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Medizin

Starke Blutungen: Rascher Einsatz von Tranexamsäure ist entscheidend

Donnerstag, 9. November 2017

©meenon - stock.adobe.com

London – Eine sofortige Behandlung mit Tranexamsäure kann das Sterberisiko bei schweren Blutungen deutlich senken. Die Effektivität nimmt jedoch rasch ab und nach drei Stunden ist laut einer Meta-Analyse im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)32455-8) kein Vorteil mehr zu erwarten. Die Studie basiert auf zwei randomisierten Studien, in denen Tranexamsäure nach schweren traumatischen Verletzungen oder bei postpartalen Blutungen eingesetzt wurde.

Schwere Blutungen sind eine häufige Todesursache. Weltweit sterben jedes Jahr mehr als zwei Millionen Menschen, weil es nach Verkehrsunfällen oder anderen schweren Verletzungen zu schweren Blutungen gekommen ist. Hinzu kommen schätzungsweise 100.000 Frauen, die nach Geburten an Hämorrhagien sterben.

Antifibrinolytika wie Tranexamsäure, Aminocapronsäure oder Aprotinin können durch die Stabilisierung von Blutgerinnseln den Blutverlust begrenzen und die Sterblichkeit senken. Für Tranexamsäure gibt es hierfür Hinweise aus zwei großen randomisierten Studien.

An der CRASH 2-Studie waren an 274 Krankenhäusern in 40 Ländern 20.211 erwachsene Traumapatienten mit einem hohen Blutungsrisiko innerhalb von acht Stunden nach der Verletzung entweder mit Tranexamsäure oder Placebo behandelt worden. An der WOMAN-Studie hatten an 193 Krankenhäusern in 21 Ländern insgesamt 20.060 Frauen teilgenommen, bei denen es nach einer Geburt zu einer schweren Blutung gekommen war. 

In der CRASH 2-Studie starben nach der Tranexamsäure-Behandlung 14,5 Prozent der Patienten gegenüber 16,0 in der Placebogruppe (relatives Risiko 0,91; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,85 bis 0,97). 

In der WOMAN-Studie starben nach Behandlung mit Tranexamsäure 1,5 Prozent der Frauen gegenüber 1,9 Prozent in der Placebogruppe (Risk Ratio 0,81; 0,65-1,00). Die größten Unterschiede wurden bei Frauen gefunden, die innerhalb von drei Stunden nach der Geburt behandelt wurden: Das Sterberisiko konnte hier von 1,7 auf 1,2 Prozent gesenkt werden (Risk Ratio 0,69; 0,52-0,91). Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfiehlt aufgrund der Ergebnisse der WOMAN-Studie, Frauen mit postpartalen Blutungen mit Tranexamsäure zu behandeln.

Die „Antifibrinolytic Trials Collaboration“ um Ian Robertson der London School of Hygiene & Tropical Medicine in London hat die Ergebnisse der beiden Studien in einer Meta-Analyse zusammengefasst, wobei die Daten der einzelnen Patienten erneut ausgewertet wurden. 

Ergebnis: Die meisten Todesfälle durch Blutungen, nämlich 884 von 1.408 (63 Prozent) traten innerhalb von 12 Stunden nach Beginn der Blutung auf. Bei den postpartalen Blutungen erreichte die Zahl der Todesfälle zwei bis drei Stunden nach der Geburt ihren Höhepunkt. 

Die Behandlung mit Tranexamsäure erhöhte die Überlebenschancen insgesamt um 20 Prozent (Odds Ratio 1,20; 1,08-1,33). Bei einer sofortigen Behandlung stieg die Überlebensrate um mehr als 70 Prozent (Odds Ratio 1,72; 1,42-2,10). Danach sank der Überlebensvorteil alle 15 Minuten um 10 Prozent. Bei einer Behandlungsverzögerung von drei Stunden war kein Vorteil durch Tranexamsäure mehr erkennbar.

Robertson fordert aufgrund der Studie, dass Tranexamsäure bei Unfallopfern mit schweren Blutungen so schnell wie möglich eingesetzt wird – am besten gleich am Unfallort von Rettungssanitätern. Viele Patienten bekämen Tranexamsäure heute erst im Krankenhaus, wenn es häufig zu spät sei, kritisiert Robertson. Tranexamsäure sei sicher, billig, leicht zu verabreichen und es müsse nicht gekühlt werden. In den Studien habe es keine Hinweise auf eine erhöhte Rate von Gefäßverschlüssen gegeben. Die Gefahr unvorhersehbarer Komplikationen sei deshalb gering, so Robertson.

© rme/aerzteblatt.de

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