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Ärzteschaft

Ärztekammer und Marburger Bund kritisieren Bürokratie beim Entlassmanagement

Freitag, 27. Oktober 2017

/dpa

Münster/Köln – Seit Anfang Oktober gilt das Entlassmanagement in Krankenhäusern. Das soll für Patienten den Übergang von der stationären in die ambulante Versorgung verbessern. Harsche Kritik daran üben nun Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) und Marburger Bund (MB). Beide urteilen unisono: Ärzten in den Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen werde wertvolle Zeit für die Behandlung ihrer Patienten geraubt.

Sie bemängeln, dass Klinikärzte nun in formalen Konferenzen mit Pflegenden und dem Sozialdienst über jeden Patienten vor seiner Entlassung nochmals sprechen müssten. Und das, obwohl es in den Kliniken ein bewährtes und ordnungsgemäßes Entlass­management gebe.

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Regelung abschaffen

„Diese unsinnige Regelung gehört abgeschafft. Es ist doch weitaus sinnvoller mit unseren Patienten über deren nahtlosen Übergang zur ambulanten Nachversorgung zu sprechen, als über sie“, forderten ÄKWL-Präsident Theodor Windhorst und der Erste Vorsitzende des MB Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz Hans-Albert Gehle. Bisher haben die Entlassungen durchaus in formloser Kommunikation gut funktioniert. Jeder Patient habe zeit- und sachgerechte Lösungen für seine weitere Behandlung erhalten, erklären sie.

„Nun erleben wir aber einen gesetzlich verordneten bürokratischen Overkill, der leider kein Gewinn für unsere Patienten ist“, beklagen sie weiter. Mal wieder würden mit einem neuen Gesetz die ärztlichen Aufgaben ausgeweitet, aber das für die Umsetzung der Aufgaben benötigte neue ärztliche Personal werde nicht finanziert.

„Jetzt sollen Klinikärzte den Bedarf für die Anschlussversorgung jedes einzelnen Patienten in einem Assessment erfassen und jeder Patient soll auf Formularen dem Entlassmanagement und der Weitergabe seiner persönlichen Daten zustimmen. So wird nutzlose Bürokratie aufgebaut“, so Windhorst und Gehle. Die Bemühungen um einen Bürokratieabbau würden „regelrecht konterkariert“. Beide sprechen von einem „klassischer Fall der Überregulierung“. „Täglich erreichen uns zahllose Klage von Klinikärzten, weil das neue Entlass-Prozedere im Klinikalltag gar nicht umsetzbar ist“, betonen Windhorst und Gehle.

Das neue Entlassmanagement bei dem Übergang von der stationären Versorgung zur ambulanten Nachversorgung für bundesweit mehr als 19 Millionen Klinikpatienten erfordert nach Berechnungen der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft (DKG) bundesweit jährlich 100.000 ärztliche Arbeitstage mehr. © may/EB/aerzteblatt.de

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