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Medizin

PPI erhöhen Magenkrebs­risiko nach erfolgreicher H.-pylori-Era­dikation

Freitag, 3. November 2017

Helicobacter pylori /dpa

Hongkong – Chinesische Patienten erkrankten mehr als doppelt so häufig an Magenkrebs, wenn sie nach einer erfolgreichen H.-pylori-Eradikation dauerhaft mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI) behandelt wurden. Die in Gut (2017; doi: 10.1136/gutjnl-2017-314605) vorgestellten Zahlen bestätigen einen Verdacht, auch wenn das absolute Risiko gering sein dürfte.

Chronische Infektionen mit Helicobacter pylori sind in vielen Ländern eine wichtige Ursache von Magenkrebs der weltweit dritthäufigsten Krebstodesursache. Allen Patienten mit H. pylori wird deshalb zu einer H.-pylori-Eradikation geraten, die heute meist mit einer Triple-Therapie erfolgt. PPI sind eine feste Komponente der Triple-Therapie. Sie können nach einer erfolgreichen Eradikation abgesetzt werden, doch viele Patienten entscheiden sich für eine Fortsetzung mit einem PPI, die als Wirkstoffgruppe bis vor Kurzem als bedenkenlos weil gut verträglich eingestuft wurden.

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Die langfristige Sicherheit von PPI wird jedoch zunehmend infrage gestellt, seit epidemiologische Studien eine Assoziation mit Knochenbrüchen, Clostridium-difficile-Infektionen, Pneumonien, Herzinfarkten und sogar Schlaganfällen ermittelt haben.

Auch Magenkrebs könnte zu den möglichen Folgen gehören. Patienten mit langjähriger H.-pylori-Infektion könnten besonders gefährdet sein. Die PPI könnten die Erholung der Magenschleimhaut erschweren. Unter einer H.-pylori-Infektion kommt es häufig zu einer Atrophie, die nach Einnahme von PPI bestehen bleibt. Die meisten Magenkarzinome entwickeln sich auf dem Boden einer Atrophie.

Dieser Verdacht wird jetzt durch die Analyse der Daten von 63.397 Erwachsenen bestätigt, bei denen zwischen 2003 und 2012 erfolgreich eine H.-pylori-Eradikation durchgeführt wurde. Während einer Nachbeobachtungszeit von 7,6 Jahren sind 153 Patienten (0,24 Prozent) an einem Magenkarzinom erkrankt, das sich bei 62 Prozent in der Non-Cardia-Region bildete. Keiner der Magenkrebs-Patienten war noch mit H. pylori besiedelt, alle hatten jedoch eine langjährige Gastritis. Der Magenkrebs war im Mittel 4,9 Jahre nach der erfolgreichen H.-pylori-Eradikation aufgetreten. Die Patienten waren im Durchschnitt 71,4 Jahre alt.

Viele der am Magenkrebs erkrankten Patienten hatten auch nach der H.-pylori-Eradikation weiter PPI erhalten. Ein Team um Wai Keung Leung vom Queen Mary Hospital in Hongkong ermittelt in einer Propensity-Score-Analyse, die Patienten mit gleichen Eigenschaften und anderen Risikofaktoren gegenüberstellt, eine Hazard Ratio von 2,44, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,42 bis 4,20 signifikant war. Das absolute Risiko war aufgrund der insgesamt niedrigen Zahl von Magenkrebs­fällen gering: Die Behandlung mit einem PPI führt nach den Berechnungen von Leung zu 4,29 zusätzlichen Erkrankungen pro 10.000 Personenjahre.

Für Anwender von H2-Rezeptor-Antagonisten konnte Leung kein erhöhtes Risiko nachweisen (Hazard Ratio 0,72; 0,48–1,07). Da nur wenige Patienten H2-Rezeptor-Antagonisten erhalten hatten, kann jedoch nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass diese älteren Medikamente, die die Magensäureproduktion schwächer hemmen, unbedenklich sind.

Der Cardia-Anteil des Magens könnte von einem erhöhten Krebsrisiko ausgenommen sein. Leung ermittelte eine Hazard Ratio von 1,97 (0,57–6,82). Aber auch diese Aussage ist aufgrund des weiten 95-Prozent-Konfidenzintervalls mit einem Fragezeichen zu versehen.

Für eine Kausalität, die in epidemiologischen Untersuchungen niemals zweifelsfrei belegt werden kann, spricht eine Dosis-Wirkungs-Beziehung. Das Magenkrebsrisiko, das bereits nach einjähriger Einnahme nachweisbar war, stieg mit der Dauer der Einnahme weiter an. Es sind aber durchaus Verzerrungen möglich. So ist denkbar, dass Patienten, die wegen anhaltender Beschwerden längerfristig mit PPI behandelt werden, häufiger eine Magenspiegelung durchgeführt haben. Dabei könnte dann häufiger ein Magenkrebs diagnostiziert worden sein. © rme/aerzteblatt.de

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