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Politik

Digitalisierung benötigt Offensive

Donnerstag, 9. November 2017

/vschlichting, stock.adobe.com

Düsseldorf – Eine Digitalisierungsoffensive für Krankenhäuser hat der Deutsche Krankenhaustag gefordert. Damit die Kliniken digital aufrüsten könnten, sei ein Investitionsprogramm in Höhe von einer Milliarde Euro notwendig. Das sagte der Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag (GDK), Georg Baum, heute vor Beginn der weltgrößten Medizinmesse Medica in Düsseldorf. Die Kliniken in Deutschland lägen bei der Digitalisierung international um fünf Jahre zurück.

Die Digitalisierung stelle für die Krankenhäuser ein ganz wesentliches Zukunftsfeld dar, sagte Baum, der auch Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesell­schaft (DKG) ist. Er betonte, der Politik müsse klar sein, dass diese Mammutaufgabe nicht ohne Finanzmittel zu schultern sein werde.

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Digitalisierung braucht mehr Gewicht

„Wir brauchen ein Sonderprogramm Digitalisierung, um die Krankenhäuser hier zukunftsfähig zu machen“, erklärte Baum. Es gelte, die Chancen umfassend zu nutzen. Das gehe „von der elektronischen Fallakte bis hin zur Frage, ob Smartphones und Tablets sinnvolle Instrumente sein können, um Pflegekräfte zu entlasten“. Zudem forderte er, dass für die Betriebskosten ein Digitalisierungszuschlag von Nöten sei.

Nach Ansicht des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) spielt das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen eine zu kleine Rolle bei den Sondierungs­gesprächen von Union, FDP und Grünen. Nur mit dem angekündigten Breitbandausbau in Gigabitgeschwindigkeit würden keine Weichen in eine zukunfts- und konkurrenz­fähige Gesundheitsversorgung gestellt, sagte der BPI-Vorstandsvorsitzende Martin Zentgraf heute beim 30. BPI-Unternehmertag in Berlin. Angesichts des „verheerenden Verlaufs“ des Projekts elektronische Gesundheitskarte (eGK) sei es jetzt an der Zeit, dass die Industrie die Digitalisierung im Gesundheitswesen selbst angehe. Man dürfe sich von Amazon, Google und Co. nicht die Regeln diktieren lassen.

Zentgraf erklärte, auch die Arzneimitteltherapie müsse eingebettet sein in ein digitales Versorgungskonzept. Um die Versorgung der Patienten zu verbessern, müsse die Industrie – unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte der Patienten – Routinedaten nutzen können, damit sie Produkte passgenauer auf die Patienten zuschneiden könne.

Gleichzeitig könne die Industrie mit Daten aus klinischen Studien, Registern oder der Pharmakovigilanz helfen, die Versorgung zu verbessern. „Dazu aber braucht es interoperable Netzstrukturen mit definierten Mindeststandards für einen fairen Wettbewerb“, sagte Zentgraf. „Wir werden uns dafür bei der kommenden Regierung einsetzen.“

Mit dem 30. Unternehmertag wolle der BPI den Auftakt für eine Dialogplattform schaffen, in der sich Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Meinungsführer des Gesundheitswesens über die vernetzte Versorgung austauschen und informieren können, so Zentgraf. Ziel sei es, gemeinsam den digitalen Wandel in diesem wichtigen Zukunftsfeld aktiv zu gestalten. „Die Digitalisierung ist nicht Gefahr, sondern Chance“, erklärte der BPI-Vorstandsvorsitzende. © dpa/HK/may/aerzteblatt.de

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