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IGeL-Monitor bewertet Nutzen von Botox gegen übermäßiges Schwitzen als unklar

Montag, 20. November 2017

/dpa

Essen – Der sogenannte IGeL-Monitor – eine Initiative des medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS) – hat die Studienlage zu Botoxinjektionen gegen krank­haftes Schwitzen untersucht. Die Autoren kommen dabei zu dem Schluss, dass sich Nutzen und Schaden die Waage halten.

Menschen, die oft ohne konkreten Anlass übermäßig schwitzen, können sehr darunter leiden. Für eine Behandlung der Hyperhidrose gibt es verschiedene Möglichkeiten: Zum Beispiel können Substanzen wie Aluminiumsalze, die die Schweißdrüsen verschließen, auf die Haut aufgetragen werden. Möglich ist unter anderem auch, Schweißdrüsen chirurgisch zu entfernen oder Botulinumtoxin zu spritzen. 

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Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen bei übermäßigem Schwitzen die Diagnose und Behandlung, etwa mit Substanzen, die auf die Haut aufgetragen werden. Laut dem MDS werden auch die Kosten für eine Botoxbehandlung übernommen, allerdings nur in besonders schweren Fällen und wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft oder nicht anwendbar sind. Als IGeL kostet die Botoxbehandlung laut den Autoren in der Regel zwischen 360 und 1.000 Euro.

Insgesamt fanden die Wissenschaftler des IGeL-Monitors eine Übersichtsarbeit und eine aktuellere Einzelstudie zu Nutzen und Risiken der Botoxbehandlung. Danach zeigen die Studien durchgehend, dass die Botoxbehandlung die Lebensqualität erhöht und die Schweißproduktion vermindert. Dieser Effekt ist offenbar groß und er hält mehrere Monate an. Allerdings sei nicht klar, ob die in den Studien behandelten Probanden den Patienten entsprächen, denen die Botoxbehandlung als IGeL angeboten werde, berichtet der IGeL-Monitor. Außerdem seien die Studien untereinander höchst unterschiedlich und daher schwer vergleichbar. Die Wissenschaftler haben deshalb keine „Belege“, sondern nur „Hinweise“ auf einen Nutzen des Verfahrens.

Um den Schaden beurteilen zu können, berücksichtigten die Autoren neben den Studien auch die Herstellerhinweise zu unerwünschten Ereignissen. Sie betonen, dass die Giftigkeit des Botulinumtoxins bei sachgemäßer Anwendung keine Probleme mache. Sehr häufig seien aber Schmerzen an der Injektionsstelle. Häufig sind laut den Auswertungen Kopfschmerzen, Prickeln und Kribbeln, Hitzewallungen, Schmerzen in Armen und Beinen, Blutergüsse und Blutungen an der Injektionsstelle. Gelegentlich träten auch Übelkeit, Muskelschwäche und Gelenkerkrankungen auf. Insgesamt sehen die Wissenschaftler auch bei den Schäden keine Belege, sondern nur Hinweise. 

„Wer unter starkem Schwitzen leidet und bereit ist, tief in die Tasche zu greifen und gewisse Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, kann davon ausgehen, dass sich am Ende sein Schwitzen bessert und er sich wohler fühlt“, so das Fazit des IGeL-Monitors. © hil/aerzteblatt.de

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