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Ärzteschaft

Laborreform wird auf April 2018 verschoben

Montag, 13. November 2017

/gojalia, stock.adobe.com

Berlin – Die Laborreform, über die derzeit Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband verhandeln, wird um ein Quartal auf den 1. April 2018 verschoben. Das hat die KBV heute auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes bestätigt. Grund ist, dass noch nicht in allen Punkten zwischen den Verhandlungspartnern eine Einigung erzielt werden konnte.

„Die Inhalte sind weitestgehend abgestimmt. Allerdings gibt es bei einzelnen Punkten noch Beratungsbedarf – beispielsweise beim Wirtschaftlichkeitsbonus“, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl. Der GKV-Spitzenverband habe eine Anpassung des Wirtschaft­lichkeitsbonus im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) zum 1. Januar 2018 abgelehnt.

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Reform kann nur bremsend wirken

Das grundsätzliche Problem ist dem KBV-Sprecher zufolge jedoch, dass die von den Krankenkassen bereitgestellte Gesamtvergütung nicht in dem Umfang steigt wie die Menge der Laboruntersuchungen. „Eine Laborreform kann hier nur bremsend wirken, nicht aber das Problem an sich lösen“, sagte Stahl. Allein schon durch den wissen­schaft­lichen Fortschritt zum Beispiel in der Onkologie würden die Kosten weiter steigen.

„Dieses Mengenrisiko dürfen nicht länger die Ärzte tragen. Deshalb sind wir perspek­tivisch für eine extrabudgetäre Finanzierung der Laboruntersuchungen“, erklärte Stahl, der betonte, dass „grundsätzlich auf allen Seiten – auch auf der Kassenseite – Konsens über die Notwendigkeit von Anpassungen im Laborbereich“ besteht. Stahl zufolge sei es Ziel, dass KBV und Kassenseite bis Ende des Jahres die Verhandlungen abschließen. „Bis dahin gelten die derzeitigen Vorgaben auch für das erste Quartal 2018“, sagte er.

Kritik kam heute vom Deutschen Hausärzteverband (DHÄV). Der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt nannte die erneute Verschiebung ein Armutszeugnis für die Akteure der Selbstverwaltung und eine Verhöhnung der Hausärzte. Diese müssten „weiterhin viele Millionen Euro für Laborleistungen nachschießen“.

Der Deutsche Hausärzte­verband fordert, dass die Reform der Laborvergütung unverzüglich umgesetzt wird. Hausärzte sollten laut DHÄV nach Prüfung der finanziellen Auswirkungen in ihrem KV-Bezirk, und soweit nicht bereits die Kassenärztliche Vereinigung die Honorarbescheide unter Vorbehalt erlassen hat, Einspruch gegen die Honorarbescheide einreichen.

Hintergrund ist ein seit Jahren schwelender Streit um die Laborkosten zwischen Hausärzten und Fachärzten. Der DHÄV argumentiert, dass Hausärzte für Labor­leistun­gen bezahlen, die eigentlich zum fachärztlichen Versorgungsbereich gehören und entsprechend auch aus dem fachärztlichen Honorartopf bezahlt werden müssten. Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KBV hatte im Dezember 2016 eine Neuordnung der Trennungsvorgaben für den Laborbereich beschlossen. Die Umsetzung wurde seiner­zeit jedoch durch den GKV-Spitzenverband unterbunden. © may/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Sonntag, 19. November 2017, 17:03

Was der DHÄV verschweigt

Es ist kein Geheimnis, dass der Topf für die Laborleistungen zu klein ist. Sowohl Hausärzte als auch Fachärzte überziehen regelmäßig ihr Budget. Obwohl Laborleistungen außerhalb des Budgets vergütet werden sollen, ist es bereits jetzt traurige Wahrheit, dass die Labore, obwohl sie nur sehr begrenzt für die Menge der Laborleistungen verantwortlich sind, trotzdem für die Überziehungen bestraft werden. Die Quotierung ist regional unterschiedlich, soweit ich weiß, werden den niedergelassenen Laboren derzeit nur ca. 90% der erbrachten Leistungen bezahlt.

