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Medizin

Peripheres Beta-Amyloid lagert sich auch im Gehirn ab

Dienstag, 7. November 2017

/Juan Gärtner, stock.adobe.com

Vancouver – Beta-Amyloid entsteht möglicherweise nicht nur im Gehirn, sondern wird auch von anderen Körperregionen aktiv ins Nervengewebe transportiert. Dies legen Versuche an Mäusen nahe, die Forscher um Weihong Song an der University of British Columbia durchführten. Sie berichten in Molecular Psychiatry (2017; doi: 10.1038/mp.2017.204).

Beta-Amyloid bildet sich nicht nur im Gehirn, sondern auch in anderen Körpergeweben wie Muskeln, Gefäßen und Erythrozyten. Die physiologische Funktion des Proteins liegt in der Infektabwehr und darin, die richtige Funktion von Neuronen und Synapsen zu gewährleisten. Peripher gebildetes Beta-Amyloid könnte in der Entwicklung der Alzheimerkrankheit auch eine Rolle spielen. Bisher war es laut den Autoren jedoch nicht möglich, dies eindeutig nachzuweisen.

Die Forscher nutzten eine Methode, die sich „Parabiose“ nennt. Sie verbanden die Blutkreisläufe von zwei lebenden Mäusen. Eine der Mäuse war gesund, während die andere aufgrund eines genetischen Defekts überschüssiges Beta-Amyloid produzierte. Dieses ist bei den kranken Mäusen auch im Blut nachweisbar. Nach einer gewissen Zeit entwickeln die Tiere die typischen Plaques im Gehirn. Die Wissenschaftler beobachte­ten die Mäuse über ein Jahr.

Es zeigte sich, dass die Wildtyp-Mäuse auch Amyloidplaques im Gehirn entwickelten. Interessanterweise bildeten sich auch die anderen alzheimertypischen Pathologien aus, wie Tau-Tangles, Mikrohämorrhagien, neuronale Degeneration und Inflammation.

Die Ergebnisse zeigen laut den Forschern, dass peripher gebildetes Beta-Amyloid auch ins Gehirn gelangt und so zur Pathogenese von Alzheimer beitragen könnte. Mögli­cher­weise spielt eine im Alter geschwächte Blut-Hirn-Schranke eine zusätzliche Rolle. Falls das peripher gebildete Amyloid zur Pathogenese beiträgt, könnte die Neutra­lisierung dieses peripheren Amyloids auch in therapeutischer Hinsicht interessant sein, so die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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Heilpraktiker
am Montag, 13. November 2017, 15:24

Kein Fortschritt um jeden Preis !

Hier wurden zwei lebende Mäuse zusammengenäht und ein Jahr am Leben gehalten. Wenn der Preis für Fortschritt das Leid empfindungsfähiger Lebewesen bedeutet, dann lehne ich diesen Fortschritt ab. Man hätte diese Erkenntnis auch sicherlich ohne größere Leiden für die Tiere gewinnen können. Ich appelliere daher an alle Wissenschaftler bei Tierversuchen schonend mit den anvertrauten Lebewesen umzugehen und ihr Handeln selbst, durch Kollegen und auch fachfremde Personen immer wieder reflektieren zu lassen.

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