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Politik

Krach um deutsche Glyphosatposition

Donnerstag, 9. November 2017

/dpa

Berlin – In der noch amtierenden schwarz-roten Bundesregierung kracht es erneut wegen des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth warf Landwirtschaftminister Christian Schmidt (CSU) heute ein nicht abgestimmtes Vorgehen vor. Das SPD-geführte Umweltministerium ist gegen eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung, das Landwirtschaftsministerium dafür.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte Flasbarth einen Brief Schmidts an den für EU-Lebensmittelsicherheit zuständigen EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis. Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte die Echtheit des Briefes. In dem Brief schreibt Schmidt, Deutschland könne einer Genehmigungsverlängerung von Glyphosat für drei Jahre zustimmen. Flasbarth kommentierte dazu auf Twitter: „Gibt es noch irgendwelche Regeln, die in der Regierung eingehalten werden?“ Das Schreiben Schmidts sei nicht abgestimmt. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sprach von einem „Foulspiel“.

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Zur Glyphosat-Zukunft gab es heute im zuständigen Expertengremium der EU-Länder nach Angaben aus EU-Kreisen nicht die nötige Mehrheit für eine Verlängerung der Lizenz um fünf Jahre. Glyphosat ist in Europa bis Mitte Dezember zugelassen. Deutschland enthielt sich abermals.

Landwirtschaftsminister Schmidt erklärte, es gebe nach wie keine wissenschaftlichen Gründe dafür, die weitere Nutzung von Glyphosat zu untersagen. Daher habe er der Kommission in enger Abstimmung mit Frankreich eine Möglichkeit aus der „Abstimmungsblockade“ auf EU-Ebene aufgezeigt. Dazu müssten etwa die unterschied­lichen Einschätzungen von WHO-Gremien im Hinblick auf die gesundheitlichen Gefahren für den Menschen aufgeklärt werden. Eine Anwendung im privaten Betreich müsse verboten werden.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner kritisierte, Schmidt sei offenbar bereit, „so ziemlich alles“ für Glyphosat zu tun. Dass Schmidt jetzt zum Beispiel ein Privatanwenderverbot fordere, sei aber ein gutes Zeichen. Die Grünen, die an einer möglichen Jamaika-Koalition beteiligt wären, stehen einer Verlängerung der Glyphosat-Zulassung sehr kritisch gegenüber.

© dpa/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 12. November 2017, 23:50

"deutsche" Position?

die "deutsche" Position ist bei unserem von Dichtern und Denkern auf nur mehr "Bedenker" völlig klar: irrationale und medial-skndalisierend angeheizte Ängste vor allem und jedem...
Nochmal für alle: Die Kategorie, in der Glyphosat von der WHO eingestuft wird ("möglicherweise krebsa1auslösend") enthält auch Stoffe wie Fleisch und Wurst, Kräutertees, TCM- und Ayurveda-Arzneien, alkoholische Getränke uvm.
Für Glyphosat spricht, dass es ziemlich sicher unschädlicher ist als alle die Stoffe, die dann anstatt Glyphosat eingesetzt werden müssten.
Bei Glyphosat gibt es immerhin eine Nutzen-Risiko-Abwägung: Vor dem Verhungern gerettete Menschen vs durch Glyphosat geschädigte Menschen - und diese Rechnung steht 1000:1 FÜR Glyphosat...
Das Problem, dass es viel zu viele Menschen gibt, die wie ein Krebs exponenziell wachsen, lässt sich weder mit noch ohne Glyphosat lösen - die Natur löst das durch die Jahrtausende lang bewährte "natürliche Bevölkerungskontrolle"; Hunger, Krieg und Seuchen...
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