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Ausland

Trump verhängt wegen Opioidepidemie Gesundheitsnotstand

Freitag, 27. Oktober 2017

US-Präsident Donald Trump /dpa

Washington – US-Präsident Donald Trump hat angesichts eines massenhaften Missbrauchs von Heroin und anderen Opioiden in den Vereinigten Staaten einen nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Es handele sich um die schlimmste Drogenkrise in der amerikanischen Geschichte, sagte Trump gestern im Weißen Haus in Washington. Es sei an der Zeit, Amerikas Gemeinden von der Geißel der Sucht zu befreien. „Wir können die Generation sein, die die Opioid-Epidemie beendet“, sagte er bei einem Treffen mit ehemaligen Süchtigen und Angehörigen von Opfern.

Allein im vergangenen Jahr starben nach Berechnungen der New York Times 60.000 Menschen durch den Missbrauch rezeptpflichtiger Schmerzmittel oder Heroin. Im Jahr 2015 gab es insgesamt rund 52.000 Drogentote, 33.000 von ihnen hatten Opioide genommen. Nach vorläufigen Angaben stiegen die Zahlen 2016 weiter an. In Deutschland starben im vergangenen Jahr 1.333 Menschen, weil sie illegale Substanzen wie Heroin, Kokain oder Crack konsumiert hatten.

Mittel werden nicht automatisch aufgestockt

Trump hatte wegen der schweren Krise mehrfach angekündigt, den nationalen Notstand verhängen zu wollen. In dem Fall wären sofort zusätzliche Bundesmittel für den Kampf bereitgestellt worden, die normalerweise für Naturkatastrophen vorgesehen sind. Bei einem Gesundheitsnotstand gibt es nicht automatisch zusätzliche Bundes­mittel zur Bekämpfung der Krise. Das Weiße Haus wolle den Kongress aber um mehr Mittel bitten, hieß es. Geplant sind zudem Umschichtungen von Gelder.

Unter anderem könnte das Arbeitsministerium Hilfe für entlassene Arbeiter, die vom Strukturwandel betroffen sind, für den Kampf gegen den „Teufelskreis von Sucht und Arbeitslosigkeit“ einsetzen. Der Gesundheitsnotstand gilt 90 Tage, die Frist kann jedoch unbegrenzt erneuert werden.

Schmerzmittel: Amerikas stille Sucht

Washington – Die Katastrophe rollt seit Jahren heran, aber niemand hat sie sehen wollen: Vor allem in ländlichen, ärmeren Regionen der USA sind Millionen Menschen süchtig nach Opioiden. In manchen Gebieten ist bereits der Notstand ausgerufen worden [...]

Nach Angaben der US-Gesellschaft für Suchtmedizin sind zwei bis drei Millionen US-Bürger abhängig von starken Schmerzmitteln wie Oxycontin oder Fentanyl sowie von Heroin, das oftmals mit synthetischen Substanzen versetzt ist. Laut einer von Trump gebildeten Kommission zur Opioid-Krise starben im Jahr 2015 täglich 142 US-Bürger an einer Überdosis – das sind mehr als die Opfer von Verkehrsunfällen und durch Schusswaffengebrauch zusammen. Der New York Times zufolge stieg die Zahl im vergangenen Jahr um 19 Prozent weiter an. Die Gesundheitsbehörde CDC spricht von täglich im Schnitt 91 Menschen, die an einer Opioid-Überdosis sterben. Dazu gehören auch Mittel, die als Medikamente eingesetzt werden.

Trump kündigte an, der Kampf gegen „diese gesellschaftliche Plage“ werde Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern. Doch wenn alle zusammenstünden, könnte sie besiegt werden. Nach seinen Angaben hat die Arzneimittelbehörde FDA bereits gefordert, ein „besonders risikoreiches Opioid“ sofort vom Markt zu nehmen. Um welches es sich dabei handelt, ließ Trump offen. Gleichzeitig drohte er mit „größeren Klagen gegen Personen und Unternehmen, die unserem Volk geschadet haben“.

