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Ärzteschaft

Fachgesellschaft empfiehlt Peer-Re­view-Verfahren für Intensivstationen

Donnerstag, 9. November 2017

/sompong tom, stock.adobe.com

Berlin – Auf die Möglichkeit für Intensivstationen, über ein Peer-Review-Verfahren Anregungen für die eigene Arbeit zu erhalten und so die Qualität zu verbessern, hat heute die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hingewiesen. Jede Leitung einer Intensivstation in Deutschland könne ein Peer Review-Verfahren bei der zuständigen Lan­des­ärz­te­kam­mer anfordern, hieß es. Die Kammer schlägt dafür Peers, erfahrene Intensivmediziner und -pflegekräfte vor, die die Bewertung vornehmen. Der Leiter der Intensivstation kann einzelne Peers ablehnen oder weitere vorschlagen.

Bevor drei dieser Fachleute die Intensivstation besuchen, füllt das zu bewertende Team einen Fragebogen aus. Darin gibt es beispielsweise Auskunft zur Bettenzahl und Personalausstattung, aber auch darüber, wie medizinische Leitlinien umgesetzt und Instrumente wie Checklisten eingesetzt werden. Die DIVI hat das Verfahren mitentwickelt. „Unser Ziel ist es, die medizinische und pflegerische Qualität auf Intensivstation nicht nur zu sichern, sondern zu heben“, erklärte Elke Muhl, Vorsitzende der nationalen Steuerungsgruppe für das Verfahren bei der DIVI. 

Vom Team vor Ort getragen

Einen wesentlichen Vorteil gegenüber anderen Qualitätssicherungsverfahren für Krankenhäuser sieht Muhl in der Freiwilligkeit des Peer Reviews. „Die Initiative kommt von Ärzten und Pflegekräften und wird vom Team vor Ort getragen“, erläuterte sie. Damit steige die Motivation des Intensivteams, sich täglich und langfristig für bessere Behandlungsergebnisse zu engagieren.

Die Bewertung erfolgt bei einem eintägigen Besuch der Peers auf der Intensivstation. Dieser Tag beginnt mit einem ausführlichen Gespräch mit der ärztlichen und pflegerischen Stationsleitung. „Der Dialog zwischen den Besuchten und den Peers soll dabei auf Augenhöhe stattfinden. Deshalb ist es entscheidend, dass nur erfahrene Ärzte und Pfleger für die Peer-Aufgabe infrage kommen“, sagte Oliver Kumpf von der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin der Charité Berlin. Eine Stärke des Peer Reviews sei, dass dabei Ärzte und Pflegekräfte im Unterschied zu anderen Verfahren interprofessionell zusammenarbeiteten, betont er.

Nach dem Gespräch verfolgen die Peers die Visite auf der Station, sprechen mit Ärzten und Pflegekräften und lassen sich Dienstpläne und Einrichtungen zeigen. Dabei konzentrieren sie sich auf zehn Qualitätsindikatoren. Die nationale Steuerungsgruppe der DIVI überprüft diese fortlaufend und entwickelt sie weiter. „Diese Indikatoren werden nicht von Geschäftsführern, Ökonomen oder Krankenkassen definiert, sondern von Ärzten“, hebt Muhl hervor.

In einer abschließenden Besprechung geben die Peers der Stationsleitung ein Feedback. Außerdem fassen sie ihre Einschätzung in einem Abschlussbericht zusammen. „Dieser Bericht ist vertraulich. Er geht nur an die Stationsleitung“, erklärt Muhl. Das Intensivteam könne ihn aber nutzen, um im Krankenhaus Veränderungen anzustoßen, beispielsweise bei der Geschäftsführung auf mehr qualifiziertes Personal zu drängen, so die DIVI-Expertin. © hil/aerzteblatt.de

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