NewsPolitikErnährungsexperten fordern höhere Mehrwertsteuer für zuckrige Produkte und Softdrinks
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Ernährungsexperten fordern höhere Mehrwertsteuer für zuckrige Produkte und Softdrinks

Montag, 13. November 2017

/Michael Eichhammer, stock.adobe.com

Berlin – Im Kampf gegen die steigende Zahl von Übergewichtigen in Deutschland haben Ernährungsexperten eine deutliche Mehrwertsteuererhöhung für besonders zuckrige Produkte und Softdrinks gefordert. Die bisherige Strategie, die hauptsächlich an die Verantwortung jedes Einzelnen appelliere und Kurse über gesunde Ernährung finanziere, sei gescheitert, kritisierte der Münchner Ernährungsmediziner Hans Hauner heute bei der Vorstellung einer Studie in Berlin.

Würden danach Obst und Gemüse gar nicht mehr besteuert, ungesunde Lebensmittel dagegen höher als bisher, würde der Anteil stark übergewichtiger Menschen nicht weiter steigen und könnte sogar um zehn Prozent sinken. Bisher gilt für die meisten Lebensmittel der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent.

Anzeige

Gestaffeltes System der Mehrwertsteuer gefordert

Die im Auftrag mehrerer Organisationen erstellte Studie der Universität Hamburg schlägt ein gestaffeltes System der Mehrwertsteuer für Lebensmittel vor. Am erfolg­versprechendsten und politisch realistischsten ist nach Ansicht des Hamburger Ökonomen Tobias Effertz eine „Ampel“ mit null Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse (Grün), einem Steuersatz von sieben Prozent für Lebensmittel wie Nudeln, Milch oder Fleisch (Gelb) und 19 Prozent Mehrwertsteuer für Produkte mit viel zugesetztem Zucker, Salz oder Fett wie Fertiggerichte, Chips oder Süßigkeiten (Rot).

Die Experten bringen darüber hinaus eine Anhebung des Steuersatzes für die beson­ders gesundheitsschädlichen Softdrinks von heute 19 auf 29 Prozent ins Spiel. Hauner zufolge spielen Softdrinks oft eine entscheidende Rolle bei der Entstehung einer Adipositas, also einer extremen Fettleibigkeit, und das noch mehr als Süßigkeiten. Fruchtsäfte ohne Zuckerzusatz würden hingegen in die Kategorie gelb fallen.

Die Experten verwiesen auf andere Länder, die die Steuern für ungesunde Produkte bereits erhöhten. So hatten einige Städte in den USA eine Sondersteuer auf zucker­haltige Getränke eingeführt, darunter Berkeley in Kalifornien. Dort sei der Absatz von Softdrinks um 21 Prozent gesunken. Zudem änderten Hersteller von Fertigprodukten nach Steueranpassungen häufig ihre Rezepturen und reduzierten Fett und Zucker. „Die Bürger bekommen also bessere Produkte zum gleichen Preis“, erklärte Hauner.

Auch die Welt­gesund­heits­organi­sation hatte sich zur Bekämpfung von Übergewicht für Sondersteuern auf zuckrige Getränke ausgesprochen. In Deutschland gilt ein Viertel der Bevölkerung (25 Prozent) als adipös, Tendenz steigend. Starkes Übergewicht bedeutet ein erhöhtes Risiko für viele Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes und Krebs.

Die Studie wurde beauftragt von der Deutschen Adipositasgesellschaft, der Deutschen Diabetesgesellschaft, der Deutschen Diabetesstiftung, der Deutschen Diabeteshilfe, der Gesundheitsstadt Berlin, vom Verband der Diabetesberatungs- und -schulungsberufe in Deutschland und der Universität Kiel. © afp/dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. September 2020
Liverpool – Bei den meisten Menschen können epileptische Anfälle durch ein oder mehrere Antiepileptika kontrolliert werden. Für Menschen, die weiterhin Anfälle haben, also unter einer
Ketogene Diät mögliche aber unsichere Therapieoption bei medikamentenresistenter Epilepsie
15. September 2020
Freiburg/Berlin – Eine Steuer auf besonders fetthaltige Lebensmittel könnte sich möglicherweise positiv auf die Ernährungsweise der Menschen auswirken. Allerdings ist die Datenlage dazu schwach. Zu
Cochrane: Nutzen einer Steuer auf besonders fetthaltige Lebensmittel unklar
11. September 2020
Berlin – Die gestern erstmals in Deutschland bei einem Wildschwein festgestellte Afrikanische Schweinepest (ASP) stellt für den Menschen keine Gesundheitsgefahr dar. Darauf hat das Bundesinstitut für
Keine Gefahr für Menschen durch Afrikanische Schweinepest
10. September 2020
Berlin – Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Die Tierseuche wurde bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nahe der Grenze zu Polen bestätigt, wie
Afrikanische Schweinepest in Deutschland angekommen
1. September 2020
Berlin – Wer sich vegan ernährt, hat ein erhöhtes Risiko für einen Jodmangel. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hin, die jetzt im Deutschen
Vegane Ernährung erhöht Risiko für einen Jodmangel
25. August 2020
Frankfurt am Main – Der Umsatz mit Nahrungsergänzungsmitteln aus der Apotheke ist in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr gestiegen und erreichte im Jahr 2019 einen
Nahrungsergänzungsmittel immer beliebter
21. August 2020
Berlin – Ein kostenfreies hochwertiges Essen in Kitas und Schulen, eine Extrasteuer auf zuckerhaltige Getränke und Einschränkungen bei Lebensmittelwerbung, die an Kinder gerichtet ist. Diese Schritte
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER