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Medizin

Studie: Blutdruck in China außer Kontrolle

Freitag, 27. Oktober 2017

/dpa

Peking – Schätzungsweise 200 Millionen Erwachsene in China haben einen zu hohen Blutdruck, aber weniger als 15 Prozent werden behandelt. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie an 1,7 Millionen Chinesen, die jetzt im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)32478-9) veröffentlicht wurden. Ein Grund dürfte eine Unterversorgung mit Medikamenten sein. Einer weiteren Studie zufolge (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)32476-5) hält nur eine von zwölf Apotheken die notwendigen Medikamente bereit.

Die rapide wirtschaftliche Entwicklung hat in China dazu geführt, dass sich einige negative Auswirkungen der „westlichen“ Zivilisation auch im Land der Mitte ausgebrei­tet haben. Dazu gehört eine vermehrte Urbanisierung. Ein großer Anteil der Chinesen lebt heute in Großstädten, wo Autos die Fahrräder als Verkehrsmittel verdrängt haben. Auch die Ernährungsgewohnheiten haben sich verändert. Ein Drittel der Erwachsenen hat einen Body-Mass-Index von mehr als 28 kg/m2 und gilt deshalb für ostasiatische Verhältnisse als fettleibig. Jeder Vierte trinkt regelmäßig Alkohol, jeder Fünfte raucht und 6,1 Prozent haben mittlerweile einen Typ-2-Diabetes.

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Dies zeigen die Ergebnisse des „PEACE Million Persons Project“, das 1,7 Millionen Chinesen auf kardiovaskuläre Risikofaktoren (PEACE steht für „China Patient-Centered Evaluative Assessment of Cardiac Events“) hin untersucht hat. Besonders häufig wurde bei den Teilnehmern ein zu hoher Blutdruck gefunden. Wie das Team um Lixin Jiang von der Fu-Wai-Klinik in Peking berichtet, wurde bei 44,7 Prozent der im Mittel 55,6 Jahre alten Teilnehmer der Studie ein Blutdruck von über 140/90 mmHg gemessen. Bei 15,2 Prozent lagen die Blutdruckwerte sogar über 160/100 mmHg. Sie hatten damit eine Hypertonie vom Stadium 2, die auf jeden Fall medikamentös behandelt werden sollte.

Allerdings hatten nur 44,7 Prozent vor der Teilnahme an der Studie gewusst, dass sie einen zu hohen Blutdruck haben. Nur 22,9 Prozent nahmen Medikamente ein, erreichten aber zu 76,1 Prozent die Blutdruckziele nicht. 

Einen wesentlichen Grund ermittelte Jiang in einer Umfrage unter 3.362 primären Gesundheitseinrichtungen, die für die Verteilung der Medikamente zuständig sind. Zwar hatte die Mehrheit der Einrichtungen (88,7 Prozent) Antihypertonika auf Lager. Doch nur eine von drei hielt Medikamente aus allen vier Wirkstoffgruppen vor, die heute zur Behandlung der Hypertonie eingesetzt werden. 

Wie wichtig eine konsequente Behandlung der Hypertonie in China wäre, zeigt sich laut Jiang daran, dass der Schlaganfall mit einem Anteil von 20 Prozent eine der häufigsten Todesursachen ist. Der wichtigste Risikofaktor für einen Schlaganfall ist (nicht nur in China) die arterielle Hypertonie. © rme/aerzteblatt.de

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