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Politik

TK sieht weiter Diagnose­beeinflussung durch Krankenkassen

Dienstag, 7. November 2017

/Aycatcher, stock.adobe.com

Hamburg – Die Diskussion um den Einfluss von Krankenkassen auf die Codierung der Diagnosen ihrer Versicherten geht weiter: Bei einer aktuellen Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) gaben 82 Prozent der befragten Mediziner an, schon einmal von einer Krankenkasse hinsichtlich der Diagnosen ihrer Versicherten beeinflusst worden zu sein. Auf Basis dieser Diagnosen erhalten die Krankenkassen Gelder aus dem Gesundheitsfonds.

„Durch dieses System wird es für Krankenkassen lukrativ, darauf Einfluss zu nehmen, dass ihre Versicherten bestimmte Diagnosen zugeschrieben bekommen. Für die Beratung der Ärzte zu dieser Codierung geben sie Geld aus, das stattdessen in die Versorgung der Versicherten fließen sollte“, sagte der Vorstandsvorsitzende der TK, Jens Baas. Er fordert: „Der Wettbewerb der Krankenkassen sollte über gute Leistungen und guten Service funktionieren und nicht über das Beeinflussen von Arztdiagnosen!“

1.000 Ärzte befragt

Für die Analyse wurden 1.000 Allgemeinmediziner im Zeitraum vom 31. August bis 20. Oktober 2017 befragt, die an der Versorgung von gesetzlich krankenversicherten Patienten teilnehmen. Die Befragung erfolgte anonym und onlinebasiert.

Bereits im vergangenen Herbst sorgten Vorwürfe der TK über manipulierte Diagnosen für Aufsehen. Im Zentrum steht der morbiditätsorientierte Risiko­struk­tur­aus­gleich (Morbi-RSA). Aus diesem erhalten die Krankenkassen seit dem Jahr 2009 mehr Geld für Versicherte mit Krank­heiten, die besonders häufig, langwierig und teuer in der Behand­lung sind. Der Solidarausgleich über den Morbi-RSA soll dafür sorgen, dass Krankenkassen, die überproportional viele kranke Mitglieder haben, im Wettbewerb finanziell nicht benachteiligt sind. 

Der Gesetzgeber reagierte auf die Einflussnahme der Kassen und hat sie im April 2017 verboten. Im Sommer dieses Jahres hatte das Bundesversicherungsamt in einem Schreiben an die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Kassenärztliche Bundes­vereini­­gung zusätzlich klargestellt, dass Krankenkassen Ärzten für die Codierung von Diagnosen nicht zusätz­lich zur normalen Vergütung finan­zielle Anreize bieten dürfen. Zuvor hatten die Krankenkassen einen entsprechenden Brief erhalten.

Die neue Studie zeigt laut TK jedoch, dass das entsprechende Gesetz bislang keine ausreichende Wirkung entfaltet: Schon in den ersten zwei Quartalen nach Inkrafttreten seien bereits wieder 18,2 Prozent der nun befragten Ärzte von Krankenkassen zu ihrer Diagnosestellung beraten worden. Hochgerechnet ergebe das allein für diesen Zeit­raum etwa 11.000 niedergelassene Ärzte deutschlandweit.

Baas sprach sich in diesem Zusammenhang gegen einen Vorschlag des wissenschaft­lichen Beirats am Bundesversicherungsamt aus. Dieser hatte vorgeschlagen, statt der bislang 80 für den Morbi-RSA relevanten Diagnosen alle Krankheiten zu berücksichtigen und finanziell auszugleichen.

Dieses System wäre laut der TK aber noch anfälliger für Manipulationen als das heutige, weil die Kassen dann bei jeder Erkrankung Interesse daran hätten, auf die Codierung der Diagnosen Einfluss zu nehmen. „Ein Vollmodell würde die Manipulationsanfälligkeit des Morbi-RSA-Systems weiter erhöhen. Damit würden wir den Weg in die völlig falsche Richtung weitergehen – mit katastrophalen Folgen für das gesamte GKV-System“, warnte Baas. © hil/aerzteblatt.de

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