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Ärzteschaft

Noch immer zu viele Antibiotika­verordnungen in Deutschland

Freitag, 17. November 2017

/emiliau, stock.adobe.com

Berlin – In Deutschland sind noch immer rund 30 Prozent aller Antibiotikaverordnun­gen unnötig. Die Folge sind gefährliche Resistenzbildungen und vermeidbare Neben­wirkungen. Darauf hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zusammen mit dem Verband der Ersatzkassen (vdek) hingewiesen. „Deutschlands Ärzte verschreiben Antibiotika bereits sehr zurückhaltend – im europäischen Vergleich liegen wir im unteren Drittel. Aber wir können und wollen noch mehr erreichen“, sagte Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, im Vorfeld des euro­päischen Antibiotikatages am 18. November. Beim Thema Antibiotika sind laut Hofmeister Ärzte und Patienten gefragt: „Die Patienten müssen eine realistische Erwartungshaltung haben. Die niedergelassenen Kollegen wiederum müssen über Alternativen informieren und aufklären“, so der KBV-Vize.

Bundesärztekammer fordert Ausbau von Lehrstühlen

„Keime kennen keine Grenzen. Den Kampf gegen Antibiotikaresistenzen können wir nur gewinnen, wenn wir europaweit und weltweit an einem Strang ziehen“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery. Wichtig seien dabei neben Maßnahmen zur Förderung der rationalen Antibiotikatherapie in der Humanmedizin auch ein Verbot oder zumindest eine deutliche Begrenzung der Antibiotikaabgabe in der Tiermast, so der BÄK-Präsident.

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Montgomery wies daraufhin, dass die BÄK jetzt eine strukturierte curriculare Fort­bildung „Antibiotic Stewardship“ beschlossen habe, mit der Strategien zum rationalen Einsatz von Antiinfektiva vermittelt würden. Fragen zum Einsatz von Antibiotika seien fester Bestandteil vieler weiterer Fortbildungsangebote der Landesärztekammern. Nötig sei aber auch mehr qualifiziertes Personal. „Wir müssen die Strukturen im Bereich der Krankenhaushygiene durch den Ausbau von Lehrstühlen und Instituten so fördern, dass ausreichend in Krankenhaushygiene qualifizierte Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin sowie für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie zur Verfügung stehen“, sagte er.

Der BÄK-Präsident wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es in Kranken­häusern bereits bei der täglichen Patientenversorgung an ausreichend ärztlichem und pflegerischem Personal mangele. „Aus Studien wissen wir, dass eine hohe Arbeitsdichte das größte Risiko für nosokomiale Infektionen darstellt. Deshalb brauchen wir insbeson­dere in infektiologischen Risikobereichen wie Intensivstationen mehr Ärzte und Pflegepersonal“, sagte der Ärztepräsident.

Antibiotikaabgaben in Deutschland leicht gesunken

Die öffentlichen Apotheken gaben laut der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände 2016 vergleichbar häufig Antibiotika wie in den Vorjahren ab, mit einer leichten Tendenz nach unten. Es waren rund 12,6 definierte Tagesdosen pro 1.000 Versicherte und Tag an oralen Antibiotika zulasten der gesetzlichen Kranken­versicherung. Das entspricht laut der ABDA etwa dem Wert der Vorjahre: 2012 wurden rund 13,1 und 2014 rund 12,8 definierte Tagesdosen abgegeben. Das ergab eine Aus­wertung des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts anlässlich des europäischen Antibio­tika­tages. Verordnungen auf Privatrezepten wurden nicht erfasst.

Die KBV wirbt anlässlich des europäischen Antibiotikatages zusammen mit dem vdek bei niedergelassenen Ärzten dafür, sich am Projekt RESIST („RESISTenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“) zu beteiligen. Dieses Gemeinschaftsprojekt von vdek, Ersatzkassen, KBV und acht Kassenärztlichen Vereinigungen hat zum Ziel, die Zahl unnötiger Antibiotikaverordnungen in Deutsch­land zu senken. Das Projekt wird mit rund 14 Millionen Euro aus Mitteln des Innova­tionsfonds gefördert. An RESIST beteiligen sich die KV-Bezirke Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland und Westfalen-Lippe. © hil/aerzteblatt.de

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