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Ärzteschaft

Fachgesellschaften weisen auf Fortschritte bei der Behandlung von Hirnmetastasen hin

Montag, 20. November 2017

/dpa

Berlin – Auf die Fortschritte bei der Behandlung von Fernmetastasen maligner Mela­nome sowie von Lungen- und Brustkrebs im Gehirn weisen die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) und die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) hin. „Die Diagnose Hirnmetastase ist lange Zeit gleichgesetzt worden mit einem Todesurteil. Die Therapien konnten die Erkrankung meist nur für eine gewisse Zeit aufhalten – das ist heute anders“, erklärte Stephanie Combs, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Universitätsklinikum der Technischen Universität München (TUM).

Ihre Behandlung hänge von der ursprüngli­chen Krebsart, von der Anzahl der Metastasen und ihrer Lage und Größe ab. Chirurgen, Strahlentherapeuten und Onkologen arbeiteten eng zusammen und besprächen in einer Tumorkonferenz für jeden Patienten die bestmögliche Vorgehensweise, so die DEGRO-Sprecherin.

Combs wies darauf hin, dass die europäischen Leitlinien bei Metastasen bis zu 3,5 Zentimeter Durchmesser eine stereotaktische Radiochirurgie empfehlen, die auch als Alternative zur Operation durchgeführt werden könne. „Die stereotaktische Bestrah­lung wird auch dann empfohlen, wenn die Metastasen aufgrund ihrer Lage nicht herausoperiert werden können oder wenn eine Operation für den Patienten aufgrund seines Alters oder Begleiterkrankungen zu belastend wäre“, sagt die DEGRO-Sprecherin. Kognitive Störungen würden bei dieser Form der Bestrahlung weitgehend vermieden, so die Expertin.

Ließen sich die Metastasen gut operieren oder durch andere Therapieverfahren wie die Bestrahlung vollständig zerstören, seien Hirnmetastasen „ein beherrschbarer Teil der Krebserkrankung“, betonte Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Münster und Präsident der DGNC. Daran hätten Fortschritte der neurochirurgischen Operationstechnik einen großen Anteil.

Stummer wies insbeson­dere auf die sogenannte „Neuronavigation“ als eine wesentliche Innovation hin. Bei dieser Technik generierten Computer aus MRT- oder CT-Daten eine „virtuelle Welt“, die dann in die „physikalische intraoperative Welt“ übertragen werde, so der Neurochirurg. Der Chirurg könne so auch tief gelegene oder multiple Raumforderungen zielgerichtet und präzise operieren. 

Auch Stummer betont die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den Fach­diszipli­nen. „Die Therapie von Hirnmetastasen ist eine interdisziplinäre Chance, die wir ergreifen, um für den Patienten die beste und nebenwirkungsärmste Behandlung zu ermöglichen“, so der DGNC-Präsident. © hil/aerzteblatt.de

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