Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Belegärzte im Aufwind

Dienstag, 14. November 2017

Berlin – Das Belegarztwesen in Deutschland sieht sich wegen der politisch gewünsch­ten engeren Verzahnung von ambulanter und stationärer Patientenversorgung vor einer Renaissance.

„Angesichts teils dramatischer Engpässe der medizinischen Versorgung besonders im ländlichen Raum appellieren wir dringend an die Gesund­heitsexperten der Koalitionssondierungen, die sektorenübergreifenden Belegarzt­strukturen endlich wieder wahrzunehmen und nachhaltig zu fördern“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Belegärzte (BdB), Andreas Schneider, auf der Mitgliederversammlung des Verbandes in Berlin.

Positive Synergieeffekte

Die Versorgung über Belegärzte biete für Patienten zahlreiche Vorteile: Zunächst entfalle der Arztwechsel zwischen ambulanter und stationärer Behandlung und damit auch Informationsverluste bei diesen Wechseln. Doppelte Untersuchungen und Befragungen erübrigten sich. Besonders für onkologische Patienten sei die Verknüp­fung von ambulanter Betreuung mit den Vorzügen des stationären Versorgungsanteils durch einen bettenführenden Facharzt eine optimale Lösung.

„Die im Rahmen der Onkologievereinbarung und neuerdings der ambulanten spezialfachärztlichen Versor­gung beschriebenen Maßnahmen und Voraussetzungen sind von keiner anderen Organisationsform derart umfassend anzubieten wie durch den Belegarzt“, so der BdB-Vorsitzende. Das Belegarztsystem sei aber nicht nur effektiver, sondern auch kosten­günstiger als andere Modelle zur Verzahnung der Patientenversorgung, so der Verbandsvorsitzende.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Belegärzte in Deutschland laut BdB aber um rund 20 Prozent auf nunmehr weniger als 5.200 zurückgegangen. Haupt­ursache dafür sei eine nicht ausreichende Vergütung der belegärztlichen Leistungen. „So wird nicht einmal die 24-Stunden-Rufbereitschaft für die eigenen Patienten in Belegbetten vergütet“, kritisierte Schneider.

Dabei sei das kooperative Belegarztwesen, also die gemeinsame Tätigkeit mehrerer Belegärzte derselben Fachrichtung in einer Klinik, ein Weg, auch in der Fläche eine wohnortnahe Versorgung auf qualitativ hohem Niveau zu erhalten, statt dort bestehende stationäre Strukturen zu zerschlagen. Voraus­setzungen dafür seien jedoch neben rechtssicheren Rahmenbedingungen eine angemessene Vergütung, so der BdB-Vorsitzende.

Der Verband kündigte an, die Vorteile der belegärztlichen Versorgung mit Daten aus der Versorgungsforschung zu belegen. „Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundes­vereinigung wollen wir die ganze Leistungsfähigkeit des Belegarztwesens im Rahmen der Versorgungsforschung evaluieren, um das bewährte Versorgungsmodell auf Basis aktueller belastbarer Daten fortzuentwickeln und für gesundheitspolitische Entschei­der und Fachärzte maximal attraktiv zu machen“, betonte Schneider. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16.11.17
Sondierungen auf der Zielgraden: Mehr Einigkeit als Streit bei Gesundheit
Berlin – Bevor die Vorsitzenden der vier Parteien in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die letzten großen Streitthemen diskutieren und sich möglichst einigen wollen, haben die Unterhändler ein......
14.11.17
Strittige Fragen bei Gesundheit: Mögliche Jamaika-Regierung steht auf der Kippe
Düsseldorf – Ob eine Bundesregierung aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen kommen wird, ist momentan äußerst fraglich. Das wurde bei der Medizinfachmesse Medica deutlich. „Ich hoffe, dass Jamaika......
14.11.17
Koalition soll Änderungen beim Krankengeld forcieren
Berlin – Angesichts der laufenden Sondierungsverhandlungen zur künftigen Regierungspolitik hat die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) die vier Parteien ermahnt, sich die Fehlentwicklungen......
14.11.17
Pflegeexperten mahnen Jamaika­unterhändler, Farbe zu bekennen
Berlin – Nach einem eher inhaltsarmen Bundestagswahlkampf ist die Pflege auf der Zielgeraden zu einem Aufregerthema avanciert. Es war ein junger angehender Krankenpfleger, der Bundeskanzlerin Angela......
10.11.17
Jamaika: Eckpunkte für Sofortprogramm in der Pflege?
Berlin – Die Teilnehmer der Sondierungsgespräche zur künftigen Gesundheits- und Pflegepolitik haben sich offenbar auf erste Eckpunkte verständigt. In einem Dokument mit Diskussionsstand vom 9.......
09.11.17
Sondierungs­gespräche: Geheimpapier listet Streitpunkte der Gesundheitspolitik auf
Berlin – Die Sondierungsgespräche einer möglichen Jamaika-Koalition haben sich heute erneut unter anderem mit Gesundheit und Pflege befasst. Konkrete Ergebnisse gab es bis zum frühen Abend nicht.......
07.11.17
Ärzte erwarten von künftiger Regierungskoalition bessere Finanzierung der ambulanten Medizin
Hannover/Berlin – Bei den Sondierungsgesprächen für eine mögliche Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und der FDP sollte die Finanzierung der ambulanten Medizin eine wichtige Rolle spielen. Das......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige