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Medizin

Sexuell übertragbare Krankheiten: Jugendliche wissen zu wenig – vor allem Jungs

Freitag, 3. November 2017

/vectorfusionart, stock.adobe.com

Dresden/Eschweiler– Beim Thema Jungengesundheit haben viele Schüler Nachholbedarf. Vor allem Jungen konnten Fragen zu sexuell übertragbaren Erkrankungen und Optionen zu deren Impfung nur lückenhaft beantworten. Das berichten Urologen vom St. Antonius Hospital in Eschweiler, die mehr als 450 Gymnasiasten der neunten Klasse befragten, auf dem 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Dresden. Um das Wissensdefizit aufzuholen, empfehlen die Urologen eine speziell für Jungen und junge Männer etablierte „Jungen-Sprechstunde“ anzubieten.

Wissenstest zur Jungengesundheit

Der Fragebogen beinhaltete sechs Multiple-Choice-Fragen, sechs offene Fragen, einen Lückentext, eine Abbildungsbeschriftung und eine Zuordnungsaufgabe zu folgenden Themen:

  • sexuell übertragbare Erkrankungen (STD)
  • Impfungen gegen STDs
  • Anatomie/Funktionen der männlichen Geschlechtsorgane

Um den Wissensstand zum Thema Jungengesundheit zu erfassen, haben Ärzte aus der Eschweiler Klinik für Urologie und Kinderurologie um Jennifer Kranz und Joachim Steffens an sieben Gymnasien in Nordrhein-Westfalen eine Wissenserhebung bei den 14- bis 15-Jährigen durchgeführt. Insgesamt nahmen 279 Schülerinnen und 190 Schüler freiwillig daran teil. „Dabei schnitten Jungs insgesamt deutlich schlechter ab als ihre weiblichen Klassenkameraden“, sagte Jennifer Kranz von der Klinik für Urologie und Kinderurologie am St. Antonius-Hospital, Akademisches Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen dem Deutschen Ärzteblatt: Während immerhin 71 Prozent der Mädchen die Fragen richtig beantworten konnten, waren es bei den Jungen nur 41 Prozent bei der ersten Wissenserhebung.

Knapp 70 Prozent der Schüler konnten zwei unterschiedliche, durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragbare Erkrankungen (SDTs) benennen. Die Frage „Gegen welche Geschlechtskrankheit kann man heutzutage Mädchen und Jungen gleichermaßen impfen?“ wurde von nur wenigen Jungen (11,3 Prozent) richtig beantwortet.

Die häufigsten falschen Antworten waren hier die HIV-Infektion und Gonorrhoe. Auch anatomische/funktionelle Fragen wurden häufig falsch beantwortet, so wussten nur etwa 37 Prozent der Schüler, dass der Hoden im Rahmen der Entwicklung im Bauch stecken bleiben kann. Die männlichen Geschlechtsorgane wie Prostata, Hoden oder Nebenhoden konnten nur wenige Schüler in einer Abbildung korrekt zuordnen. „Eine Frage nach den weiblichen und männlichen Geschlechtshormonen wurde ebenfalls meist nicht korrekt beantwortet“, resümiert Kranz.

Gendergap bleibt auch nach spezifischen Unterricht bestehen

Die Ergebnisse verbesserten sich erst, nachdem zwei junge männliche Ärzte – Sebastian Grundl und Jens Rosellen – der urologischen Abteilung die Schüler unterrichtet hatten. Unmittelbar nach diesem Unterricht konnten immerhin 56 Prozent der Schüler die korrekte Antwort zur Impffrage, humane Papillomaviren, geben. Das Wissen zu anatomischen Kenntnissen verbesserte sich von 37 auf fast 90 Prozent bei der dritten Befragung, die drei Monate später stattfand. Ebenso konnten zu diesem Zeitpunkt bereits 80 Prozent der Jugendlichen die Fragen zu SDTs richtig beantworten. Am häufigsten wurden HIV, Syphilis und Gonorrhoe genannt. Gelegentlich notierten die Jugendlichen auch Herpes-Infektionen und seltener die Infektion mit „Sackratten“ (Pthirus pubis).

„Auch wenn die Gymnasiasten die Wissenserhebung nach spezifischem Unterricht durch zwei junge Ärzte besser beantworten konnten, blieb dennoch zunächst ein Gendergap bestehen“, sagte die Urologin aus Eschweiler. Zum zweiten Befragungszeitpunkt verbesserten sich die Mädchen um vier Prozent auf 75 Prozent und die Jungen holten acht Prozent auf (49 Prozent korrekte Antworten). Erst zum dritten Befragungszeitpunkt konnten die Jungs mit den Mädchen gleich aufziehen (75 versus 76 Prozent richtige Antworten).

Das Problem verorten die Urologen in der Versorgung: Im Gegensatz zu Jungen, seien pubertierende Mädchen im Anschluss an die Vorsorgeuntersuchungen der U-Reihe gut an den Gynäkologen angebunden. „Jungen haben meist keinen ärztlichen Ansprechpartner, der vertrauensvoll zur Seite steht“, sagte Steffens. Daher sollte eine Vorsorgeuntersuchung speziell für Jungen und junge Männer etabliert und angeboten werden. „Hier könnte der Facharzt mit den Jugendlichen über Prävention sexuell übertragbarer Erkrankungen oder Optionen zur Impfung gegen HPV sprechen.“

Die vollständigen Studienergebnisse sollen in Kürze im Urologen erscheinen.

© gie/aerzteblatt.de

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