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Ärzteschaft

Abklärungspauschale wird kaum abgerechnet

Freitag, 3. November 2017

Berlin – Die vor einem halben Jahr eingeführte Abklärungspauschale in der Notfall­versorgung wird aus Sicht des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Kassen­ärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, „nach wie vor nicht richtig verstanden“. Obwohl die Pauschale „neues Geld“ für eine erbrachte Leistung sei, werde sie bei weniger als einem Prozent der Fälle abgerechnet, unterstrich der KBV-Vize in einem Interview auf KV-on.

Interview mit Stephan Hofmeister zur Abklärungspauschale. /KV-on

Laut bundesweiten Abrechnungsdaten sowie nationalen und internationalen Studien benötigen etwa zehn Prozent der Patienten, die eine Notfallambulanz im Krankenhaus aufsuchen, keine dringliche Diagnostik und Therapie. Wenn Bereitschaftsdienst- und Notfallärzte solche Fälle nicht selbst behandeln, sondern an einen niedergelassenen Arzt weiterleiten, können sie dafür seit 1. April die Abklärungspauschale abrechnen. Die Pauschale beträgt tagsüber 4,74 Euro und nachts 8,42 Euro.

Vor dem Hintergrund überlaufener Krankenhausambulanzen sprach sich Hofmeister im KV-on-Interview zudem erneut dafür aus, Bereitschafts- und Notfalldienst enger zu verzahnen. Dadurch könnten die einzelnen Dienste von Bürgern bedarfsgerechter beansprucht und die knappen Ressourcen an Fachleuten besser gesteuert werden. Aus seiner Sicht könnten dabei sowohl Portalpraxen in Krankenhäusern als auch telefoni­sche Anlaufstellen zur Abklärung der Zuständigkeiten zu einer effizienteren, sektoren­über­greifenden Zusammenarbeit beitragen. © hil/sb/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 4. November 2017, 14:43

Lachnummer KBV-Abklärungspauschale!

Die neue Abklärungspauschale in den Klinik-Notfallambulanzen kann bei dem Massenansturm von Notfallbehandlungen im von der KBV dilettantisch kalkulierten Zwei-Minutentakt nicht funktionieren.

Ist es Naivität oder Ignoranz, wenn neben dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), dem Orthopädie-Kollegen Dr. med. Andreas Gassen, auch der Hausarzt-Vertreter in der KBV, der 2. Vorstandsvorsitzende Kollege Stephan Hofmeister behauptet, die Abklärungspauschale sei „nach wie vor nicht richtig verstanden“ worden? Diese Pauschale sei eingeführt worden, weil es angeblich Fälle gebe, in denen Patienten mit Bagatellerkrankungen oder nur für ein Rezept eine Notfallambulanz aufsuchten.

Gassen weiter: „Diese Pa­tien­ten soll der Kran­ken­hausarzt dann zum niedergelassenen Arzt schicken. Für diese Abklärung hat das Krankenhaus bisher kein Geld bekommen“, ist eine krasse Fehleinschätzung. Denn selbstverständlich wurden derartige "Bagatellfälle" zur Quersubvention aufwändiger echter Notfälle voll abgerechnet, entsprechend dem gleichmacherischen Durchschnitts-Vergütungs-Prinzip mit Regelleistungsvolumina (RLV) in der haus- und fachärztlichen, vertragsärztlichen Praxis.

Im Wortlaut heißt es bei der KBV: "Abrechnungshinweise zur Abklärungspauschale GOP 01205 und 01207 - Die Abklärungspauschale kann abgerechnet werden, wenn ein Patient in die reguläre vertragsärztliche Versorgung weitergeleitet werden kann, weil er kein Notfall ist. Damit wird die Abklärung der Behandlungs-Notwendigkeit und Koordination der weiteren Behandlung vergütet.
Die Ausschlüsse sind die gleichen wie bei den bestehenden Notfallpauschalen (GOP 01210, 01212, 01214 und 01216 und 01218). Zudem dürfen neben der Abklärungspauschale nicht die EBM-Kapitel 33, 34, und 35 (bildgebende Diagnostik) abgerechnet werden." (Zitat Ende) http://www.kbv.de/html/1150_25783.php

Von der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft (DKG) und vielen Ärzte-Verbänden wird als Aprilscherz kritisiert, dass die beiden folgenden Gebührenordnungspunkte zum 1. April 2017 im Einheitlichen Bewertungsmaßstab EBM nicht annähernd korrekt kalkuliert wurden:

- GOP 01205: berechnungsfähig am Tag (Tag = 7-19 Uhr; ohne Wochenenden, Feiertage & 24./31.12); Bewertung: 4,74 Euro (45 Punkte); einmal im Behandlungsfall
- GOP 01207: berechnungsfähig in der Nacht (Nacht = 19-7 Uhr; ganztägig an Wochenenden, Feiertagen & 24./31.12); Bewertung 8,42 Euro (80 Punkte); einmal im Behandlungsfall

bilden nicht mal ansatzweise Bereitschafts-, Untersuchungs- und Abklärungs-Aufwendungen bzw. Kosten für "die Abklärung der Behandlungs-Notwendigkeit und Koordination der weiteren Behandlung" ab. Denn schließlich besteht bei jeder Art von Behandlungsvertrag mit Patientinnen und Patienten eine Fürsorge- und Garantenpflicht seitens des verantwortlichen und koordinierenden Arztes für die angemessene Versorgung und gezielte Weiterleitung.

Solch banale, grundlegend arztrechtliche Tatsachen müssten eigentlich einem KBV-Vorstand bekannt sein. Stattdessen besteht nach betriebswirtschaftlichen Kalkulationen allein mit der Einrichtung, Ausstattung und logistisch-personeller Besetzung von klinischen Notfallambulanzen ein krasses Minusgeschäft. Bereits die schlichte Eingabe der Abklärungspauschale-Abrechnungs-Ziffern generiert keinen angemessenen Honorarumsatz!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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