Er werde bei seinem nächsten Peking-Besuch zudem mit Präsident Xi Jinping das Problem mit in China hergestelltem Fentanyl ansprechen, kündigte Trump ferner an. „Ich werde das als oberste Priorität behandeln, und er wird etwas dagegen tun“, fügte der US-Präsident hinzu. Das synthetische Opioid wird für zahlreiche der Sucht-Toten in den USA verantwortlich gemacht.

In seiner Rede erinnerte Trump auch an das Schicksal seines älteren Bruders Fred, der 1981 im Alter von 43 Jahren an den Folgen seiner Alkoholabhängigkeit starb. „Er hatte ein hartes Leben wegen des Alkohols“, sagte Trump. „Er sagte mir ständig, trink nicht. Und ich habe auf ihn gehört“. Bis zum heutigen Tag habe er kein Glas Alkohol angerührt.

© dpa/afp/aerzteblatt.de

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Practicus
am Sonntag, 29. Oktober 2017, 15:47

In Europa

stehen ja bei chronischen Schmerzen auch Substanzen zur Verfügung, die in den USA nicht zugelassen sind: Diclofenac, Coxibe, Metamizol... in den USA gibt es nur ASS, Paracetamol und Ibuprofen... und eben Opioide
Die zigtausenden Todesfälle durch die unerwünschten Wirkungen der NSAR in Europa werden ja nicht erfasst (Herinfarkte, Schlaganfälle, Niereninsuffizienz, GI-Blutungen)
Hauptproblem ist das amerikanische Gesundheitssystem, das die Schmerzmittel über Verschreibungen derart teuer macht, dass der Dealer an der Ecke der preiswertere Lieferant wird...
Punkt zwei sind die verbreiteten Drogentests durch Arbeitgeber, die hochpotente Fentanylderivate (Carfentanil, Okfentanil, Sufentanil) nicht erfassen.
Und diese Substanzen bergen das Risiko, dass bei unsorgfältigem Strecken aus einem Bubble (Drogenpäckchen) gleiche Substanzmengen unwirksam oder tödlich sein können.
Auch bei uns sind Opioide (mit Ausnahme von Methadon) absurd teuer - 300-400 Euro für eine N3-Packung könnten sich Patienten als Selbstzahler nicht leisten.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 29. Oktober 2017, 09:03

D.T. selbsternannter Suchtexperte?

Krankheiten, Abhängigkeit, Suchterkrankungen, Drogenmissbrauch sind etwas für Experten! Wenn der US-Präsident Donald Trump ebenso plakativ-populistisch wie laienhaft-unprofessionell den „öffentlichen Gesundheitsnotstand“ proklamiert, hat er semantisch-krankheitsverleugnend nichts begriffen oder verstanden.

Es ist ein "öffentlicher Krankheitsnotstand" in den USA!
Wenn im Jahr 2016 bei 320 Millionen Einw. allein 64.000 Amerikaner (22% mehr als 2015!) an Drogen-Überdosen starben, war dies die häufigste Todesursache bei Patienten unter 50 Jahren noch vor unsachgemäßem und/oder vorsätzlichem Schusswaffengebrauch bzw. tödlichen Verkehrsunfällen. Von 64.000 Drogentoten starben 30.000 durch verschreibungspflichtige Opioide und Heroin; ca. 20.000 durch Fentanyl überwiegend bei Palliativbehandlungen, aber auch bei illegalem Straßendrogen-Missbrauch.

Weder sind Ärzte, Patienten, Pharmaindustrie oder die Drogenmafia alleine schuld an diesem nationalen Drama. Es ist das marode, durch Obamacare notdürftig reparierte US-Kran­ken­ver­siche­rung-System, das rein utilitaristisch-gewinnorientiert arbeitet, Patienten undifferenziert abfertigt und mit Schmerzmitteln zudröhnt, weil personalisierte, individualisierte Krankenversorgung, Krankheitsbewältigung und Hilfen unbezahlbar bleiben!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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