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Medizin

Darmkrebs: Ballaststoffreiche Ernährung verbessert Überlebenschance

Dienstag, 7. November 2017

/AA+W, stock.adobe.com

Boston – Eine gesunde Ernährung könnte die Heilungschancen von Darmkrebs­patienten unterstützen. In zwei prospektiven Beobachtungsstudien in JAMA Oncology (2017; doi: 10.1001/jamaoncol.2017.3684) war eine ballaststoffreiche Kost mit einer erhöhten Überlebenschance verbunden, selbst wenn die Patienten erst nach Diagnose und Behandlung ihre Ernährung umstellten.

Die Ergebnisse der Darmkrebsbehandlung haben sich in den letzten Jahren verbessert, und infolge der Früherkennung werden immer mehr Patienten in einem kurativen Stadium entdeckt. In den USA soll es mittlerweile 1,6 Millionen Darmkrebsüberlebende geben. Viele sind motiviert, ihre Ernährung zu ändern, um darüber die Heilungschance zu verbessern und eine erneute Erkrankung zu vermeiden.

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Der häufigste diätetische Ratschlag dürfte eine ballaststoffreiche Ernährung sein. Für die Primärprävention ist der Zusammenhang zwischen einer ballaststoffreichen Ernährung durch zahlreiche Studien belegt. Nach einer Metaanalyse von 25 prospek­tiven Beobachtungsstudien sinkt das Darmkrebsrisiko pro 10 Gramm Ballaststoffe um 10 Prozent (BMJ 2011; 343: d6617). Für Menschen, die bereits an Darmkrebs erkrankt waren, also in der Sekundärprävention, ist der Zusammenhang bisher kaum untersucht worden. 

Ein Team um Andrew Chan vom Massachusetts General Hospital in Boston hat hierzu jetzt die Daten der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-up Study auswertet. In diesen Kohorten von 121.700 Krankenschwestern beziehungsweise 51.529 männlichen Angehörigen von Gesundheitsberufen hat es 1.575 Darmkrebs­erkrankungen in den Stadien I bis III gegeben. Von diesen Personen sind nach median 8 Jahren 773 gestorben, davon 174 an Darmkrebs (Die 5-Jahres-Überlebensrate betrug im Stadium I 83 Prozent, im Stadium II 82 Prozent und im Stadium III 72 Prozent).

Die Bostoner Epidemiologen haben die Todesfälle mit den Ernährungsgewohnheiten der Darmkrebsüberlebenden in Beziehung gesetzt. Patienten, die sich ballaststoffreich ernährten, hatten eine erhöhte Überlebenschance. Chan ermittelt pro 5 Gramm zusätzlich pro Tag aufgenommener Pflanzenfasern eine adjustierte Hazard Ratio von 0,86 für die Gesamtmortalität, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,79 bis 0,93 signifikant war. Dies bedeutet ein relativ um 14 Prozent vermindertes Sterberisiko. 

Der absolute Unterschied war geringer: Die Mortalitätsrate ging von 66,8 pro 1.000 Patienten und Jahr im Quartil mit der geringsten Aufnahme auf 48,9 pro 1.000 Patien­ten und Jahr im Quartil mit der höchsten Aufnahme zurück. Das ist ein Unterschied von 18 Todesfällen pro 1.000 Patienten und Jahr oder von 0,8 Prozent pro Jahr, um den die gesunde Ernährung das absolute Sterberisiko senkt. 

Die meisten der im Mittel 68,6 Jahre alten Patienten starben aus anderen Gründen. Doch auch für den Darmkrebstod ließ sich eine protektive Assoziation nachweisen. Pro 5 Gramm zusätzlich pro Tag aufgenommener Pflanzenfasern sank das relative Risiko signifikant um 22 Prozent (Hazard Ratio 0,78; 0,65–0,93). Im Quartil-Vergleich ging die Mortalitätsrate von 16,8 auf 10,0 pro 1.000 Patienten und Jahr zurück, mithin eine Differenz von 6,8 Todesfällen pro 1.000 Patienten und Jahr oder von 0,68 Prozent pro Jahr, um die die gesunde Ernährung das Darmkrebssterberisiko senkt.

Wunder sind deshalb von einer gesunden Ernährung nicht zu erwarten, doch die Zahlen von Chan zeigen, dass ein Ernährungswechsel günstige Auswirkungen haben kann. Die Steigerung der Ballaststoffzufuhr um 5 Gramm pro Tag war mit einer Verminderung des Gesamtsterberisikos um 14 Prozent (Hazard Ratio 0,86; 0,81–0,92) und des Darmkrebssterberisikos um 18 Prozent (Hazard Ratio 0,82; 0,72–0,93) asso­ziiert. Auch hier war der Quartil-Unterschied in der Gesamtsterblichkeit (9,8 Todesfälle auf 1.000 Personen und Jahr) und des Darmkrebssterberisikos (2,1 Todesfälle auf 1.000 Personen und Jahr) jedoch gering.

Hinzu kommt, dass prospektive Beobachtungsstudien eine Kausalität niemals beweisen können (noch weniger eignen sie sich als Grundlage für die Einnahme von Nahrungs­ergänzungsmitteln, deren Wirkung in randomisierten Studien belegt werden müsste). Es gibt jedoch eine Reihe von plausiblen Gründen, warum Ballaststoffe das Darmkrebs­risiko senken und (ein wenig) vor einem Tod nach Darmkrebsdiagnose und -therapie schützen könnten. 

Die unverdaulichen Pflanzenfasern könnten die Karzinogene in der Nahrung binden (oder einfach ihre Konzentration durch die größere Stuhlmenge senken). Ein beschleu­nig­ter Transit könnte die karzinoge Wirkdauer verkürzen. Systemische Vorteile könnten sich aus der langsameren Resorption von Kohlenhydraten (höhere Insulinsensitivität) und aus der vermehrten Aufnahme von kurzkettigen Fettsäuren wie Butyrat, Acetat und Propionat ergeben, die von im Darm fermentierten Ballaststoffen freigesetzt werden und denen in neueren Untersuchungen tumorsuppressive Eigenschaften zugeschrieben werden. © rme/aerzteblatt.de

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