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Psychotherapeuten fordern kürzere Wartezeiten für Patienten

Mittwoch, 1. November 2017

/dpa

Mainz/Wittlich – Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz dringen auf Reformen, um die langen Wartezeiten für Patienten zu verkürzen. Patienten bekämen zwar häufig einen Ersttermin beim Psychotherapeuten, müssten dann aber wochen- bis monatelang auf einen Therapieplatz warten, bemängelte der Vorsitzende der Landespsychothera­peu­ten­kammer, Peter Brettle. Nach Ansicht des Kammerchefs gibt es zu wenig Sitze für Psychotherapeuten – vor allem für Kinder und Jugendliche – und eine zunehmend eingeschränkte Kostenerstattung der Krankenkassen.

Ein Erwachsener, der zwischen Eifel und Pfalz einen Psychotherapeuten aufsuchen will, muss nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) bis zum Beginn einer Kurzzeittherapie im Durchschnitt fünf Monate, bis zum Start einer längeren Therapie ein halbes Jahr warten. Kinder und Jugendliche warten im Schnitt vier Monate bis zum Start einer Kurzzeittherapie und sechs Monate bis zum Beginn einer Langzeittherapie. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage aus der Grünen-Landtagsfraktion hervor. Auf die Umfrage der KV zur Wartezeit antworteten allerdings nur rund 40 Prozent der angeschriebenen Praxen.

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Missverhältnis zwischen Stadt und Land

Die Versorgung mit Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz sieht auf den ersten Blick aber gar nicht problematisch aus – im Gegenteil. Alle Städte und Kreise sind nach Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) „überversorgt“, der Versorgungsgrad liegt also über 100 Prozent. An der Spitze liegen die Stadt Neustadt/Weinstraße und der Kreis Bad Dürkheim mit rund 213 Prozent, „hinten“ ist der Donnersbergkreis mit rund 110 Prozent. In Mainz liegt die Versorgung demnach bei 155 Prozent, in Ludwigshafen bei 139 Prozent, in Koblenz bei fast 117 Prozent und in Trier bei knapp 121 Prozent.

Die Psychotherapeutenkammer hält die Versorgung dennoch für unzureichend. Sie sei in ländlichen Gebieten „besonders dramatisch“, sagte Brettle, der seine Praxis in Wittlich hat. Der Grund: Die Planung des Bedarfs beruht auf Zahlen von 1999. Damit habe sich ein Missverhältnis zwischen Stadt und Land manifestiert. „Eine annähernd angemessene psychotherapeutische Versorgung insbesondere ländlicher Regionen Deutschlands ist so nicht erreichbar.“ Die Kammer fordert eine verbesserte Bedarfs­planung auf Bundesebene, die Sozialstrukturen und Krankheitshäufigkeit berück­sichtigt.

Ge­sund­heits­mi­nis­terin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sagte, die Versorgung sei in den vergangenen Jahren ausgebaut worden. Mit einer Reform 2013 seien 99 neue psychotherapeutische Sitze geschaffen worden. Seit dem 1. April könnten gesetzlich versicherte Patienten außerdem Sprechstunde und Akutbehandlung innerhalb von vier Wochen wahrnehmen. Sie sprach aber in der Antwort auf die Grünen-Anfrage von nachweislichen Versorgungsengpässen, für deren Linderung weitere Psychotherapeu­ten zugelassen werden müssten. Die Ministerin hält eine Änderung der Bedarfsplanung für notwendig, damit es in Regionen mit hohen Wartezeiten mehr Therapeuten gebe. © dpa/aerzteblatt.de

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CharlotteLeidenich
am Dienstag, 7. November 2017, 11:51

Anspruch und Wirklichkeit - eine große Kluft

Dass Patienten seit dem 01.04.17 eine psychotherapeutische Sprechstunde nutzen können, ist soweit richtig. Dass sie aber auch innerhalb von 4 Wochen eine Akutbehandlung wahrnehmen können, ist ein netter Aprilscherz. Viele Therapeuten bieten eine solche Akutbehandlung gar nicht erst an, weil sie es sich gar nicht leisten können, Kapazitäten freizuhalten. Sie stehen zu Recht auf dem Standpunkt, dass jeder behandlungsbedürftige Patient grundsätzlich eine Therapie braucht. Und dafür gibt es - wie hinreichend bekannt - viel zu lange Wartezeiten, weil Behandlungsplätze definitiv nicht im erforderlichen Umfang verfügbar sind. Mit herzlichen Grüßen an Frau Ge­sund­heits­mi­nis­terin Bätzing-Lichtenthäler: es herrscht noch immer Augenwischerei, die auf dem Rücken sehr kranker Menschen ausgetragen wird.
LNS

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