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Politik

Fachkräftemangel zentrales Problem der Krankenhäuser

Montag, 13. November 2017

/VILevi, stock.adobe.com

Düsseldorf – Personalsicherung und Fachkräftemangel in der Pflege sind die zentralen Reformbaustellen in der kommenden Legislaturperiode. Das machten die Referenten auf dem 40. Deutschen Krankenhaustag im Rahmen der Medizinmesse Medica deutlich. Die Klinikträger wehren sich außerdem gegen Personalvorgaben. „Die jetzt schon problematische Personalsituation mit rund 10.000 freien Stellen zeigt, dass starre Personalvorgaben nicht weiterhelfen“, sagte der Kongresspräsident Thomas Reumann. Die Kliniken bräuchten vielmehr bei der Ausbildung von Pflegekräften mehr Unter­stützung.

Zugleich müsse die „überbordende Bürokratie im Krankenhaus“ vermindert werden. „Pro Tag verbringt ein Arzt vier Stunden mit bürokratischen Tätigkeiten, eine Pflegekraft drei Stunden. Zeit, die für die Pflege und die ärztlichen Leistungen fehlt“, sagte Reumann, zugleich Präsident der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft (DKG). Notwendig sei eine konzertierte Aktion zum Abbau der Bürokratie im Gesundheits­wesen.

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Zukunftskonzept Deutsches Krankenhaus

Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), forderte die möglichen Jamaika-Koalitionäre auf, sich zu einer zukunftssicheren Gesundheitsversorgung zu bekennen. Die stetig anwachsenden Probleme könnten durch das Drehen an „kleinen Schräubchen“ nicht mehr gelöst werden. „Nötig ist ein Zukunftskonzept Deutsches Krankenhaus, das von Bund und Ländern getragen wird und endlich mit der Lösung der bekannten Grundsatzprobleme beginnt“, erklärte Düllings.

Der VDK-Präsident betonte, die Krankenhäuser lehnten Strukturreformen nicht grund­sätzlich ab. „Aber einfach nur Krankenhauskapazitäten abzubauen, wie es Kranken­kassen und manche Institute regelmäßig als Lösung sehen, ist keine innovative Idee und angesichts fehlender niedergelassener Ärzte in vielen ländlichen Regionen auch absolut kontraproduktiv. Hier übernehmen die Krankenhäuser ja bereits den Hauptteil der medizinischen Versorgung“, sagte der Verbandspräsident.

„Ohne eine sektoren­übergreifende Analyse der Versorgung sollte es künftig keine Planung von grundlegen­den Strukturveränderungen geben. Dass spezialisierte Leistungen konzentriert werden, ist auch aus VKD-Sicht sinnvoll. Auf jeden Fall aber muss es sich um geplante und moderierte Prozesse handeln“, so Düllings. Eine solche strategische Strukturreform koste Geld. „Der Anfang wurde bereits mit dem Strukturfonds gemacht. Er sollte aufgestockt und zeitlich verlängert werden“, so der VKD-Präsident. 

Mehr Mittel für Digitalisierung notwendig

Zusätzliches Geld fordert der Verband außerdem für die Digitalisierung der Kliniken. „Innerhalb der nächsten fünf Jahre muss zwingend die Digitalisierung aller Kranken­häuser erfolgen. Das wird nach Schätzungen zwei Milliarden Euro jährlich kosten“, so Düllings. Das Geld werde aber dazu beitragen, „viele der aktuellen Probleme zu lösen und ist auf jeden Fall unabdingbar zur Behebung des akuten Personalmangel“, so der VKD-Präsident.

Auch ein Dauerthema sprach der Verbandspräsident auf dem Krankenhaustag an: die unzureichende Investitionsfinanzierung durch die Bundesländer. „Benötigt werden 6,5 Milliarden, von den dafür zuständigen Ländern kommen nur 2,8 Milliarden Euro. Ein Zustand, der lange bekannt ist, von allen Beteiligten eingeräumt wird, aber unverän­dert fortbesteht. Hier muss Gesetzestreue einziehen“, sagte er. Der Verband fordert, die Regelinvestitionen der Länder auf „deutlich auf über sechs Milliarden Euro im Jahr“ zu erhöhen.

Die Repräsentantin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland (ADS), Irene Maier, appellierte an eine künftige Regierung, die notwendi­gen Reformen in der Pflege endlich umzusetzen – notfalls auch auf Kosten der schwarzen Null. „Die Pflege braucht grundlegende strukturelle Reformen. Und die kosten nun einmal Geld, schwarze Null hin oder her“, so Maier.

Hans-Fred Weiser, Präsident des Verbandes der leitenden Krankenhausärzte Deutsch­lands (VLK), kritisierte die tiefen Gräben zwischen den einzelnen Versorgungsbereichen im Gesundheitswesen. „Es gibt hierfür keinen sachlich zwingenden und nachvollzieh­baren Grund“, erklärte der VLK-Präsident. Er schlug vor, die sektorenübergreifende Versorgung in Teilbereichen in der kommenden Legislaturperiode zu beginnen. Weiser bezeichnete hierfür insbesondere den Bereich der Notfallversorgung als ein geeignetes Projekt.

Der 40. Deutsche Krankenhaustag steht unter dem Motto „Krankenhäuser in einer neuen Zeit“. Er dauert vom 13. bis 16. November. © hil/aerzteblatt.de

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