NewsPolitikKrach um deutsche Glyphosatposition
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krach um deutsche Glyphosatposition

Donnerstag, 9. November 2017

/dpa

Berlin – In der noch amtierenden schwarz-roten Bundesregierung kracht es erneut wegen des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth warf Landwirtschaftminister Christian Schmidt (CSU) heute ein nicht abgestimmtes Vorgehen vor. Das SPD-geführte Umweltministerium ist gegen eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung, das Landwirtschaftsministerium dafür.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte Flasbarth einen Brief Schmidts an den für EU-Lebensmittelsicherheit zuständigen EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis. Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte die Echtheit des Briefes. In dem Brief schreibt Schmidt, Deutschland könne einer Genehmigungsverlängerung von Glyphosat für drei Jahre zustimmen. Flasbarth kommentierte dazu auf Twitter: „Gibt es noch irgendwelche Regeln, die in der Regierung eingehalten werden?“ Das Schreiben Schmidts sei nicht abgestimmt. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sprach von einem „Foulspiel“.

Anzeige

Zur Glyphosat-Zukunft gab es heute im zuständigen Expertengremium der EU-Länder nach Angaben aus EU-Kreisen nicht die nötige Mehrheit für eine Verlängerung der Lizenz um fünf Jahre. Glyphosat ist in Europa bis Mitte Dezember zugelassen. Deutschland enthielt sich abermals.

Landwirtschaftsminister Schmidt erklärte, es gebe nach wie keine wissenschaftlichen Gründe dafür, die weitere Nutzung von Glyphosat zu untersagen. Daher habe er der Kommission in enger Abstimmung mit Frankreich eine Möglichkeit aus der „Abstimmungsblockade“ auf EU-Ebene aufgezeigt. Dazu müssten etwa die unterschied­lichen Einschätzungen von WHO-Gremien im Hinblick auf die gesundheitlichen Gefahren für den Menschen aufgeklärt werden. Eine Anwendung im privaten Betreich müsse verboten werden.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner kritisierte, Schmidt sei offenbar bereit, „so ziemlich alles“ für Glyphosat zu tun. Dass Schmidt jetzt zum Beispiel ein Privatanwenderverbot fordere, sei aber ein gutes Zeichen. Die Grünen, die an einer möglichen Jamaika-Koalition beteiligt wären, stehen einer Verlängerung der Glyphosat-Zulassung sehr kritisch gegenüber.

© dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 12. November 2017, 23:50

"deutsche" Position?

die "deutsche" Position ist bei unserem von Dichtern und Denkern auf nur mehr "Bedenker" völlig klar: irrationale und medial-skndalisierend angeheizte Ängste vor allem und jedem...
Nochmal für alle: Die Kategorie, in der Glyphosat von der WHO eingestuft wird ("möglicherweise krebsa1auslösend") enthält auch Stoffe wie Fleisch und Wurst, Kräutertees, TCM- und Ayurveda-Arzneien, alkoholische Getränke uvm.
Für Glyphosat spricht, dass es ziemlich sicher unschädlicher ist als alle die Stoffe, die dann anstatt Glyphosat eingesetzt werden müssten.
Bei Glyphosat gibt es immerhin eine Nutzen-Risiko-Abwägung: Vor dem Verhungern gerettete Menschen vs durch Glyphosat geschädigte Menschen - und diese Rechnung steht 1000:1 FÜR Glyphosat...
Das Problem, dass es viel zu viele Menschen gibt, die wie ein Krebs exponenziell wachsen, lässt sich weder mit noch ohne Glyphosat lösen - die Natur löst das durch die Jahrtausende lang bewährte "natürliche Bevölkerungskontrolle"; Hunger, Krieg und Seuchen...
Avatar #110369
jpink
am Sonntag, 12. November 2017, 10:32

"Deutsche" Position

Ich bin Deutscher, und meine Position ist, diesen Vernichter in Deutschland zu verbieten. Was dieser Lobbyverein namens EU kräht, ist mir gänzlich wurscht. Ein Produkt, das den Handelsnamen "Roundup" ("Vieh zusammentreiben", "Anhieb") trägt, verdient meine Skepsis. Wenn nur ein geringster Verdacht besteht, daß das Monsantozeugs für einen krankmachenden Feldversuch steht, dann muß diese Giftbrühe bis zum Beweis des Gegenteils ausgesetzt werden.

