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Ärzteschaft

Neue psychoaktive Substanzen immer noch oft unterschätzt

Donnerstag, 23. November 2017

/dpa

Stuttgart – Vor den sogenannten neuen psychoaktiven Substanzen (NPS), häufig auch „Legal Highs“ oder „Research Chemicals“ genannt, warnt die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg. „Es handelt sich um psychoaktive Substanzen mit extrem hohen Risiken für die Konsumenten. Die Folgen sind unübersehbar und je nach Substanz unterschiedlich. Schwerste Vergiftungen sind nicht selten“, sagte der Präsident der Kammer, Ulrich Clever. Der Handel mit NPS finde häufig offen im Internet statt. „Das verstärkt leider den Anschein der Harmlosigkeit“, so Clever.

Laut der Vorsitzenden des Suchtausschusses der Lan­des­ärz­te­kam­mer, Paula Hezler-Rusch, tarnen Anbieter die Produkte häufig mit Bezeichnungen wie „Düngerpille“, „Badesalz“ oder „Kräutermischung“. Konsumenten bestellten diese Substanzen dann scheinbar legal. „Die Wirkungen der synthetischen Cannabinoide, Phenylethylamine und Cathinone stellen Cannabis oder Marihuana mit Leichtigkeit in den Schatten“, betonte Hezler-Rusch. Die NPS seien aufgrund des höheren Abhängigkeitspotenzials, der ausgeprägteren psychotogenen Wirkung sowie stärkerer Herz-Kreislauf- und vegetativer Effekte wesentlich gefährlicher, so die Suchtexpertin.

Ende November 2016 ist das „Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz“ in Kraft getreten, das den Umgang mit psychoaktiven Substanzen regelt, die nicht dem Betäubungsmittel­gesetz unterliegen. Das Gesetz verbietet, mit einem neuen psychoaktiven Stoff Handel zu treiben, ihn in den Verkehr zu bringen, ihn herzustellen, ihn zu verlagern, ihn zu erwerben, ihn zu besitzen oder ihn einem anderen zu verabreichen. „Wir sehen Politik und Staat in der Pflicht, die unmoralischen kriminellen Geschäfte und ihre unüberseh­baren Folgen zu unterbinden, indem das NPS-Gesetz konsequent durchgesetzt wird. Darüber hinaus fordern wir eine verpflichtende Aufklärung für alle Jugendlichen in den Schulen, denn die Zahl der Todesfälle durch NPS steigt beständig an“, sagte Clever.  

Auch die EU hat mit einem neuen Gesetzespaket auf die Bedrohung reagiert: Die ab heute geltenden Neuerungen sehen ein stärkeres EU-Frühwarnsystem (EWS) und einen schnelleren Risikobewertungsprozess vor. Die Vorgaben sind eine Reaktion auf den wachsenden NPS-Markt und folgen einem Vorschlag der Europäischen Kommission. „Das EWS überwacht derzeit mehr als 620 neue psychoaktive Stoffe im Vergleich zu rund 350 im Jahr 2013“, hieß es aus Brüssel. © hil/aerzteblatt.de

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