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Medizin

Epikutane Immuntherapie: Pflaster könnte Erdnussallergie abschwächen

Donnerstag, 16. November 2017

/IrisArt, stock.adobe.com

New York – Ein täglich zu erneuerndes Pflaster, das Erdnussproteine an die Haut abgibt, hat in einer Phase-2b-Studie bei jedem zweiten Patienten eine Immuntoleranz erzielt, die Patienten beim Verzehr von mit Erdnussallergenen belasteten Nahrungs­mitteln schützen könnte. Der Hersteller hat aufgrund der in JAMA Pediatrics (2017; doi: 10.1001/jama.2017.16591) veröffentlichten Ergebnisse mit einer Phase-3-Studie begonnen.

Die Immuntherapie, früher Hyposensibilisierung genannt, hat sich bisher zur Behand­lung von Nahrungsmittelallergien nicht durchgesetzt. Die orale Gabe von Allergenen hat zwar in verschiedenen Studien eine gewisse Desensibilisierung erzielt, sie wird aber von Experten als riskant eingestuft, und viele Patienten dürften die orale Ein­nahme des Nahrungsmittelallergens, das bei ihnen Symptome verursacht hat, ablehnen.

Eine besser verträgliche und von den Patienten eher akzeptierte Alternative könnte eine epikutane Immuntherapie sein. Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass die Erdnussallergene die epidermale Barriere durchdringen, in der Dermis von den Langerhans-Zellen aufgenommen und in die nächsten Lymphknoten transportiert werden. Dort könnten sie eine gewisse Toleranz gegenüber dem Nahrungs­mittel­allergen erzeugen. 

Das Ziel besteht derzeit nicht darin, den Patienten den Verzehr von Erdnüssen zu ermöglichen. Es fällt den Konsumenten jedoch häufig schwer, erdnusshaltige Nahrungsmittel zu erkennen. Bei Patienten mit ausgeprägter Erdnussallergie kann jedoch bereits der Verzehr von Produkten mit einem geringen Anteil von Erdnuss­allergenen zu einer schweren allergischen Reaktion führen. 

Eine Anhebung der Schwellendosis, die eine allergische Reaktion auslöst, auf 300 mg könnte nach Schätzungen einer jüngeren Studie die Gefahr einer versehentlichen Aufnahme von Erdnussallergenen um mehr als 95 Prozent senken (Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice 2017; doi: 10.1016/j.jaip.2017.05.006).

Ein US-Hersteller hat jetzt ein Pflaster zur epikutanen Immuntherapie in einer Phase-2b-Studie prüfen lassen. An 22 Zentren in Nordamerika und Europa (keine deutsche Beteiligung) nahmen 221 Patienten an der Studie teil. Alle hatten in einer doppel­blinden, placebokontrolliertem Nahrungsmittelexposition (DBPCFC) auf weniger als 300 mg Erdnussprotein eine Reaktion gezeigt.

Alle Patienten trugen über ein Jahr ein täglich zu wechselndes Pflaster, das 50 µg, 100 µg oder 250 µg Erdnussprotein enthielt. In einer vierten Gruppe war das Pflaster frei von Erdnussproteinen.

Wie Hugh Sampson von der Icahn School of Medicine in New York und Mitarbeiter jetzt berichten, war die Immuntherapie bei der höchsten Dosierung bei jedem zweiten Patienten erfolgreich. Ein Erfolg („response“) wurde definiert als eine Toleranz von 1.000 mg Erdnussprotein im DBPCFC oder ein Anstieg der tolerierten Menge an Erdnussprotein um den Faktor 10.

In der Gruppe mit Placebopflastern wurde bei 25 Prozent der Patienten eine „Response“ erreicht. Die Differenz von 25 Prozent ergibt eine Number Needed to Treat von 4 (100/25) Patienten, die behandelt werden müssten, um bei einem zusätzlichen Patienten eine (gewisse) Immuntoleranz zu erzielen.

Die beste Wirkung wurde bei Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren erzielt (Response bei 53,6 versus 19,4 Prozent). Doch auch bei Jugendlichen und Erwachsenen scheint die Therapie erfolgversprechend zu sein (Response 46,4 versus 32,0 Prozent). 

Schwere Nebenwirkungen traten nach Angabe von Sampson bei keinem Patienten auf. Allerdings berichteten fast alle Patienten über lokale Reaktionen auf das Pflaster (auch in der Placebogruppe), die auf Dauer die Adhärenz gefährden könnten. Die Abbrecher­quote lag nach 1 Jahr nur bei 0,9 Prozent. Doch in den folgenden 2 Jahren, in denen alle Teilnehmer täglich ein Pflaster mit 250 µg Erdnussprotein anwenden sollten, brach ein Drittel der Teilnehmer die Behandlung ab.

Der Hersteller hat inzwischen mit Erlaubnis der US-Arzneimittelbehörde FDA eine Phase-3-Studie begonnen, die bei einem erfolgreichen Verlauf zur Zulassung führen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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