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Medizin

Brustkrebs: Fernmetastasen noch 15 Jahre nach Ende der Hormontherapie möglich

Donnerstag, 9. November 2017

©Axel Kock - stock.adobe.com

Oxford – Eine erfolgreich abgeschlossene endokrine Therapie bietet beim hormon­rezeptorpositiven Mammakarzinom keine Gewähr gegen spätere Rezidive. Eine Meta-Analyse im New England Journal of Medicine (2017; 377: 1836-1846) zeigt, dass das Risiko von Fernmetastasen in den folgenden 15 Jahren stetig ansteigt – selbst beim Frühkarzinom ohne Lymphknotenbefall.

Allen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Mammakarzinom wird zu einer endokrinen Behandlung geraten. Sie erfolgte früher mit Tamoxifen, heute werden häufiger Aromatasehemmer eingesetzt. Die Behandlung, die in der Regel für eine Dauer von fünf Jahren empfohlen wird, senkt das Rezidivrisiko um etwa 40 Prozent. Es ist jedoch bekannt, dass der Tumor nach dem Abschluss der Hormontherapie zurückkehren kann. 

Die „Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group“ hat das Rezidivrisiko jetzt für einen Zeitraum von 15 Jahren nach dem Ende einer erfolgreichen Hormontherapie untersucht. Das Team um Daniel Hayes von der Universität Oxford wertete dazu die Daten von über 60.000 Frauen aus, die zwischen 1976 und 2011 an 88 klinischen Studien teilgenommen hatten und am Ende der fünfjährigen Hormontherapie ohne Rezidiv waren. 

Ergebnis: Nach dem Ende der endokrinen Therapie stieg das Rezidivrisiko wieder an. Die jährliche Rate der Fernmetastasen war in allen Tumorstadien konstant und schwächte sich zum Ende der 15-jährigen Nachbeobachtungszeit kaum ab. Es ist möglich, dass das Rezidivrisiko noch länger erhöht bleibt, vielleicht sogar lebenslang.

Von den Patientinnen im Frühstadium ohne Lympknotenbefall bei der Operation (N0) und ohne Hinweis auf ein Rezidiv nach fünf Jahren Hormontherapie erkrankten pro Jahr 1 Prozent an einem Fernrezidiv. Fünfzehn Jahre nach dem Ende der endokrinen Therapie waren damit 15 Prozent der Frauen erneut an Brustkrebs erkrankt mit der Aussicht, daran zu sterben, weil eine Chemotherapie im fortgeschrittenen Stadium in der Regel nur eine lebensverlängernde Wirkung hat.

Von den Frauen mit einem bis drei befallenen Lymphknoten (N1-3) zum Zeitpunkt der Operation waren 15 Jahre nach dem Ende der Hormontherapie 23 Prozent an Fernmetastasen erkrankt. Bei den Frauen mit vier bis neun Lymphknoten (N4-9) bei der Operation waren es sogar 39 Prozent, also mehr als jede dritte.

Das Risiko wurde auch von der Größe des Tumors beeinflusst. Von den Frauen im Stadium T1N0 (Tumorgröße unter 1 cm) waren 15 Jahre nach dem Ende der Hormontherapie 10 Prozent an Fernmetastasen erkrankt. Im Stadium T2N0 (Tumorgröße 3,1-5 cm) waren es 20 Prozent. Das histologische Grading und der Nachweis des Ki-67-Antigens im Tumor hatten ebenfalls einen gewissen Einfluss auf das Rezidivrisiko, während der Progesteron-Rezeptor-Status und der Nachweis von HER2 (bei Frauen, die Trastuzumab erhielten) die Prognose nicht beeinflussten.

Die Botschaft der Studie ist eindeutig: Je länger Frauen die Hormontherapie durchführen, desto günstiger ist vermutlich ihre Prognose. Teilweise ist dies bereits durch randomisierte Studien belegt, in denen die Hormontherapie auf sieben oder zehn Jahre verlängert wurde. In der Realität bricht allerdings jede zweite Frau die Hormontherapie bereits in den ersten fünf Jahren ab. Die Ursache sind in der Regel klimakterische Symptome und andere Beschwerden wie Gelenkschmerzen oder ein Karpaltunnelsyndrom. 

Bei der Entscheidung für eine langfristige Therapie sollte laut Hayes jedoch bedacht werden, dass eine endokrine Therapie, wenn auch selten, mit lebensbedrohlichen Komplikationen verbunden ist. Dazu gehören Thromboembolien und Endometrium­karzinome, und auch osteoporotische Frakturen können Gesundheit und Leben gefährden. Dies sollte vor allem bei Frauen im Frühstadium (T1N0) mit in die Nutzen-Risiko-Bilanz einfließen, forderte Hayes. Die beste Grundlage für Therapie­entscheidungen seien randomisierte klinische Studien, in denen der Nutzen einer verlängerten endokrinen Therapie untersucht werden sollte.

© rme/aerzteblatt.de

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