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Ärzteschaft

KBV kritisiert Einmischung von Ökonomen in medizinische Belange

Dienstag, 14. November 2017

Düsseldorf – Die ärztliche Freiberuflichkeit ist „kein Relikt der Vergangenheit, sondern heute wichtiger denn je“. Darauf hat Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), auf dem Deutschen Krankenhaustag hingewiesen. Hintergrund der Äußerung ist eine Untersuchung von Karl-Heinz Wehkamp vom Socium Forschungszentrum der Universität Bremen und seinem Berliner Kollegen Heinz Naegler hin, die im November in Bremen vorgestellt wurde.

Die detaillierten Ergebnisse werden im Deutschen Ärzteblatt Ausgabe 47 erscheinen. „Es alarmiert mich zu lesen, dass Krankenhauspatienten nicht selten aus rein wirtschaftlichen Gründen operiert werden“, sagte Gassen. Ökonomen und Verwalter mischten sich in manchen Häusern offenbar zu stark in das medizinische Geschehen ein und übten Druck aus, kritisierte der KBV-Chef.

Sicherung durch Wandel

Gassen forderte die Politik auf, nicht um jeden Preis und auf Kosten der Versorgungs­qualität der Patienten an der Existenz aller Krankenhausbetten festzuhalten. „Ein Viertel der Krankenhausbetten kann nach Ansicht des Vorsitzenden des Sachverständi­gen­rates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen abgebaut werden, ohne dass sich die Qualität der medizinischen Versorgung verschlechtern würde“, erläuterte der KBV-Vorsitzende.

Es geht der KBV aber nicht um die Schließung von Häusern, sondern um den Abbau überflüssiger Bettenkapazitäten mit dem Ziel, die Versorgung der Patienten am betreffenden Standort bedarfsgerecht umzugestalten und damit gleichzeitig zu verbessern. „So wollen wir die Versorgung der Bevölkerung in der Fläche erhalten. ‚Sicherung durch Wandel‘ lautet unser Motto. Dazu gehört auch die sinnvolle Nutzung knapper ärztlicher und pflegerischer Ressourcen“, sagte Gassen.

Wehkamp hatte die Vorabergebnisse der Studie vor einigen Tagen in Bremen vorge­stellt. Bundesweit komme es aus Kostengründen vor, dass Patienten ohne medizini­schen Grund im Krankenhaus behandelt würden, fasste er seine Ergebnisse zusam­men. Das System gehe zulasten der Patienten und zulasten der Medizin, sagte er. 

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, kritisierte, die Öko­nomi­sierung der Klinikmedizin bringe Ärzte zunehmend in einen Zielkonflikt, denn sie müssten einerseits ihren berufsethischen Pflichten genügen, anderseits aber auch wirtschaftliche Renta­bili­tätsziele ihres Arbeitgebers erreichen. © hil/aerzteblatt.de

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