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Politik

Fachkräftemangel im Gesundheitswesen am größten

Donnerstag, 9. November 2017

/dpa

Berlin – In Deutschland gibt es zahlreiche Branchen, in denen Unternehmen und andere Akteure nach Fachkräften suchen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung  – auch „die fünf Wirtschaftsweisen“ genannt – kommt in seinem neuen Gutachten allerdings zu dem Schluss, dass es in Deutsch­land im Jahr 2017 noch keinen flächendeckenden Fachkräftemangel gibt, mit einer Ausnahme.

„Die am deutlichsten ausgeprägten Engpassberufe für Spezialisten waren mit der Fachkrankenpflege und der Aufsicht der Krankenpflege im Gesundheitswesen zu finden“, schreiben die Wissenschaftler in ihrem neuen Bericht. Sie fordern – nicht nur im Hinblick auf das Gesundheitswesen – unter anderem ein Einwanderungsgesetz mit einem Punktesystem ähnlich wie in Kanada, eine gesteuerte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte ohne akademischen Abschluss, mehr Kinderbetreuung und noch mehr Frauenerwerbstätigkeit.

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Mehr Krankenhausinvestitionen

Der Sachverständigenrat kritisiert in seinem Gutachten zudem unzureichende Inves­titionen in die Krankenhäuser in Deutschland. „Die Länder kommen seit geraumer Zeit ihrer Verpflichtung nicht in ausreichendem Maß nach. Dies kann mittelfristig negative Auswirkungen auf die Qualität der Patientenversorgung und die Effizienz der Leistungserbringung haben“, schreiben sie. Ein Ausweg wäre nach Auffassung der Wirtschaftsweisen eine Abkehr von der dualen hin zu einer monistischen Finanzierung, „bei der die Krankenkassen die laufenden Betriebskosten der Krankenhäuser und die Investitionen finanzieren“, so die Autoren.

Entlastung von Notaufnahmen

Für die Entlastung der Notaufnahmen schlagen die Wirtschaftswissenschaftler eine zentrale Steuerung vor. „Diese könnte dem Beispiel Dänemarks folgend über ein Telefonleitsystem organisiert werden. Dort meldet sich der Notfallpatient zunächst stets per Telefon. Ein Experte führt eine Ersteinschätzung durch und vermittelt den Patienten an einen passenden ambulanten oder stationären Leistungserbringer“, heißt es im Gutachten.

Mehr Digitalisierung

Außerdem gilt es laut den Wirtschaftsweisen, einen Rückstand Deutschlands bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens abzubauen. Dafür brauche es „mehr Innovationsoffenheit im Gesundheitswesen“, insbesondere im Bereich der digitalen Angebote, der Telemedizin, der Robotik und der Sensorik. „Diese Ansätze bieten nicht nur das Potenzial, dem wachsenden Fachkräftemangel mittelfristig entgegenzuwirken. Sie könnten weiterhin einen wichtigen Lösungsansatz für die medizinische Versorgung ländlicher und strukturschwacher Regionen bieten“, schreiben die Wirtschaftsweisen. 

Besonders wichtig sei in diesem Zusammenhang „eine elektronische Patientenakte auf Basis einer standardisierten bundesweiten Telematik-Infrastruktur in Gang zu bringen“. „Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und andere Leistungserbringer könnten – nach Einwilligung des Patienten – auf alle oder einen Teil seiner Gesundheitsdaten zugreifen.

Dies würde Doppeluntersuchungen reduzieren, die Medikation von Patienten mit einer Vielzahl an einzunehmenden Arzneimitteln transparenter gestalten und die Diagnostik unterstützen“, umreißen die Wirtschaftsweisen das Potential der elektronischen Patientenakte. Außerdem würde diese einen „bedeutenden Beitrag zur Versorgungs­forschung ermöglichen, um künftig die knappen Ressourcen auf Leistungen guter Qualität zu konzentrieren“, so die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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