Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Nach Schlaganfall besteht ein erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz

Dienstag, 14. November 2017

/Syda Productions, stock.adobe.com

Würzburg/Duisburg/Essen – Patienten mit einem Schlaganfall haben ein erhöhtes Risiko, eine chronische Herzschwäche zu entwickeln. Das berichten Wissenschaftler der Universitäten Würzburg und Duisburg-Essen (UDE) im Fachmagazin Annals of Neurology (2017; doi: 10.1002/ana.25073).

Es gibt laut den Wissenschaftlern bereits Hinweise, dass sich eine Herzinsuffizienz durch Störung des autonomen Nervensystems entwickeln kann. Bisherige Studien an Schlaganfallpatienten zeigten, dass es bis zu mehrere Wochen nach einem Schlag­anfall zu Herzrhythmusstörungen, dem Absterben von Herzmuskelzellen und zu funktionellen Störungen des Herzens kommen kann.

Auf der Suche nach neuen Strategien

„Unsere Grundhypothese lautete, dass durch einen ischämischen Schlaganfall eine chronische Herzinsuffizienz induziert wird und dass diese einer pharmakologischen Intervention grundsätzlich zugänglich ist“, erklärte der Naturwissenschaftler Michael Bieber vom Universitätsklinikum Würzburg. Neurologen, Kardiologen und klinische Epidemiologen der Universitätskliniken und des Deutschen Zentrums für Herz­insuffizienz (DZHI) konnte im Projekt „SICFAIL“ die Bedeutung von Schlaganfall-induziertem Herzversagen beobachten, bewerten und neue Behandlungsstrategien entwickeln.

Ein wichtiger Meilenstein war laut den Forschern der Nachweis, dass sich nach einem experimentellen Schlaganfall tatsächlich eine Funktionsstörung des Herzens ausbildet. So war die Pumpfunktion im Tiermodell acht Wochen nach Schlaganfallinduktion signifikant reduziert. Dieser neurokardiale Schaden wird durch eine chronische Überaktivierung in einem Teil des Nervensystems, dem Sympathikus, ausgelöst. Dieses Problem führt zudem zu einer vermehrten Kollagenbildung direkt am Herzen.

„Beim Schlaganfall darf nicht allein die Hirnfunktion betrachtet werden, auch eine lang­fristige Herzdiagnostik muss ins Auge gefasst werden“, fasste Christoph Kleinschnitz von der Klinik für Neurologie der Medizinischen Fakultät der UDE am Universitäts­klinikum Essen die Ergebnisse dieses Forschungsabschnitts zusammen.

Die Wissenschaftler testeten im Weiteren eine pharmakologische Strategie, um diesen Mechanismus zu durchbrechen. Dabei verabreichten sie im Labor den Betablocker Metoprolol. Dieser senkte die sympathische Aktivierung, verbesserte die Herzfunktion signifikant und die morphologischen Veränderungen am Herzen blieben im Tiermodell aus.

„Sollten sich die experimentellen Ergebnisse in dem klinischen Teil der SICFAIL-Studie bestätigen lassen, könnte diese medikamentöse Therapie mit einem Beta­blocker auch ein sinnvoller Ansatzpunkt bei Patienten nach einem Schlaganfall sein“, gab Stefan Frantz, Kardiologe und Direktor der medizinischen Klinik und Poliklinik I am Universitätsklinikum Würzburg ein Ausblick auf die weitere Forschung. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

22.11.17
Herzinsuffizienz bei ärmeren Menschen häufiger
Oxford – Ärmere Menschen erkranken häufiger und um Jahre früher an einer chronischen Herzinsuffizienz, deren Häufigkeit infolge der steigenden Lebenserwartung zunimmt. In Großbritannien ist die Zahl......
19.11.17
Shunt zwischen den Vorhöfen lindert diastolische Herzinsuffizienz
Cambridge/Ohio – Ein per Katheter implantierter Shunt, der eine künstliche Öffnung zwischen den beiden Herzvorhöfen schafft, kann bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz die Druckbelastung im......
30.10.17
Carotisstenosen: Operative und endovaskuläre Behandlung mit akzeptabler Komplikationsrate
München – Die Carotis-Endarteriektomie (CEA) und die stentgestützte Carotis-Angioplastie (CAS) reduzieren beide das Schlaganfall- und Sterberisiko bei Carotis-assoziierten Schlaganfällen. Zu diesem......
27.10.17
Schlaganfall: Eine kontinuierliche Nachsorge wird in Deutschland nicht gewährleistet
Berlin – Anlässlich des Weltschlaganfalltags am 29. Oktober machten Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) auf einer Pressekonferenz erneut auf die unzureichende Nachsorge aufmerksam.......
27.10.17
Körperliches Training bei Herzinsuffizienz nicht vernachlässigen
Berlin – Regelmäßige Bewegung und Ausdauersport können bei Patienten mit chronischer Herzschwäche die Symptome der Erkrankung und damit die Lebensqualität verbessern. Darauf weisen die Deutsche......
25.10.17
Hypertonie erhöht Risiko auf Mitralinsuffizienz
Oxford – Eine arterielle Hypertonie begünstigt offenbar die Entwicklung einer Mitralinsuffizienz. Das Risiko war in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in PLoS Medicine (2017; doi:......
20.10.17
Infomaterial zur Leitlinie Herzinsuffizienz veröffentlicht
Berlin – Um Ärzten einen schnellen Überblick über die aktualisierten Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie von chronischer Herzinsuffizienz zu ermöglichen, hat das Ärztliches Zentrum für Qualität in......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige