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Medizin

Krebs: Darmbakterien beeinflussen Erfolg der Immuntherapie

Montag, 6. November 2017

fotoliaxrender/stock.adobe.com

Paris und Houston – Die Zusammensetzung der Darmflora könnte mit darüber ent­schei­den, ob eine Immuntherapie von Krebserkrankungen erfolgreich ist oder nicht. Dies zeigen zwei Studien in Science (2017; doi: 10.1126/science.aan4236 und 10.1126/science.aan3706), die zu neuen Ansätzen in der Krebsbehandlung führen könnten. 

Vor zwei Jahren hatte Laurence Zitvogel vom Institut de Cancérologie Gustave Roussy in Paris eine merkwürdige Beobachtung gemacht. Der Mediziner hatte Patienten, die unter der Behandlung mit dem Checkpointinhibitor Ipilimumab eine Kolitis entwickel­ten, mit Antibiotika behandelt. Daraufhin besserte sich die Darmentzündung. Doch der Krebs, der eben noch auf Ipilimumab angesprochen hatte, zeigte ein erneutes Wachstum (Science 2015; doi: 10.1126/science.aad1329). 

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Jetzt berichtet Zitvogel über ein ähnliches Phänomen bei der Behandlung mit PD-1/PD-L1-Inhibitoren, die über einen anderen Wirkmechanismus als Ipilimumab die körpereigene Immunabwehr auf den Tumor lenken. In der Studie waren 249 Patienten mit Lungen-, Nieren- und Blasenkrebs mit Immuntherapeutika behandelt worden. Darunter waren 69 Patienten, die vor oder kurz nach Beginn der Krebstherapie wegen einer Zahnbehandlung oder einer Harnwegsinfektion Antibiotika erhalten hatten. Diese Patienten erlitten frühzeitig ein Rezidiv ihres Krebsleidens und verstarben vorzeitig. In einer weiteren Gruppe von 239 Lungenkrebspatienten kam es ebenfalls zu frühzeitigen Rückfällen, wenn die Patienten Antibiotika erhalten hatten. 

Die französischen Forscher haben daraufhin die Darmflora von Patienten, die auf eine Immuntherapie angesprochen hatten, mit der Darmflora von Patienten verglichen, bei denen die Therapie erfolglos blieb. Ergebnis: Bei den Respondern wurde deutlich häufiger das Bakterium Akkermansia muciniphila gefunden (das in früheren Studien mit einem Schutz vor Adipositas und Diabetes in Verbindung gebracht wurde).

Die Schutzwirkung der Darmbakterien ließ sich auch bei Mäusen erzeugen. Die Übertragung der Darmflora von Respondern auf keimfrei aufgewachsene Mäuse erhöhte bei den Tieren die Effektivität einer späteren Krebsbehandlung mit den PD-1/PD-L1-Inhibitoren. Bei Tieren, die zunächst nicht auf die Krebsbehandlung angesprochen hatten, konnte die Wirkung durch eine orale Fütterung mit A. muciniphila gesteigert werden.

Ähnliche Beobachtungen hat ein Team um Jennifer Wargo vom MD Anderson Cancer Center in Houston gemacht. Das Team untersuchte, warum einige Patienten mit malignen Melanomen sehr gut auf eine Immuntherapie mit einem PD-1-Inhibitor angesprochen hatten, die anderen jedoch nicht. Der Vergleich der Darmflora lieferte eine mögliche Antwort. Wurden in den Stuhlproben überwiegend Faecalibacterium (der Ruminococcaceae-Familie und der Clostridiales-Ordnung) gefunden, kam es häufiger zu einer langdauernden Remission. Eine hohe Konzentration von Bacteroidales deutete dagegen auf ein baldiges Rezidiv des Melanoms hin. 

Warum die US-Forscher andere protektive Bakterien fanden als die französische Gruppe, bleibt unklar. Die Vielfalt der Bakterien im Darm ist jedoch groß und die gefundenen Spezies sind möglicherweise nur ein Marker für eine günstige Zusam­mensetzung der Darmflora. Vorstellbar ist auch, dass die unterschiedliche Ernährung von Franzosen und Amerikanern einen Einfluss hatte.

Die US-Forscher planen jetzt eine klinische Studie, in der Stuhltransplantationen die Wirksamkeit der Immuntherapie mit PD-1-Inhibitoren bei Melanompatienten verbessern soll. © rme/aerzteblatt.de

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