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Medizin

Insulinpille kann Typ-1-Diabetes (erneut) nicht vorbeugen

Mittwoch, 22. November 2017

/skyfotostock, stock.adobe.com

Tampa – Eine tägliche Insulinpille hat in einer randomisierten Studie die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes bei Menschen mit erhöhtem Risiko nicht verhindert. Das zeigen die Ergebnisse der „Type 1 Diabetes TrialNet Oral Insulin Study“, die jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; doi: 10.1001/jama.2017.17070) veröffentlicht wurden. 

Der Typ-1-Diabetes beginnt nicht erst, wenn die Insulinproduktion erlischt und der Blutzucker nicht mehr verwertet werden kann. Die meisten Patienten haben zuvor über mehrere Jahre Antikörper gegen Insulin oder andere Bestandteile von Betazellen im Blut, die am Ende den Angriff des Immunsystems einleiten. Der Nachweis von 2 oder mehr Autoantikörpern im Blut bedeutet mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb der nächsten 10 Jahre zur Insulinpflicht kommt. 

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Ähnlich wie bei der Hyposensibilisierung

Seit einigen Jahren suchen Diabetologen und Immunologen nach Mitteln und Wegen, dieses Schicksal abzuwenden. Als vielversprechender Ansatz gilt eine regelmäßige Exposition mit Insulin. Sie soll ähnlich wie bei der Hyposensibilisierung von Allergikern eine Immuntoleranz erzeugen. Die „Diabetes Prevention Trial – Type 1 Diabetes Study“ hat dies vor einem Jahrzehnt zunächst durch subkutane Gaben und dann durch die orale Gabe von Insulin versucht. Beide Versuche sind gescheitert.

In der Studie zur oralen Prävention war es allerdings in einer Untergruppe von Teil­nehmern mit erhöhten Insulin-Autoantikörpern nach der täglichen oralen Einnahme von 7,5 mg Insulin zu einer Verzögerung des Krankheitsbeginns um 4 bis 5 Jahre gekommen.

Dies veranlasste das „Type 1 Diabetes TrialNet“, eine erneute „Oral Insulin Study“ durch­zu­führen. An der neuen Studie nahmen 560 Verwandte von Typ-1-Diabetikern teil, bei denen mindestens 2 Autoantikörper einschließlich einem Insulin-Autoantikörper im Blut nachgewiesen worden waren. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 8,2 Jahre alt. Sie nahmen täglich eine Tablette ein, die entweder 7,5 mg Insulin enthielt oder ein Placebo war.

Im Verlauf von median 2,7 Jahren erkrankten 173 Teilnehmer (31 Prozent) an einem Typ-1-Diabetes, wie dies aufgrund des Nachweises von Autoantikörpern erwartet worden war. Zwischen der Gruppe, die täglich Insulin eingenommen hatte, und der Vergleichsgruppe gab es keine Unterschiede.

Nun hatte das Team um Jeffrey Krischer von der University of South Florida College of Medicine in Tampa vor Beginn der Studie 4 Untergruppen gebildet. Die Untergruppen unterschieden sich nach der Zahl der Autoantikörper und hinsichtlich der Insulin­ausschüttung nach einer Glukosebelastung.

In 3 Untergruppen gab es keine Unterschiede. In der 4. Untergruppe jedoch, in der die Antikörper-Konstellation und eine gestörte Insulinausschüttung den baldigen Ausbruch des Typ-1-Diabetes ankündigten, konnte der Beginn der Insulinpflicht von 24,3 auf 55,3 Monate hinausgezögert werden. Am Ende erkrankten zwar auch in dieser Untergruppe genauso viele Teilnehmer an einem Typ-1-Diabetes wie in der Placebogruppe. Krischer sieht in der Verzögerung jedoch einen Hinweis auf eine immunologische Wirkung der orale Insulingabe.

Tagesdosis zu gering?

Krischer vermutet, dass die Tagesdosis von 7,5 mg zu gering gewesen sein könnte, um eine Toleranz zu induzieren. Er verweist hier auf die Pre-Point-Studie, in der Kinder mit bis zu 67,5 mg Insulin pro Tag behandelt wurden. Unter der höchsten Dosis war es bei 5 von 6 Kindern zu einer Immunantwort gekommen, die auf eine Toleranzentwicklung hindeutet.

Die vor 2 Jahren von Ezio Bonifacio vom DFG-„Center for Regenerative Therapies“ in Dresden und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnisse haben das National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) zu einer Anschluss­studie veranlasst. Dort werden Kinder mit einem erhöhten Diabetesrisiko mit 67,5 mg Insulin pro Tag oder 500 mg Insulin pro Woche behandelt. Die Ergebnisse dürften in Kürze vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

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