NewsMedizinUS-Onkologen warnen vor Alkohol als Krebsrisiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

US-Onkologen warnen vor Alkohol als Krebsrisiko

Mittwoch, 8. November 2017

dpa

Alexandria – Weltweit sind 5,5 Prozent aller Krebserkrankungen und 5,8 Prozent aller Krebstodesfälle auf den Alkoholkonsum zurückzuführen. Verantwortlich sind nicht nur Trinkexzesse oder ein übermäßiger Konsum, warnt die American Society of Clinical Oncology, der Dachverband der US-Krebsmediziner, in einer Stellungnahme im Journal of Clinical Oncology (2017; doi: 10.1200/JCO.2017. 76.1155). Anlass ist eine Umfrage, in der herauskam, dass nur ein Drittel der erwachsenen US-Amerikaner sich des Risikos bewusst ist.

Die Erkenntnis, dass der Konsum von Alkohol die Entwicklung verschiedener Krebs­erkrankungen fördert, ist nicht neu. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat sich bereits mehrmals mit dem Thema beschäftigt, zuletzt 2012 in einer fast 500-seitigen Monographie. Die WHO-Behörde betrachtet alkoholische Getränke und insbesondere den Metaboliten Acetaldehyd als Klasse 1-Karzinogen und ordnet sie qualitativ in die gleiche Gruppe ein wie Busulfan, Formaldehyd und  Plutonium, aber auch Holzstaub, Lederstaub und zuletzt Wurst und Schinken.

Die Allgemeinbevölkerung verbindet Alkohol jedoch in erster Linie mit Sucht und Leberzirrhose. In einem National Cancer Opinion Survey, den die American Society of Clinical Oncologyin diesem Frühjahr durchgeführt hat, waren nur 38 Prozent der Amerikaner der Ansicht, dass sie ihr Krebsrisiko reduzieren könnten, wenn sie weniger Alkohol trinken. 

Anzeige

Genau dies zeigen jedoch die epidemiologischen Untersuchungen. Danach haben starke Trinker (acht oder mehr „Drinks“ pro Woche bei Frauen und 15 oder mehr Getränke bei Männern) ein 5,13-fach erhöhtes Risiko auf Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens, ein 4,95-fach erhöhtes Risiko auf ein Plattenepithel­karzinom des Ösophagus, ein 2,65-fach erhöhtes Risiko auf ein Larynxkarzinom, ein 2,07-fach erhöhtes Risiko auf Leberkrebs und ein 1,44-fach erhöhtes Risiko auf ein kolorektales Karzinom. Bei Frauen erhöht ein hoher Alkoholkonsum auch das Brustkrebsrisiko um 44 Prozent.

Ein mäßiger Alkoholkonsum (bis zu einem Getränk pro Tag bei Frauen und bis zu zwei Getränken pro Tag bei Männern) erhöhte ebenfalls das Risiko von fünf der sechs Krebsarten (für Leberkrebs war das relative Risiko nicht signifikant). Selbst bei Menschen, die nur ab und an Alkohol trinken, war das Risiko auf Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens und der Speiseröhre leicht erhöht.

Angesichts der Tatsache, dass die meisten erwachsenen Amerikaner Alkohol trinken, von denen nicht wenige ein Alkoholproblem haben, erscheint der American Society of Clinical Oncology ein Aufruf zur Abstinenz unrealistisch. Die Onkologen sollten ihren Patienten jedoch erklären, dass der Alkoholkonsum die Entwicklung ihrer Erkrankung möglicherweise gefördert hat und vermutlich auch einen negativen Einfluss auf die Behandlungschancen hat.

Der Verband plädiert für ein verstärktes Alkoholscreening der Patienten und vermehrte Behandlungsangebote im klinischen Umfeld. Die Politiker werden aufgefordert, die Zahl der Verkaufsstellen von Alkohol zu senken, die Alkoholsteuern zu erhöhen oder auch den Verkauf zeitlich zu begrenzen. Die Verbote für den Verkauf an Minderjährige sollten verschärft und die Werbung eingeschränkt werden. Die American Society of Clinical Oncology verurteilt auch das „Pinkwashing“. Der Begriff beschreibt eine Marketingstrategie, bei der die Hersteller sich für populäre gesellschaftliche Themen (Umwelt, LGBT-Rechte etc.) engagieren, um von den negativen Eigenschaften ihrer Produkte abzulenken. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

2. August 2018
/Torsten Schon, stock.adobe.com Paris – Britische Regierungsangestellte, die in einer Langzeitstudie im Verlauf ihres Berufslebens hinweg einen erhöhten Alkoholkonsum angaben, erkrankten nach
Häufiger Alkoholkonsum, aber auch Abstinenz fördern Demenzen im Alter
19. Juli 2018
Ann Arbor/Michigan – In den USA ist es nach der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007 zu einem Anstieg von alkoholbedingten Todesfällen an Leberzirrhose und Leberkrebs gekommen. Betroffen waren nach
USA: Anstieg tödlicher Alkoholschäden der Leber nach der Wirtschaftskrise von 2007
21. Juni 2018
Belfast – Hin und wieder ein Bier oder ein Glas Wein oder ein Grappa sollen gesund für Herz und Kreislauf sein, während ein hoher Alkoholkonsum schadet. Eine Studie in PLOS Medicine (2018; doi:
Studie sieht Überlebensvorteile durch mäßigen Alkoholkonsum trotz steigenden Krebsrisikos
19. Juni 2018
Bristol und New York – Jugendliche, die mit 15 Jahren bereits häufiger einen Vollrausch hatten, wiesen in einer prospektiven Beobachtungsstudie in Alcohol and Alcoholism (2018; 53: 251–258) im Alter
Wie Komasaufen die Gedächtnisleistungen auf Dauer beschädigt
30. Mai 2018
London – Die Entwicklung der alkoholischen Kardiomyopathie wird durch die gleichen Genvarianten begünstigt, die auch für die dilatative Kardiomyopathie verantwortlich sind. Dies geht aus einer
Genvariante macht Alkohol schädlich für das Herz
22. Mai 2018
Berlin – Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat die Forderung von Suchtexperten nach einem am Beispiel Schottlands angelehnten Mindestpreis für Alkohol in Deutschland zurückgewiesen.
Klöckner gegen Mindestpreis für Alkohol in Deutschland
9. Mai 2018
Genf – Der Alkoholkonsum pro Kopf ist in Deutschland höher als im Durchschnitt der europäischen Länder und sinkt langsamer als bei vielen Nachbarn. Auch in den neuesten noch unveröffentlichten

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER