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Vermischtes

Sepsissterblichkeit in Deutschland höher als in anderen Ländern

Freitag, 17. November 2017

Berlin/Jena – Patienten mit einer schweren Sepsis sterben in Deutschland häufiger als in einigen anderen Industrienationen. Ein Bündnis aus Betroffenen, Fachgesellschaften und Experten fordert daher von der nächsten Bundesregierung einen nationalen Sepsisplan.

Sepsis ist meist die Folge einer unbeherrschten Infektion der Atemwege, des Harntrakts, des Bauchraums, des Gehirns oder des Haut- und Muskelgewebes. Aber auch Grippeviren, das Ebolavirus oder Malaria können eine Sepsis auslösen. Zu spät oder unbehandelt kommt es in der Folge zu irreparablen Organschäden und schließlich zum Tod.

In Deutschland wurde im Jahr 2015 laut dem Bündnis bei 320.198 Patienten eine Sepsis diagnostiziert, 23,1 Prozent von ihnen starben noch im Krankenhaus. 136.542 Menschen erhielten in dem Jahr die Diagnose „schwere Sepsis“. Die Mortalität in dieser Gruppe lag bei 41,2 Prozent. Sie liegt damit zehn bis 20 Prozent höher als zum Beispiel in Australien (18,5 Prozent), den USA (23,2 Prozent) und England (32,1 Prozent).

Tausende Todesfälle vermeidbar

„Die im internationalen Vergleich hohe Sepsissterblichkeit in Deutschland ist inakzep­tabel“, sagt Konrad Reinhart, Vorsitzender der Sepsis-Stiftung. Hinter den Zahlen stünde vielfach unnötiges menschliches Leid und mit 7,7 Milliarden Euro direkten Behandlungskosten auch eine extreme finanzielle Belastung für das deutsche Gesundheitssystem. Laut Reinhart wären zwischen 15.000 und 20.000 Todesfälle pro Jahr durch Steigerung der Impfraten, Reduzierung vermeidbarer Krankenhaus­infektionen und vor allem durch bessere Früherkennung und Behandlung der Sepsis als Notfall vermeidbar.

„Es fehlt an interdisziplinärer und transsektoraler Zusammenarbeit und an einem fach- und sektorenübergreifenden Qualitätsbewusstsein“, meint Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS). Sie kritisiert, nur wenige Krankenhäuser hätten bisher krankenhausweite Qualitätsinitiativen zu Diagnose und Behandlungsstandards etabliert, wie sie für Herzinfarkt oder Schlaganfall seit Jahrzehnten Standard seien.

Forderung nach einem nationalen Sepsisplan

APS und die Deutsche Sepsis-Gesellschaft fordern daher zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, der Deutschen Sepsis-Hilfe und der Sepsis-Stiftung einen nationalen Sepsisplan, der die Maßnahmen gegen die Erkrankungen koordiniert. Damit dieser zustande komme, sollte das Vorhaben zu einem solche Plan im Koalitionsvertrag verankert werden, so die Gesellschaften. © hil/aerzteblatt.de

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