NewsPolitikAbwerbeprämien für Pflegepersonal nicht selten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Abwerbeprämien für Pflegepersonal nicht selten

Mittwoch, 8. November 2017

/Kadmy, stock.adobe.com

Stuttgart – Die Krankenhäuser in Baden-Württemberg greifen zu immer drastischeren Methoden, um ihre Pflegestellen zu besetzen. Abwerbeprämien von mehreren Tausend Euro pro Kopf seien keine Seltenheit, sagte der Landesgeschäftsführer des evange­lischen Krankenhausverbandes, Bernd Rühle, jetzt in Stuttgart. Insgesamt werde es immer schwieriger, Fachkräfte zu gewinnen. Deutschlandweit seien beispielsweise alleine 3.000 Stellen in der Intensivpflege unbesetzt.

Der Beruf dürfe auch nicht länger öffentlich abgewertet werden. „Wenn Menschen ohne entsprechende Qualifizierung die Lücken in der Pflege schließen sollen, dann wird die Kompetenz der Fachkräfte mit ihrer dreijährigen Ausbildung in Frage gestellt“, sagte Rühle. Im evangelischen Krankenhausverband sind 23 Krankenhäuser organisiert. Nach Angaben von Rühle werden immer mehr für Betrieb und Personal gedachte Mittel für Investitionen zweckentfremdet. „Das Land muss endlich die Lücke zwischen dem Investitionsbedarf für die Krankenhäuser und real gezahlten Mitteln schließen“, forderte er.

Anzeige

Imagekampagne vorgeschlagen

Die angespannte Personallage an den Krankenhäusern in Baden-Württemberg hat heute auch den Landtag beschäftigt. „Uns macht auch die Entwicklung Sorge, dass Pflegepersonal durch Arbeitsverdichtung ausbrennt und nicht mehr so lange in diesem Beruf verbleibt“, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­ter Manne Lucha (Grüne) im Plenum in Stuttgart. Die durchschnittliche Verweildauer betrage derzeit 12,7 Jahre. „Das ist natürlich deutlich zu wenig.“

Die Landesregierung gehe seit längerer Zeit intensiv gegen den drohenden Fachkräftemangel in der Pflege vor. Das Berufsbild müsse für möglichst viele und unterschiedliche Zielgruppen attraktiver werden. Als Beispiele nannte Lucha den neuen Studiengang Pflegewissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und Berufsausbildung in Teilzeit. Stefan Teufel (CDU) schlug zudem eine Imagekampagne für die Pflegeberufe in Baden-Württemberg vor.

Die Debatte war von der SPD-Fraktion initiiert worden, die steigenden Krankenstand und sinkende Motivation bei Pflegekräften diagnostiziert. SPD-Sozialexperte Rainer Hinderer verlangte bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung für Pflegekräfte sowie die Befreiung von Arbeiten, die andere vornehmen könnten. Allein in der Intensivpflege könnten deutschlandweit mehr als 3.000 Stellen nicht besetzt werden.

Darunter litten auch die Universitätskliniken im Südwesten. Dort seien die Ausein­andersetzungen zwischen ver.di und den Arbeitgebern besonders groß, sagte Hinderer mit Blick auf eine Demonstration der Pflegekräfte der Uniklinik Tübingen gegen Überlastung. Er warnte das Land, die Investitionsförderung für die Kliniken zu kürzen. Das gehe auch zu Lasten der Pflege. Eine Absenkung der Krankenhausinvestitionen führe dazu, dass laufende Betriebsgelder, mit denen das Personal zu zahlen wäre, in Investitionen umgeleitet werden, monierte auch Jochen Haußmann (FDP). Das bestritt Minister Lucha.

Nach der Absage von Warnstreiks an den Unikliniken in Tübingen und Freiburg haben heute Pflegekräfte gegen Personalmangel demonstriert. „Mehr von uns ist besser für alle“, riefen die Krankenpfleger in der Tübinger Altstadt. „Ohne mehr Personal gibt es Streik“, kündigte Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross bei einer Kundgebung an. Nach Verdi-Angaben gibt es im Südwesten gut 37.000 Pflegekräfte – das seien mindestens 7.000 zu wenig. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. September 2018
Berlin – Im Rahmen der Debatte um das „Sofortprogramm Pflege“ der Bundesregierung fordern die Bundesländer Verbesserungen auch für die Versorgung durch Hebammen. Jedes zweite Krankenhaus habe
Länder fordern Verbesserungen im „Sofortprogramm Pflege“
20. September 2018
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn dringt im Kampf gegen die Personalnot in der Pflege auf bessere Arbeitsbedingungen. „Derzeit ist die Pflege der am wenigsten planbare Beruf, den es gibt“,
Spahn dringt auf bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte
17. September 2018
Berlin – Das „International Centre on Nurse Migration (ICNM)“ hat kürzlich zusammen mit dem Weltverband der Pflegeberufe (ICN) ein Strategiepapier zur Mitarbeiterbindung in der Pflege vorgestellt. Der
Berufsverband stellt Strategiepapier zur Mitarbeiterbindung in der Pflege vor
14. September 2018
Hannover – Arbeitnehmer, die den Arbeitgeber auf mögliche Misstände hinweisen, dürfen dafür nicht von ihrem Arbeitgeber abgestraft werden. Das hat das Landesarbeitsgericht Niedersachsen (Az.: 14 Fa
Abmahnung wegen Anzeige einer Gefährdungslage nicht rechtskonform
10. September 2018
Berlin – Die Zahl der Pflegebedürftigen könnte von etwa drei Millionen im Jahr 2015 auf vier Millionen im Jahr 2035 steigen. Das geht aus einer Simulationsrechnung des Instituts der deutschen
Bis 2035 fehlen mindestens 130.000 Altenpflegekräfte
7. September 2018
Berlin – Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat feste Personaluntergrenzen auch für Pflegeheime gefordert. „Was für Kliniken gilt, muss auch für die stationäre
Pflegebevollmächtigter will Personaluntergrenzen auch für Pflegeheime
7. September 2018
Berlin – In der Altenpflege herrscht nicht nur ein Fachkräftemangel, sondern bereits ein Versorgungsmangel. Das erklärte der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa),
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER