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Medizin

Wunden heilen tagsüber schneller

Freitag, 10. November 2017

Cambridge – Wie die meisten Zellen des menschlichen Körpers hat auch die Haut einen Tag-Nacht-Rhythmus. Eine Folge ist eine beschleunigte Wundheilung bei am Tag erworbenen Wunden, wie aus Studienergebnissen in Science Translational Medicine (2017; 9: eaal2774) hervorgeht.

Viele Experimente zur „inneren Uhr“ wurden an Fibroblasten durchgeführt, die pro­blem­los aus Hautbiopsien gewonnen werden können. Die Forscher interessierten sich dabei vor allem für die genetischen Grundlagen der Chronobiologie, die viele Aspekte des menschlichen Lebens beeinflusst – vom Schlaf-Wach-Rhythmus über den Hormon­haushalt bis zur Anfälligkeit für Krankheiten, die beispielsweise erklärt, warum die meisten Herzinfarkte in den Morgenstunden auftreten. 

Die Auswirkungen der zirkadianen Rhythmik auf die Funktion der Haut wurde bisher kaum beachtet. Die vermehrte Tagesaktivität bestimmter Gene hat jedoch auch in der Haut Einfluss auf die Gesundheit, wie John O’Neill in einem Labor des Medical Research Council’s in Cambridge herausfand. Dem Biologen war aufgefallen, dass viele der Proteine, die in den Fibroblasten tagsüber vermehrt aktiv waren, das Zytoskelett betreffen, wo das Molekül Aktin für die Beweglichkeit zuständig ist. 

Fibroblasten sind zwar ortsansässige Zellen, bei Verletzungen setzen sie sich jedoch in Bewegung. Ihre Aufgabe besteht darin, Kollagenfasern zu bilden, die für die Bildung von Narben benötigt werden. O’Neill vermutete deshalb, dass die zirkadiane Rhythmik Auswirkungen auf die Wundheilung hat. Der Forscher konnte dies zunächst an Mäusen zeigen, bei denen Wunden schneller verheilten, wenn sie tagsüber auftraten. 

Schließlich suchten O’Neill und Mitarbeiter nach Hinweisen für ähnliche Wirkungen beim Menschen. Das Team analysierte dazu die „International Burn Injury Database“, die unter anderem die Tageszeit einer Verletzung aufzeichnet. Die Analyse ergab, dass nächtliche Verbrennungen durchschnittlich 11 Tage länger brauchten, um zu heilen, als Verbrennungen, die tagsüber aufgetreten waren. Die 60-prozentigen Unterschiede in der Heilung könnten auch für Wunden interessant sein, die Ärzte ihren Patienten absichtlich zufügen. Gemeint sind chirurgische Eingriffe, deren Erfolg möglicherweise von der Tageszeit abhängt. 

Dass dies klinisch relevant sein kann, ist auch Herzchirurgen aus Frankreich aufge­fallen. Sie berichteten kürzlich im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)32132-3), dass Herzoperationen am Vormittag häufiger zu Komplikationen führen. Bei näheren Untersuchungen waren die Forscher auf zirkadiane Gene gestoßen, die die Ischämie-Toleranz des Herzmuskels beeinflussen. © rme/aerzteblatt.de

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