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Politik

Folgen der Öko­nomi­sierung im Krankenhaus für Ärzte täglich spürbar

Dienstag, 7. November 2017

/Paylessimages, stock.adobe.com

Bremen/Berlin – Der auf Krankenhäusern lastende Druck, Gewinne zu erwirtschaften, um ihre Existenz zu sichern, wirkt sich auf die Arbeitssituation von Ärzten aus und beeinflusst auch die Patientenversorgung. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die Karl-Heinz Wehkamp vom Socium Forschungszentrum für soziale Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen und Heinz Naegler von der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht gestern in Bremen vorgestellt haben. Die detaillierten Ergebnisse werden im Deutschen Ärzteblatt erscheinen.

Bundesweit komme es aus Kostengründen vor, dass Patienten ohne medizinischen Grund im Krankenhaus behandelt würden, fasste Wehkamp seine Ergebnisse zusam­men. Das System gehe zulasten der Patienten und zulasten der Medizin, sagte der Mediziner. Auch das Krankenhauspersonal stehe unter enormem Druck. In der Branche gebe es strukturelle Steuerungsschwächen und teilweise Fehlanreize, so das Fazit der Studienautoren.

Qualitative Studie

Wehkamp und Naegler befragten in einer qualitativen Studie rund 60 Ärzte und Geschäftsführer aus Krankenhäusern in zwölf Bundesländern. Die Erhebung fand in zwei Wellen in der Zeit von 2013 bis 2016 statt. Es wurden 22 sogenannte Pilot­inter­views, 41 Leitfadeninterviews, drei Fokusgruppen, eine schriftliche Expertenbefragung und ein Werkstattgespräch geführt.

Die Mehrheit der Ärzte sieht laut der Befragung die Geschäftsführung, die Verantwort­lichen des Trägers oder den Konzernvorstand als den zentralen Ausgangspunkt an. Diese Gremien verfügten über Entscheidungsmacht hinsichtlich Einstellung, Entlas­sung, Personalbesetzung, Unternehmensstrategie und -zielen, Bonuszahlungen, Eckpunkten der Ressourcenzuteilung sowie der Schließung oder Eröffnung von Stationen.

Von der Ebene der Geschäftsführung gehe die Weisungskette über die Chefärzte, die in der Regel wirtschaftlich relevanten Zielvereinbarungen folgen müssten, zu den Ober­ärzten. Chefärzte mit älteren Verträgen scheinen laut Studie unabhängiger zu sein. Einige Assistenzärzte erleben ihre Oberärzte laut Befragung als Repräsentanten betriebs­wirtschaftlicher Ziele.

Geschäftsführer verwiesen in der Befragung auf die erforderliche Gewinnorientierung und betonten, dass sie den gesetzlichen Vorgaben entsprechend keinen direkten Einfluss auf ärztliche Entscheidungen nähmen, jedoch das Handeln des Arztes mittelbar beeinflusst werden könne.

Zielkonflikt für Ärzte

„Die Politik hat seit Anfang der 90er-Jahre den Preiswettbewerb in unserem Gesund­heitswesen forciert. Die Folgen sind für Ärzte tagtäglich spürbar, etwa wenn sie von Klinik- und Kostenträgern dazu angehalten werden, primär in ökonomischen Dimen­sionen zu denken und nach rein betriebswirtschaftlichen Vorgaben zu handeln“, kommentierte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, die Ergebnisse. Die Ärzte gerieten so in einen Zielkonflikt, denn sie müssten einerseits ihren berufsethischen Pflichten genügen, anderseits aber auch wirtschaftliche Renta­bili­tätsziele erreichen.

Montgomery forderte, die Ökonomie müsse sich am Primat des Patientenwohls und an Qualitätskriterien ausrichten. Dafür müsse das augenblicklich zu unflexible Fallpau­schalen­system reformiert werden. „Notwendig sind für Krankenhäuser und Kosten­träger mehr Ermessensspielräume bei ihren Budgetverhandlungen, damit die Sicher­stellung der wohnortnahen Krankenhausbehandlung in strukturschwachen Gebieten ebenso berücksichtigt werden kann wie die Finanzierung von Extremkostenfällen“, sagte Montgomery.

Außerdem müssten Ärzte in den Betriebsführungen der Kliniken eine stärkere Position haben, so der BÄK-Präsident. Nur so könne sichergestellt werden, dass sich ärztliche Leistungen und deren Honorierung ausschließlich an ihrer medizinischen Sinnhaftig­keit orientierten und dass bei der Wahl der Behandlungsmethode nicht die Kosten, sondern der Nutzen für den Patienten ausschlaggebend bleibe.

Wichtig sei außerdem, die Investitionsförderung durch die Bundesländer zu steigern, damit Krankenhäuser nicht länger Mittel aus der Krankenversorgung für bauliche und andere Investitionen abzweigen müssten. „Wir haben es schon oft gesagt und wir bleiben dabei: Patienten sind keine Kunden und Ärzte keine Kaufleute. Dabei muss es bleiben“, so das Fazit des BÄK-Präsidenten.

Kritik am Studiendesign

Deutliche Kritik an der Studie übte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). „Wenn als Ergebnis einer Befragung von 60 Ärzten und Geschäftsführern aus Krankenhäusern abgeleitet wird, dass in deutschen Krankenhäusern nicht selten aus rein wirtschaft­lichen Gründen operiert wird, kann dies nicht ansatzweise als validierte oder gar wissenschaftliche Feststellung ernst genommen werden. Der Beitrag der Herren Wehkamp und Naegler hat offensichtlich das Ziel, öffentliche Aufmerksamkeit um jeden Preis zu erreichen“, sagte der DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. © hil/dpa/aerzteblatt.de

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weisser
am Dienstag, 7. November 2017, 20:16

me too

Diesem Sachverhalt wurde ich als Pädiater schon vor meinem Ruhestand (2005)seit Einführung der DRG konfrontiert - im Doppelpack mit mehr Bürokratie. "Schwindeln" alias upgrade. Difficile est satiram non scribere

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