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Medizin

Paracetamol: Bluttest zeigt drohendes Leberversagen besser an

Freitag, 17. November 2017

/dpa

Edinburgh – Ein Bluttest auf drei Moleküle, die bei einem beginnenden Leberschaden vermehrt im Blut nachweisbar sind, haben in zwei Beobachtungsstudien ein drohendes Leberversagen besser vorhergesagt als ein Anstieg der Leberenzyme. Die in Lancet Gastroenterology and Hepatology (2017; doi: 10.1016/S2468-1253(17)30266-2) vorge­stellten Ergebnisse könnten zu einem gezielteren Einsatz des Antidots Acetylcystein führen.

In Großbritannien, wo Suizidversuche mit Paracetamol sehr viel häufiger sind als hierzulande, sind Notfallmediziner jedes Jahr mit etwa 100.000 Intoxikationen konfrontiert. Eine rechtzeitige hochdosierte Therapie mit dem Antioxidans Acetyl­cystein kann ein Leberversagen häufig verhindern, die Therapie ist jedoch mit Neben­wirkungen und einem längeren Kranken­haus­auf­enthalt verbunden. 

Die Ärzte sind deshalb bestrebt, das Mittel nur bei Patienten einzusetzen, bei denen ein Leberschaden droht. Leider sind die Patienten nicht immer bereit oder in der Lage, den Zeitpunkt der Einnahme und die Anzahl Tabletten zu nennen, sodass aus der Bestimmung der Serumkonzentration nicht immer ersichtlich ist, ob ein weiterer Paracetamol-Anstieg bevorsteht. Die meisten Kliniken orientieren sich dann an den Leberenzymen, wobei ein Anstieg der Alanin-Aminotransferase (ALA) auf über 100 U/l häufig als Entscheidungskriterium genommen wird.

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Die Alanin-Aminotransferase ist allerdings ein recht unspezifischer Marker für ein drohendes akutes Leberversagen. Präzisere Aussagen könnten die drei Marker microRNA-122 (miR-122), high mobility group box-1 (HMGB1) und keratin-18 (K18) liefern. Alle drei sind Bestandteile von Leberzellen und werden bei einem massiven Verfall ins Blut ausgeschwemmt. HMGB1 und miR-122 sollen auch auf eine Aktivierung des Immunsystems hinweisen.

Die drei Parameter haben in zwei Kohortenstudien mit mehr als 1.000 Patienten die Vorhersage eines Leberversagens verbessert. In der ROC-Kurve, die Sensitivität und Spezifität kombiniert, lagen die AUC-Werte der einzelnen Marker weit über 90 Prozent, was ein exzellentes Ergebnis ist. In der Kombination waren sie dem ALA-Anstieg in der Vorhersage eines Leberschadens signifikant überlegen. James Dear von der Universität Edinburgh und Mitarbeiter ermittelten in der ersten Kohorte, in der nach geeigneten Markern gesucht wurde, eine um 95 Prozent bessere Risikoprädiktion. In der zweiten Kohorte, die zur Validierung durchgeführt wurde, waren die Vorhersagen um 54 Pro­zent verbessert.

Einschränkend muss allerdings gesagt werden, dass der klinische Nutzen derzeit offen ist. Alle Patienten überlebten die Paracetamol-Überdosierung. Der Editorialist William Bernal vom King’s College in London rechnet vorerst nicht damit, dass der Test in den klinischen Alltag eingeführt wird. Acetylcystein sei einfach zu kostengünstig und die Nebenwirkungen würden von erfahrenen Ärzten in der Regel beherrscht, sodass der Test vermutlich nicht kosteneffektiv sei. Er dürfte zunächst auf die Forschung beschränkt bleiben, wo derzeit nach weiteren Behandlungsmöglichkeit des akuten Leberversagens gesucht wird, für das die Paracetamol-Überdosierung noch immer eine der häufigsten Ursachen ist. © rme/aerzteblatt.de

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