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Atomschutzbunker soll zur Cannabis­zuchtstation werden

Mittwoch, 1. November 2017

/dpa

Memmingen – In Deutschland wird künftig in großem Stil Cannabis angebaut, legal unter staatlicher Kontrolle zu medizinischen Zwecken. In einem Atomschutzbunker eines ehemaligen Fliegerhorstes ein paar Kilometer von Memmingen entfernt wollen Wissenschaftler künftig an Cannabispflanzen forschen. Das Projekt wird von einem Unternehmer aus Schwaben und der Technischen Universität München vorangetrieben.

Noch steht allerdings die Genehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte aus. Sollte die Erlaubnis bis Ende des Jahres vorliegen, könne der Anbau der Cannabispflanzen im Frühjahr 2018 starten, sagte Wolfgang Eisenreich von der Fakultät für Chemie der TU. Das Forschungsprojekt würde dann mindestens drei bis vier Jahre laufen.

Für die Erforschung sollen mehrere Doktorandenstellen geschaffen werden. Eisenreich möchte den Anbau und die Inhaltsstoffe von mindestens 80 verschiedenen Zuchtlinien untersuchen. „Es gibt relativ wenige wissenschaftliche Studien zu Cannabis“, erklärte er. Nach dem Anbau in dem Atombunker würden die Extrakte der Cannabispflanzen zum TU-Campus in Garching bei München zur Laboranalyse gebracht.

Die Allgäuer Gesellschaft Bunker Pflanzenextrakte will den früheren Atom­bunker für den Anbau nutzen, weil die Militär­anlage alle Sicher­heits­voraus­setzungen erfülle. Geschäftsführer Christoph Rossner setzt sich nach eigenen Angaben seit 17 Jahren für die Zulassung und Erforschung von Cannabis als Arznei ein. Er habe mehrere Geld­geber im Hintergrund, sagt der 47-Jährige. Namen nennt er allerdings nicht.

Um die bislang schwierige Versorgung schwer kranker Patienten sicherzustellen, soll auch in Deutschland Cannabis zu medizinischen Zwecken angebaut werden. Ein im März 2017 in Kraft getretenes Gesetz hat die Möglichkeiten der therapeutischen Nutzung der Droge erweitert. Beim Bundesinstitut wurde eine Cannabisagentur eingerichtet, um den Handel zu medizinischen Zwecken staatlich zu überwachen. Cannabis kann beispielsweise bei Schmerzpatienten und Kranken mit Multipler Sklerose von den Ärzten verschrieben werden.

Für den Zeitraum 2019 bis 2022 wurde die Lieferung von Cannabis im Umfang von 6.600 Kilogramm von der Behörde ausgeschrieben. Mehr als 100 Interessenten hatten sich an dem Verfahren beteiligt, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht. Es handele sich zumeist um Unternehmen aus Deutschland, aber auch um Interessenten aus Israel, Kanada, den Niederlanden, der Schweiz, Uruguay, den USA und Zypern. Das Ausschreibungsverfahren ist nach Angaben einer Sprecherin des Bundesinstituts noch nicht abgeschlossen.

Der Atombunker ist ein Relikt aus den Zeiten des Kalten Krieges. Auf dem Fliegerhorst war einst das Jagdbombergeschwader 34 „Allgäu“ der Bundeswehr stationiert. Nach mehr als 40 Jahren wurde die Einheit 2003 aufgelöst und der Militärflugplatz geschlossen. Das Gelände wird nun vom Allgäu Airport genutzt. Unternehmer Rossner kann sich vorstellen, dass der Bunker auch nach dem Forschungsprojekt für den Cannabisanbau im Rahmen des staatlichen Beschaffungsprojekts weiter verwendet wird. © dpa/aerzteblatt.de

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