftpflichtprämien von Belegärzten in der Geburtshilfe überschreiten 60.000-Euro-Grenze

Ein schönes Beispiel für die vorliegenden Gesetze und die Rahmenbedingungen, die der Gesetzgeber in den letzten Jahren geschaffen hat. und auch ein schönes Beispiel dafür, dass sich der Arztberuf in Deutschland schon lange nicht mehr lohnt.
LNS

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