Der aktuelle Streit entzündet sich daran, wer für die Laborleistungen oberhalb des Budgets geradestehen soll. Wenn es nach dem Verursacherprinzip gehen würde, müssten Hausärzte und Fachärzte jeweils für ihren Anteil an den Überziehungen gerade stehen. Weil aber niedergelassene Laborärzte und Mikrobiologen Fachärzte sind, werden sie formell der Gruppe der Fachärzte zugeschlagen und alle Defizite aus der Labordiagnostik müssten aus dem Topf der Fachärzte bezahlt werden! Die Hausärzte wären dann fein raus und könnten ungestraft ohne Limit Labor anfordern. Die Quotierung für die Laborärzte dürfte sich dann verdoppeln, die Auszahlung würde sich auf ca. 80% der erbrachten Leistungen reduzieren. So ganz nebenbei, niedergelassene Allgemeinmediziner und Internisten sind auch Fachärzte (soweit ich weiß ist dies die Voraussetzung für eine KV-Zulassung), die Trennung zwischen Haus- und Fachärzten und die Einordnung der Labormediziner kann also nicht am Facharzt-Titel festgemacht werden. Willkommen in Absurdistan!

Welche Konsequenzen hat es, wenn die niedergelassenen Laborärzte nur noch 80% des Honorars ausgezahlt bekommen? In einer normalen Hausarztpraxis hängen an der Arztstelle noch zusätzlich 3 bis 4 Schwestern oder MFA. In einer Laborpraxis kommen auf einen Arzt ca. 20 MTA’s, Fahrer u.a. Mitarbeiter, dazu die Kosten für die Verbrauchsmaterialien/Testkits. Wenn einem Hausarzt 20% des Honorars vorenthalten werden, dann ist dies bitter und schwer hinnehmbar. In einer Laborpraxis ist der Anteil des ärztlichen Honorars an der Gesamtkalkulation wesentlich geringer. Bei einer Kürzung um 20% ist nicht der Porsche des Geschäftsführers in Gefahr, dann geht es an die Substanz.

Solidarität innerhalb der Ärzteschaft ist gerade nicht groß in Mode, wenn die Honorare der Laborärzte um 20% gekürzt werden, was kümmert es die Anderen, z.B. den DHÄV?

Ich gehe nicht davon aus, dass umgehend massenhaft Labore schließen werden, aber der Wettbewerbsdruck wird deutlich steigen. Kosten kann man beim Gehalt der Angestellten sparen und beim Service für die Kunden. „Gute Einsender“ wie Dialysepraxen oder Gynäkologen werden auch in Zukunft gut versorgt werden. Aber der einfache Hausarzt mit wenigen Proben irgendwo auf dem flachen Land, der wird leiden. Der Laborfahrer kommt dann nicht mehr, wenn es in den Praxisablauf passt, sondern wenn es die Logistik hergibt. Das kann dann z.B. Montag und Mittwoch früh um 08:00 Uhr sein, wer zu einer anderen Zeit mit akuten Beschwerden zu seinem Hausarzt kommt, hat dann Pech, der muss dann zur Abklärung in die nächste KH-Notaufnahme.

Mittelfristig dürfte es zu deutlichen Verschiebungen in der Laborlandschaft kommen. Es gibt 728 ambulant tätige Labormediziner und 279 ambulant tätige Mikrobiologen (Stand 2016, Statistik der Bundesärztekammer) http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Statistik2016/Stat16AbbTab.pdf
Die meisten davon gehören zur Generation der Babyboomer und werden in den nächsten 10 Jahren in den Ruhestand gehen. Es ist bereits jetzt sehr schwer, Nachwuchs zu finden. Die Unikliniken bilden viel zu wenig Fachärzte aus. Wenn es jemand schaffen kann, aus eigenen Kräften auszubilden, dann sind es die großen Laborketten, nur hier gibt es genügend Mitarbeiter mit Weiterbildungserlaubnis, nur hier gibt es genügend Finanzreserven, um die Zusatzkosten für attraktive Arztstellen zu schultern. Da bereits jetzt 5 große Laborketten große Teile des Markts beherrschen, werden wir in ca. 10 Jahren einen weitgehend monopolisierten Labormarkt haben, von Wettbewerb dürfte dann keine Rede mehr sein.

