Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schmerzmittel in der Schwangerschaft reduzieren hämatopoetische Stammzellen

Donnerstag, 16. November 2017

/dpa

Hamburg – Jede zweite Frau nimmt während der Schwangerschaft Schmerzmittel ein. Das hat eine im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) laufende Studie ergeben, die in EBioMedicine publiziert wurde (2017, doi: 10.1016/j.ebiom.2017.10.023). Danach bevorzugen die meisten Frauen (86 Prozent) den Wirkstoff Paracetamol. Die Einnahme erfolge meist nur über einen kurzen Zeitraum und in geringer Dosierung. Gleichwohl weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass bei unbedachter und gewohn­heitsmäßiger Einnahme von Schmerzmitteln während der Schwangerschaft Neben­wirkungen nicht ausgeschlossen sind.

Paracetamol ist ein Schmerzmittel, das während allen drei Trimestern der Schwanger­schaft als Medikament zugelassen ist. Generell sorgten die rezeptfreie Verfügbarkeit sowie der hohe Bekanntheitsgrad für eine hohe Rate an Selbstmedikation. Aktuelle Studien deuten zudem auf ein erhöhtes Asthmarisiko nach Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft. „Daher war es dringend erforderlich, belastbare Daten zur Ein­nahme von Paracetamol während der Schwangerschaft vorzulegen“, erläutert Studien­leiterin Anke Diemert aus der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des UKE.

Die Wissenschaftler werteten im Rahmen der PRINCE-Studie (Prenatal Determinants of Childrens Health) Daten aus Befragungen von 518 schwangeren Frauen aus. „Die Studienteilnehmerinnen, die im UKE entbunden haben, wurden außerdem um eine Nabelschnurblutprobe gebeten, sodass wir die Möglichkeit erhielten, in einer Unter­gruppe von Frauen den Zusammenhang zwischen Paracetamol-Einnahme und Anzahl der hämatopoetischen Stammzellen zu analysieren“, sagte Gisa Tiegs, Leiterin des Instituts für Experimentelle Immunologie und Hepatologie.

Aus diese Zellen entwickelten sich die Immunzellen. Die Studie zeigt, dass die Anzahl der hämatopoetischen Stammzellen im Nabelschnurblut nach mütterlicher Paraceta­mol-Einnahme verringert ist, besonders wenn die Einnahme im dritten Trimester der Schwangerschaft erfolgte. Welche Auswirkung die reduzierte Zahl dieser Stammzellen hat und wie sich das Immunsystem der Kinder weiterentwickelt, ist Gegenstand der aktuellen Forschung.

Diemert weist darauf hin, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwanger­schaft bei Schmerzen und Fieber durchaus angezeigt sein kann. „Kritisch sind lediglich Fälle zu sehen, in denen Paracetamol gewohnheitsmäßig und gegebenenfalls bedenkenlos eingenommen wird. Hier sollten mögliche Neben­wirkungen für das ungeborene Kind bedacht werden.“ © gie/EB/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15.12.17
Händigkeit entscheidet sich im Mutterleib
Triest – Ob ein Mensch Rechts- oder Linkshänder wird, entscheidet sich wahrscheinlich schon während der Schwangerschaft. Forscher um Valentina Parma an der International School for Advanced Studies......
15.12.17
Neuer Begutachtungs­leitfaden zur multimodalen Schmerztherapie
Berlin – Der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD) und der Medizinischen Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung haben den......
14.12.17
Erstmals mehr als 20.000 Geburten nach künstlicher Befruchtung
München – Die Zahl der Geburten nach einer künstlichen Befruchtung steigt in Deutschland steil an. Erstmals wurden 2015 mehr als 20.000 Kinder nach einer entsprechenden Behandlung geboren, wie das......
11.12.17
Diskussion um Lancetstudie zu Schulteroperationen entbrannt
Berlin – Fach- und Berufsverbände aus Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie haben davor gewarnt, Studienergebnisse zu Schulteroperationen, die jüngst im Lancet publiziert wurden (doi......
08.12.17
Luftverschmutzung kann Geburtsgewicht senken
London – Eine vermehrte Feinstaubexposition durch den Straßenverkehr während der Schwangerschaft, nicht aber eine vermehrte Lärmexposition hat in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie das Risiko......
06.12.17
Bayern investiert Millionen in die Geburtshilfe
München – Rund 30 Millionen Euro will Bayern jährlich in die Geburtshilfe investieren. Anfang Januar soll ein flächendeckendes Hilfsprogramm starten, das finanzielle Zuschüsse für Landkreise und......
01.12.17
Interesse an Cannabis als Schmerzmittel flaut ab
Weimar – Nach der zunächst großen Nachfrage nach Cannabis als Medikament verzeichnen Schmerzmediziner inzwischen weniger Patientenanfragen. „Das hat sich wieder relativiert“, sagte der......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige