NewsMedizinUSA: CDC-Gutachter raten zu neuem Zoster-Impfstoff
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

USA: CDC-Gutachter raten zu neuem Zoster-Impfstoff

Mittwoch, 1. November 2017

Atlanta – In den USA steht eine Änderung in der Empfehlung zur Schutzimpfung gegen Herpes zoster bevor. Externe Berater raten den Centers for Disease Control and Prevention den in der letzten Woche zugelassenen Impfstoff Shingrix des britischen Herstellers GlaxoSmithKline zu bevorzugen. Auch Menschen, die mit der älteren Vakzine Zostavax des US-Herstellers Merck geimpft wurden, sollen wechseln. 

Viele Impfstoffexperten hatten sich niemals für Zostavax erwärmen können. Der Grund ist die schwache Schutzwirkung, die im Alter noch abnimmt. Zostavax ist für Menschen ab dem 60. Lebensjahr zugelassen. Die Schutzwirkung wird im Alter von 60 bis 69 Jahren mit 64 Prozent angegeben, sie sinkt in der nächsten Lebensdekade auf 41 Pro­zent und im Alter über 80 Jahre auf 18 Prozent. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter immer mehr Senioren Kontraindikationen gegen Lebendimpfstoffe wie Zostavax haben.

Für den neuen Nicht-Lebendimpfstoff Shingrix gelten die Einschränkungen nicht. Er hat zudem in klinischen Studien sowohl bei Personen über 50 Jahre als auch bei Senioren über 70 Jahre überzeugt. In der Studie ZOE-50 lag die Schutzwirkung bei 97,2 Prozent (NEJM 2015; 372: 2087–96), in der Studie ZOE-70 lag die Schutzwirkung bei 89,8 Prozent und sie ließ auch bei Hochbetagten kaum nach (NEJM 2016; 375: 1019–32).

Die 15 Mitglieder des Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP), die die CDC bei Impfungen berät, waren sich deshalb mit 14 zu 1 Stimmen (fast) einig, dass der neue Impfstoff immunkompetenten Menschen über 50 Jahre zur Vorbeugung eines Herpes zoster empfohlen werden kann. Mit 12 zu 3 stimmten sie dafür, dass Menschen, die bereits mit Zostavax geimpft worden waren, auf den neuen Impfstoff wechseln sollten. In der Frage, welches der überlegene Impfstoff ist, zierten sich die Experten jedoch. Die Entscheidung fiel mit 8 gegen 7 Stimmen nur knapp zugunsten von Shingrix aus.

Die Bedenken gegen den neuen Impfstoff betrafen zum einen die frühzeitige Empfeh­lung nur wenige Tage nach der Zulassung. Langfristige Erfahrungen zur langfristigen Sicherheit liegen deshalb noch nicht vor. Auch das Adjuvans AS01B, das erstmals in einem zugelassenen Impfstoff eingesetzt wird, wird kritisch gesehen. Wie jedes Adjuvans soll AS01B die Impfstoffwirkung verstärken.

An der Injektionsstelle im Muskel kommt es jedoch zu einer lokalen Entzündungs­reaktion, die unter Umständen schmerzhaft ist. In der Studie ZOE-50 klagten 84,4 Prozent der Geimpften in den ersten sieben Tagen nach der Impfung über Beschwerden (gegenüber 37,8 Prozent im Placebo-Arm, wo die Injektion keinen Wirkstoff und kein Adjuvans enthielt). Insgesamt 17,0 Prozent der Geimpften meinten, dass sie die Beschwerden in ihrer normalen Alltagsaktivität beeinträchtigt hätten (3,2 Prozent in der Placebo-Gruppe). © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Pro-Natur
am Donnerstag, 2. November 2017, 11:22

Neue Verkaufstrategie

So kann man Impfungen mehrfach verkaufen, so wie Waschpulver: "new, improved." Die Ergebnisse der Abstimmung könnte man auch so deuten: bei 14 zu 1 Stimmen traute sich nur einer. Mit 12 zu 3 fassten 2 weitere Mut und mit 8 gegen 7 drohte der Aufstand. Die CDC kann keine Aufsichtsbehörde sein, wenn sie von der Pharmaindustrie unterwandert wird.

Nachrichten zum Thema

21. Juni 2018
Bonn – Da das parenteral applizierte Antibiotikum Cefepim fast ausschließlich über die Nieren eliminiert wird, kann es bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion zu einem Anstieg der
Cefepim: Neurotoxizität bei eingeschränkter Nierenfunktion
19. Juni 2018
Kopenhagen – In Dänemark hat der erste Jahrgang von jungen Mädchen, die gegen onkogene humane Papillomaviren (HPV) geimpft wurden, das Alter für die Früherkennung des Zervixkarzinoms erreicht. Bei den
HPV-Impfung: Weniger Läsionen bei der ersten Vorsorgeuntersuchung in Dänemark
19. Juni 2018
Weimar – Die Projektpartner der „Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen“ (ARMIN) haben eine positive Zwischenbilanz des Modellvorhabens gezogen. „Innovativ, sektorenübergreifend und wirkungsstark:
Positive Zwischenbilanz für Arzneimittelinitiative ARMIN
15. Juni 2018
Boston und Cambridge/Massachusetts – Ein neuer genetisch modifizierter Lebendimpfstoff hat in ersten tierexperimentellen Studien innerhalb von 24 Stunden eine Immunität gegen Cholera erzeugt. Die in
Cholera: Neuer Impfstoff und altes Probiotikum könnten Ausbrüche stoppen
14. Juni 2018
Baltimore – Die weit verbreitete Impfung gegen Haemophilus influenzae type b (Hib) und die kürzliche Einführung eines Konjugatimpfstoffes gegen Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) haben seit der
Impfungen gegen Hib und Pneumokokken haben 1,35 Millionen Kindern das Leben gerettet
13. Juni 2018
Chicago – Die Polypharmazie führt dazu, dass immer mehr Patienten gleich mehrere Wirkstoffe verschrieben bekommen, zu deren Nebenwirkungen depressive Verstimmungen gehören. In einer Querschnittstudie
Depressionen häufige Nebenwirkung von Medikamenten
13. Juni 2018
Berlin – In fast allen Bundesländern in Deutschland findet man auf Fußballplätzen Zecken. Sie können Krankheitserreger wie das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME-Virus) übertragen. Das ergab

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER