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Medizin

Primär progrediente Multiple Sklerose: Vermeintlich erster Wirkstoff vor der Zulassung

Montag, 13. November 2017

ag visuell/stock.adobe.com

London – Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat sich für die Zulassung des monoklonalen Antikörpers Ocrelizumab zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RRMS) und primär progredienter Multipler Sklerose (PPMS) ausgesprochen. Für die PPMS wäre es der erste zugelassene Wirkstoff. Eine Zustimmung der Europäischen Kommission ist zu erwarten.

Die Wirksamkeit von Ocrelizumab in der Behandlung der RRMS wurde in zwei klini­schen Studien (OPERA I und II) an 1.656 Teilnehmern untersucht, die über 96 Wochen behandelt wurden. In beiden Studien erzielte Ocrelizumab eine bessere Wirkung als Interferon beta-1a, eines der ersten verlaufsmodifizierenden Medikamente. Unter Ocrelizumab kam es seltener zu Schüben und die Behinderung der Patienten nahm weniger rasch zu. Ocrelizumab erweitert die therapeutischen Optionen bei der RRMS, die die häufigste Verlaufsform der MS ist. 

Bei der PPMS, die bei 10 bis 15 Prozent der Patienten vorliegt, gibt es bisher noch keinen zugelassenen Wirkstoff. In der ORATORIO-Studie, an der 732 Patienten teilnahmen, konnte Ocrelizumab das Fortschreiten der Behinderungen verlangsamen, wenn es wie in der Studie frühzeitig eingesetzt wird.

Ocrelizumab wurde in den beiden Indikationen bereits im Frühjahr in den USA zugelassen. Der Hersteller hat Ocrelizumab seither im Rahmen eines „Compassionate Use Program“ (CUP) auch deutschen Patienten unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung gestellt.

Ocrelizumab ist indes nicht der erste Wirkstoff, der bei der PPMS wirksam ist. Eine ähnliche Wirkung erzielt Rituximab, das wie Ocrelizumab den Rezeptor CD20 auf der Oberfläche von B-Zellen blockiert und damit die Bildung von Antikörpern verhindert, die am Immunangriff auf die Nervenscheiden beteiligt sind, der der MS zugrunde liegt. 

Die Effektivität von Rituximab bei der PPMS wurde bereist 2009 in einer randomisier­ten klinischen Studie (OLYMPUS) gezeigt (Annals of Neurology 2009; 66: 460–71). Der Hersteller (der gleiche wie von Ocrelizumab) hat allerdings niemals eine Zulassungs­erweiterung beantragt. Stattdessen wurde ein neuer Antikörper für die Behandlung der MS entwickelt. Ob er eine bessere Wirkung erzielt als Rituximab, ist nicht bekannt. In den USA läuft derzeit eine Vergleichsstudie (allerdings bei der RRMS), die 2019 abgeschlossen sein soll. © rme/aerzteblatt.de

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