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Medizin

MRSA: Routinemäßige Genomanalysen können unerwartete Ausbrüche aufspüren

Mittwoch, 1. November 2017

MRSA_dpa

London – Mit der Sequenzierung sämtlicher methicillinresistenter Staphylococcus aureus (MRSA) hat ein Zentrallabor in Ostengland die Ausbreitung des gefürchteten nosokomialen Erregers nachverfolgt. Die Publikation im Science Translational Medicine (2017; 9: eaak9745) stellt einige Annahmen über die Epidemiologie infrage und liefert eine starke Motivation, die Genomanalyse in nicht allzu ferner Zukunft in die Regelversorgung einzubeziehen.

Der methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA) gehört zu den wichtigsten nosokomialen Keimen, die sich in Krankenhäusern aber zunehmend auch im ambulan­ten Bereich ausbreiten. Um eine Einschleppung rechtzeitig zu erkennen, haben viele Kliniken begonnen, alle Patienten bei der Aufnahme auf eine Besiedlung mit MRSA zu prüfen, um die betroffenen Patienten dann in Einzelzimmern zu isolieren. Trotzdem kommt es immer wieder zu Infektionen. Die Übertragungswege bleiben dabei meist in Dunkeln. 

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Dies könnte sich in Zukunft durch eine Erbgutanalyse der Erreger ändern. Durch den Vergleich der DNA-Sequenz lassen sich die Erreger bestimmten Ausbrüchen zuordnen. Wenn dann noch Daten über Ort und Zeitpunkt einer Behandlung zur Verfügung stehen, können Übertragungswege rekonstruiert werden. Eventuell kann sogar ermittelt werden, wann und wo sich die einzelnen Infektionen ereignet haben.

Dies ist einem Labor der Universität Cambridge in England im Verlauf eines Jahres gleich mehrfach gelungen. Das Labor ließ im Verlauf eines Jahres alle 2.282 Isolate, in denen MRSA nachgewiesen wurden, vom Sanger Institute in Hinxton genetisch analysieren. Die Isolate stammten zu 80 Prozent aus drei Kliniken in Ostengland. Sie waren überwiegend beim Screening bei der Aufnahme der Patienten in die Klinik oder bei den wöchentlichen Kontrollen auf der Intensivstation entnommen worden. Die übrigen 20 Prozent der Proben waren von 75 Hausarztpraxen („general practitioner“ GP) zu diagnostischen Zwecken eingesandt worden. 

Dem Team um Sharon Peacock von der London School of Hygiene and Tropical Medicine standen zudem Informationen über Wohnort und Behandlungszeiträume zur Verfügung. Die Forscher konnten knapp 40 Prozent der Patienten einem von 173 Clustern zuordnen, die sich jeweils auf einen einzelnen Erreger zurückführen ließen. 

Insgesamt 118 Cluster mit 371 Personen betrafen ausschließlich Krankenhauskontakte. Weitere 27 Cluster mit 72 Personen hatten sich nur außerhalb der Klinik ausgebreitet. Dies entspricht der derzeitigen Einschätzung der meisten Experten, nach der sich die CA-MRSA (für „community acquired“) klar von cMRSA (für „clinic“) trennen lassen. Nach dieser Lesart treten einige Stämme, beispielsweise CC22, nur in Kliniken auf, andere sind auf den ambulanten Bereich beschränkt. Die Studie zeigt jedoch, dass die Trennung so klar nicht ist: 28 Cluster mit 157 Personen betrafen sowohl Klinik- als auch Hausarztpatienten, darunter waren etliche mit dem Erreger CC22.

Für die Kliniken interessant sein dürfte, dass die Erreger nicht unbedingt durch direkten Kontakt von einem Patienten zu seinem Bettnachbarn übertragen wurden. Es gab räumliche und auch zeitliche Lücken: Die MRSA infizierten Patienten auf verschiedenen Stationen, oder ein Patient erkrankte erst, nachdem der frühere die Klinik bereits verlassen hatte. Für Peacock ist dies ein klares Indiz dafür, dass Fehler bei der Reinigung der Krankenzimmer gemacht wurden oder dass das Klinikpersonal, das in der Regel nicht regelmäßig getestet wird, den Erreger weitergetragen hat. 

In mehreren Fällen konnten die Forscher die Infektionsketten sowohl patienten­zentriert, also auch stationszentriert, rekonstruieren. Wenn diese Informationen zeitnah vorgelegen hätten, wäre möglicherweise die eine oder andere nosokomiale Infektion verhindert worden. Genau dies ist das Ziel einer Nachfolgestudie, die im nächsten Jahr beginnen soll. Geplant ist, die Sequenzanalysen so schnell wie möglich durchzuführen, um dann der Klinik oder dem GP die Ergebnisse schnellstmöglich mitzuteilen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 2. November 2017, 00:19

Falsches Bild?

@Redaktion DÄ: Das "GN" auf der verwendeten Chromplatte spricht eher für "MRGN", auch passt das abgebildete Testplättchen nicht zum Nachweis von MRSA
CPO 30 ist Cefpirom 30 µg
http://www.mastgrp.com/IFUS/IFU171_GER.pdf
LNS

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