NewsÄrzteschaftInfektiologen mahnen, Regeln zur Antibiotikaeinnahme zu überdenken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Infektiologen mahnen, Regeln zur Antibiotikaeinnahme zu überdenken

Montag, 6. November 2017

/Tobias Arhelger, stock.adobe.com

Köln – Antibiotika auch noch nach dem Verschwinden der Symptome und stets bis zum Packungsende einnehmen – so lautet die Faustregel. Diese Empfehlung für die Antibiotikaeinnahme ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) überholt.

Untersuchungen der vergangenen Jahre lieferten immer mehr Belege, dass bei vielen Infektionen eine kürzere Einnahmezeit genauso wirksam sei, erklärte die Fachgesellschaft heute in Köln anlässlich der bevorstehenden Weltantibiotikawoche der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO). Eine kürzere Therapie habe zudem den Vorteil, dass weniger resistente Erreger entstünden.

„Viele Jahre ist man davon ausgegangen, dass eine längere Antibiotikatherapie die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr der Infektion oder die Ausbildung von Resistenzen verringert", erklärte der DGI-Vorsitzende Gerd Fätkenheuer. Dahinter stand der Gedanke, möglichst alle krankmachenden Bakterien abzutöten. Heute sei bekannt, dass je länger die Bakterien dem antimikrobiellen Wirkstoff ausgesetzt sind, desto wahrscheinlicher überwiegend gegen das Mittel unempfindliche Erreger überleben.

Dennoch sollten Patienten Antibiotika nicht in Eigenregie absetzen, sobald sie sich besser fühlten, warnten die Experten. Das Vorgehen sollte abhängig von der bakteriellen Infektion und in enger Absprache mit dem Arzt abgesprochen werden. Eine Pauschalisierung, dass nunmehr immer kurz therapiert werden dürfe, könne für manche Patienten gefährlich sein, so die Gesellschaft.

Mit der am kommenden Montag beginnenden Weltantibiotikawoche will die WHO auf die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Antibiotika aufmerksam machen, um die Ausbreitung von Resistenzen einzudämmen. © afp/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20. Juni 2018
München – Ein neues in Deutschland entwickeltes Antibiotikum gegen Tuberkulose wird jetzt klinisch erprobt. Die neu entwickelte Prüfsubstanz mit der Bezeichnung BTZ043 soll auch gegen multiresistente
In Deutschland entwickeltes Antibiotikum gegen Tuberkulose wird klinisch erprobt
15. Juni 2018
Stockholm – Die Zunahme von carbapenemresistenten Enterobakterien (CRE) in einigen südeuropäischen Ländern bereitet Infektiologen auch in anderen EU-Ländern zunehmend Sorgen. Das Europäische Zentrum
ECDC befürchtet Ausbreitung carbapenemresistenter Enterobakterien
5. Juni 2018
Berlin – Um die Diagnostik vor der Verordnung eines Antibiotikums zu beschleunigen und zu verbessern, hatte der Erweiterte Bewertungsausschuss Mitte März Korrekturen am Einheitlichen Bewertungsmaßstab
Ge­sund­heits­mi­nis­terium winkt EBM-Beschluss zu Antibiotika durch
23. Mai 2018
London – Migranten haben während ihrer Reise durch Hochendemie-Länder aber auch in den Unterkünften in den Zielländern offenbar ein erhöhtes Risiko, sich multiresistente Keime einzufangen. Laut einer
Metaanalyse: Jeder vierte Migrant hat antibiotikaresistente Bakterien
17. Mai 2018
Berlin – Die Aufnahme von neuen Diagnostika in die Regelversorgung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und damit deren Erstattung über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) muss schneller
Industrie fordert schnellere Erstattung von Diagnostika
17. Mai 2018
Heidelberg – Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben erstmals Antikörper entdeckt, die nicht nur ein Bakterium, sondern verschiedene Mikroorganismen zugleich unschädlich
„Universal-Antikörper“ macht verschiedene Erreger unschädlich
14. Mai 2018
Philadelphia – Ist die häufige Verordnung von Antibiotika in der Pädiatrie verantwortlich für die Zunahme von Nierensteinen bei Teenagern? Eine Fall-Kontroll-Studie im Journal of the American Society
NEWSLETTER