Gleichzeitig wird in der aktuellen Diskussion ein Detail gern vergessen: Ein Laborarzt darf bei der KV nur eine begrenzte Zahl an Untersuchungen abrechnen. Wenn ein Laborarzt eine „Laborfabrik“ führt, dann gibt es ab einer gewissen Menge Abschläge weil die KV davon ausgeht, dass dann Beratungsleistungen z.B. nicht mehr erbracht werden können. Dies ist dazu gedacht, die Macht der großen Laborketten zu begrenzen. Wenn aber die Zahl der niedergelassenen Laborärzte unter eine kritische Zahl rutscht, dann droht ein Systemversagen. Dann wird der Service für „unattraktive“ Ärzte weiter sinken, weil durch die Mengenabschläge seitens der KV es sich nicht lohnt, diese Ärzte zu versorgen.

Der nächste Kollateralschaden betrifft nicht die Niedergelassenen Ärzte, sondern die Krankenhäuser. Ein gut geführtes Krankenhauslabor kalkuliert seine Kosten etwa beim 0,4-fachen GOÄ-Satz. Nun versorgen die niedergelassenen Labore aber nicht nur die niedergelassenen Ärzte, sondern auch ca. 50% der Krankenhäuser, meist die mittleren oder kleinen Häuser. Bisher führte der Wettbewerb dazu, dass die Krankenhäuser ihre Laborleistungen unter Wert eingekauft haben, oft zum 0,2 bis 0,25-fachen GOÄ-Satz. Ein Fahrer, der ein Krankenhaus mehrfach am Tag anfährt, kann auch die lukrativen niedergelassenen Praxen in der Umgebung anfahren. Der Wettbewerb wurde durch die Geschäftsführer der Krankenhäuser missbraucht, um Dumpingpreise einzufordern, die durch die KV-Abrechnung quersubventioniert wurden. Wenn es sich aber nicht lohnt, zusätzliche ambulante Proben zu bekommen, dann ändert sich auch grundlegend die Wettbewerbssituation für die Krankenhäuser. Viele kleinere Krankenhäuser haben nicht nur die Fremdleistungen nach außen verlagert, sondern das komplette Krankenhauslabor. Wenn dann plötzlich die Laborkosten vom 0,2-fachen auf den 1,15-fachen GOÄ-Satz steigen, können sie nicht einfach neue Laborkapazitäten aufbauen, weil das Fachpersonal fehlt, sie werden dann diese Preise zahlen müssen. Damit dürfte sich die finanzielle Schieflage vieler kleiner Häuser (100-200 Betten) deutlich verschlechtern, die daraus resultierende Bereinigung der Krankenhauskapazitäten dürfte der großen Politik gefallen, dürfte aber nicht im Interesse der Patienten und niedergelassenen Ärzte sein.

Auch wenn ich bisher über das drohende Systemversagen in der Labormedizin gesprochen habe, in der Mikrobiologie haben wir bereits jetzt ein manifestes Systemversagen. Die ambulant tätigen 279 Mikrobiologen reichen bereits jetzt nicht, um auch nur ansatzweise die Beratungsdienstleistungen zu erbringen, die im Zusammenhang mit multiresistenten Erregern notwendig sind, hier würde sofort mindestens die doppelte Anzahl benötigt. Die Bundesregierung kann sich all ihre Pläne zu Infektionskrankheiten und Antibiotikaresistenzen sonst wo hin stecken, wenn hier nicht umgehend die dafür notwendigen Strukturen geschaffen werden, dann werden diese Pläne scheitern.

Bevor der DHÄV und andere Funktionäre vorpreschen, kann ich nur raten, die langfristigen Konsequenzen der Diskussion um die Bezahlung von Laborleistungen zu bedenken.
LNS

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