Das ist für mich die wichtigste deutsche Position. Nämlich meine. Bitte mich auch vorher fragen, bevor Sie verwegen etwas von "deutschen Positionen" schreiben und damit eine Allgemeingültigkeit suggerieren, die es so aber nicht gibt.

Diese Giftspritzerei auf den Äckern und das überbordende Gülleausbringen zeigen einmal mehr, daß die bisherige Politik eine gesundheitliche Katastrophe ist. Bezahlte Politiker haben sich offenbar als untaugliches Konzept erwiesen. So muß jeder andere auch ran, den es angeht.

40 Millionen Deutsche wären auch genug auf unserem Landstrich. Das nennt man Gesundschrumpfen. Abgesehen davon, daß die ausländische Einwanderung zwar für die privaten Kapitalrenditen, aber volkswirtschaftlich nie ein Gewinn war, ist jede weitere Ansiedlung lediglich eine Steigerung des volkswirtschaftlichen Wahnsinns vor den disruptiven Veränderungen der Industrie 4.0.

https://youtu.be/UmRG6cmnC3U?t=1h8m12s

Die nächste Wende wird wohl allein durch die Informatik vollzogen. Die Berufspolitik, die in Deutschland unter dem Namen BRD firmiert, und die meisten vermeintlichen oder tatsächlichen Bildungsstände kommen mir wie Zaungäste vor, die tranig aus ihrer ideologischen Sackgasse heraus zuschauen. Probleme zu schaffen, für die man sich dann selbst als Lösung aufspielt, war zu lange ein lukratives Geschäftsmodell, das wirklich weg muß. Das gilt für alle Branchen, wirklich alle.

Das war auch keine Satire, sondern ein Auszug aus erwachsener Ganzheitlichkeit.
LNS

Nachrichten zum Thema

13. November 2018
Leverkusen – Bayer muss sich in den USA noch mehr Glyphosatklagen stellen als bisher bekannt. Bis Ende Oktober seien Gerichtsschriften von etwa 9.300 Klägern zugestellt worden, sagte Bayer-Konzernchef
Bayer schließt Vergleiche bei Glyphosatklagen aus
1. November 2018
San Francisco – Im Glyphosatprozess in den USA hat der krebskranke Kläger einer niedrigeren Strafzahlung gegen die Bayer-Tochter Monsanto zugestimmt. Dewayne Johnson willigte in die Absenkung von 289
Krebskranker Kläger in Monsanto-Prozess akzeptiert niedrigeren Schadenersatz
23. Oktober 2018
San Francisco – Im ersten US-Prozess um angeblich verschleierte Krebsgefahren glyphosathaltiger Unkrautvernichter hat Bayer trotz einer voraussichtlich geringeren Strafe als angenommen Berufung
Bayer kündigt im Glyphosat-Prozess trotz Strafsenkung Berufung an
11. Oktober 2018
San Francisco – Die Bayer AG darf sich Hoffnung machen, dass das millionenschwere Schadenersatzurteil im ersten US-Prozess um angeblich verschleierte Krebsrisiken von Unkrautvernichtungsmitteln der
Glyphosat-Prozess gegen Monsanto dürfte neu aufgerollt werden
18. September 2018
Prag – Die tschechische Regierung hat angekündigt, den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in der Landwirtschaft zu beschränken. Ab dem 1. Januar nächsten Jahres dürften
Tschechien schränkt Glyphosatnutzung ein
24. August 2018
Berlin – Gegen den Saatguthersteller Monsanto sind wegen des Herbizids Glyphosat in den USA mittlerweile rund 8.000 Klagen anhängig. Diese Zahl mit Stand von Ende Juli nannte Bayer-Chef Werner Baumann
Mittlerweile 8.000 Klagen wegen Glyphosat in den USA
20. August 2018
Leverkusen/St. Louis – Bayer hat Medienberichten über neue drohende US-Klagen gegen Monsanto wegen dessen Unkrautvernichters Dicamba widersprochen. „Bayer stellt klar, dass es sich bei diesen Klagen –
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER