NewsVermischtesSchlechter Schlaf: Vor allem Flex-Beschäftigte betroffen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Schlechter Schlaf: Vor allem Flex-Beschäftigte betroffen

Mittwoch, 15. November 2017

/VRD, stock.adobe.com

Berlin – Etwa jeder Dritte in Deutschland schläft nach eigenem Ermessen schlecht. Zudem kommt fast ein Viertel der Erwachsenen nicht auf die von Experten empfohle­nen mindestens 6 Stunden Schlaf. Das zeigt die heute in Berlin vorgestellte repräsen­tative Studie, für die die Techniker Krankenkasse (TK) 1.000 Menschen ab 18 Jahren und 300 Flex-Beschäftigte befragt hat. Bei den Arbeitgebern findet das gesundheitliche Problem jedoch noch zu wenig Beachtung.

Immerhin 2 von 3 Erwachsenen können der subjektiven Befragung zufolge gut oder sogar sehr gut schlafen. Überdurchschnittlich hoch ist hingegen der Anteil der schlechten Schläfer unter den Berufstätigen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten oder Schichtdiensten. Von diesen sogenannten Flex-Beschäftigten klagen sogar 40 Prozent über schlechte Schlafqualität, die Hälfte schläft höchstens 5 Stunden.

Anzeige

Bildergalerie

Unter den „Schlechtschläfern“ leiden der Studie zufolge 54 Prozent unter Muskelver­span­nungen und Rückenschmerzen. Bei denjenigen, die gut schlafen, sind es nur 35 Prozent. Wer schlecht schläft, fühlt sich außerdem mehr als doppelt so häufig erschöpft (44 zu 21 Prozent), gereizt (33 zu 9 Prozent) und niedergeschlagen (21 zu 6 Prozent). Am schlechtesten schlafen die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein (21 Prozent), am besten die Baden-Württemberger, wo nur 5 Prozent Einschlaf­probleme angeben.

„Unsere Daten sind leider wenig aussagekräftig“, räumt Jens Baas, Vorstandsvorsitzen­der der TK ein. Die Dunkelziffer sei sicher extrem hoch, weil der Arzt andere Krank­heiten wie etwa Muskelverspannungen oder Herz-Kreislauf-Probleme diagnostiziere. „Eine Diagnose wie etwa Schlafstörungen erhalten nur sehr wenige, unter einem halben Prozent unserer Versicherten.“ Die tatsächliche Zahl, vermutet Baas, könne um den Faktor 10 darüber liegen. Auch der im Sommer 2017 vorgestellte Schlafatlas konnte anhand von Messungen mit einem Schlafsensor zeigen, dass die Deutschen ihre Schlafqualität und -dauer deutlich überschätzen.

Schlafprobleme: Subjektiv betrachtet schlafen die meisten Deutschen gut

Berlin – Fast die Hälfte der Deutschen ist zufrieden mit ihrem Schlaf. Auf einer Skala von null bis zehn vergeben sie mindestens acht Punkte. Etwa 15 Prozent von 3.491 Befragten sind mit ihrem Schlaf unzufrieden, sie vergeben nur maximal vier Punkte. „Kein Grund für Alarmismus“ heißt es daher auch im Schlafatlas 2017, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Die parallelen Messungen mit einem

Aber: Selbst in dieser kleinen Gruppe der diagnostizierten Betroffenen könne die TK feststellen, dass seit 2010 die Anzahl der Fälle um 90 Prozent zugenommen habe. „Die Anzahl der Fehltage aufgrund der Diagnose Schlafstörung hat sich vervierfacht“, erklärt Baas.

Wir brauchen einen Kulturwandel in der Arbeitswelt, der von den Führungskräften ausgehen muss. Utz Niklas Walter vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG)

Das Problem beim Thema Schlaf sieht Utz Niklas Walter vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) in Konstanz bei der mangelnden Akzeptanz. „Schlaf ist immer noch mit Schwäche assoziiert“, sagt der Sport- und Gesundheitswissenschaftler Walter. Wer wenig schlafe, werde am Arbeitsplatz gelobt. „Wir brauchen einen Kultur­wandel in der Arbeitswelt, der von den Führungskräften ausgehen muss“, fordert Walter. Diese seien noch zu häufig ein schlechtes Vorbild. In Skandinavien gibt es bereits Projekte, bei denen Führungskräfte pünktlich um 17 Uhr nach Hause gehen oder erst um 9 Uhr ihre Arbeit beginnen.

Schlafen auf der Arbeit und im Konzert

Aber auch für die Arbeitnehmer hat der Schlafexperte aus Konstanz Lösungsvorschläge: Zuerst müsse der Bedarf in den Unternehmen abgefragt werden, um anschließend maßgeschneiderte Angebote zu machen. Das könnten etwa Rückzugsräume sein oder Räume für Schlafpausen von maximal 15 Minuten. Zudem könnten Beratungsseminare helfen. „Darüber hinaus gibt es auch progressivere Ansätze wie beispielsweise Schlaf­konzerte, bei denen die Besucher im Liegen einem Orchester zuhören und dabei schlafen können“, beschreibt Walter eine mögliche kulturverändernde Maßnahme.

Die Arbeitsrealität scheint jedoch noch einen Weg vor sich zu haben: „Erst etwa 10 Prozent der Unternehmen haben entsprechende Angebote“, sagt Walter mit Verweis auf die #whatsnext-Studie der TK. In jedem 11. Unternehmen gibt es laut Studie überhaupt keine Maßnahmen zur Gesund­heits­förder­ung, knapp 3 von 10 Betrieben bieten vereinzelte Angebote, vor allem in den Bereichen Ergonomie und Entspannung. © afp/gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

14. September 2018
Newcastle-under-Lyme – Britische Hausarztpatienten, bei denen eine obstruktive Schlafapnoe diagnostiziert wurde, hatten in den Folgejahren ein erhöhtes Risiko, an Gicht zu erkranken. Dies geht aus
Obstruktive Schlafapnoe als Gichtrisiko
12. September 2018
Berlin – Um psychischen Erkrankungen, die in der Arbeitswelt zum Ausdruck kommen, entgegenzuwirken, hat die Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsklinik
Psychosomatische Betriebssprechstunde kann Arbeitsunfähigkeitstage reduzieren
12. September 2018
Straßburg – Die Menschen in der Europäischen Union (EU) sollen nach dem Willen der EU-Kommission schon im kommenden Jahr das letzte Mal die Zeit umstellen müssen. „Die Zeitumstellung gehört
Europäische Kommission legt Gesetzentwurf zur Abschaffung der Zeitumstellung vor
11. September 2018
Ann Arbor – Das Abhängigkeitspotenzial von Benzodiazepinen wird häufig unterschätzt. Nach einer Studie in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.2413) erhielt ein Viertel aller
Benzodiazepine: Jede vierte Verordnung bei älteren Menschen führt zur Abhängigkeit
7. September 2018
Berlin – Zeitdruck, Personalmangel und eine große Arbeitslast: Drei Viertel der Pflegekräfte in Deutschland fühlen sich bei ihrer Arbeit gehetzt. Bei den Krankenpflegern sagen sogar 80 Prozent, sie
Mehrheit der Pfleger leidet unter Arbeitsdruck
6. September 2018
Kiel – Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) will die gesundheitlichen Belastungen von Lehrern reduzieren. So solle ein Konzept für ein besseres Gesundheitsmanagement erarbeitet
Schleswig-Holstein will Gesundheitsmanagement für Lehrer verbessern
31. August 2018
München – Eine kurze Schlafdauer kann mit künftigen Herz-Kreislauf-Risiken verbunden sein. Entsprechende Daten eines 21 Jahre währenden Follow-ups hat Moa Bengtsson aus Göteborg, Schweden, auf dem

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER