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Italienisches Verfassungsgericht billigt Impfpflicht für Kinder

Donnerstag, 23. November 2017

/kerkezz, stock.adobe.com

Rom – Das Verfassungsgericht in Rom hat eine im Mai von der italienischen Regierung erlassene Impfpflicht gebilligt. Die Richter bestätigten am Mittwoch, dass Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren ohne Impfung nicht in Krippen, Kindergärten oder Vorschul­klassen aufgenommen werden dürfen. Die Region Venetien hatte das Gesetz als Eingriff in das individuelle Gesundheitsrecht bezeichnet und geklagt. Regional­präsident Luca Zaia erklärte, die Entscheidung des Verfassungsgerichts zu akzeptieren.

Die Pflicht gilt für insgesamt zehn Impfungen, darunter gegen Diphtherie, Tetanus und Masern. Wenn sie der Pflicht nicht nachkommen, riskieren Eltern von Kindern zwischen sechs und 16 Jahren Geldstrafen zwischen 100 und 500 Euro.

Nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) müssen 95 Prozent der Men­schen in einem Land geimpft sein, damit der Impfschutz für die gesamte Bevölkerung gilt. In Italien wird dieser Wert nicht erreicht. Seit Anfang des Jahres gibt es in dem Land einen Wiederanstieg von Masernfällen mit mehreren Todesopfern. 88 Prozent der Betroffenen waren nicht geimpft. © afp/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Donnerstag, 23. November 2017, 22:58

Impfquoten sind keine höhere Mathematik

Ich muss meinem Vorredner beipflichten, die pauschale Festlegung einer erforderlichen Impfquote von 95% ist grober Unfug.

In einer ausreichend großen Population befindet sich eine von Mensch zu Mensch übertragbare Krankheit im Gleichgewicht, wenn jeder Infizierte diese Krankheit an genau einen weiteren Betroffenen weiter gibt. Die Maßzahl für dieses Gleichgewicht ist die Durchseuchungsrate. Bei hoch ansteckenden Krankheiten wie Windpocken oder bei Masern ist diese Durchseuchungsrate deutlich oberhalb von 90%.

Damit eine Impfung nicht nur den Einzelnen schützt, sondern auch die Population (=Herdenimmunität), muss die Impfquote deutlich höher sein als die Durchseuchungsrate. Die genannten 95% mögen für Masern richtig sein. Bei Infektionen, die nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, wie z.B. Tetanus, wird es nie eine Herdenimmunität geben, hier zählt nur der individuelle Impfschutz. Aus meiner beruflichen Erfahrung heraus kann ich mit Sicherheit sagen, beim MMR-Impfstoff sind die Impftiter gegen Masern höher als gegen Röteln oder gegen Mumps. Trotzdem sind Mumpsinfektionen selten und die Röteln fast ausgerottet. Dies liegt einfach daran, dass bei einer geringeren Infektiosität bei Mumps und Röteln die Durchseuchung deutlich niedriger ist als bei Masern und folglich die aktuelle Impfquote bereits ausreichend ist um eine Herdenimmunität für Mumps oder Röteln zu gewährleisten.

Eine Impfpflicht für Impfungen gegen Masern und Diphtherie ist wegen der Gefahren durch diese Krankheiten aus meiner Sicht nachvollziehbar. Da beide Erreger Bestandteil von Kombinationsimpfstoffen sind, ist der Mitnahmeeffekt durch eine Kombinationsimpfung zu begrüßen. Für die Frage, ob eine Impfpflicht für die anderen acht Erreger gleichermaßen notwendig ist, wäre eine Aufzählung der anderen von der Impfpflicht betroffenen Infektionen in diesem Beitrag sehr hilfreich gewesen.

@Redaktion DÄ: Mein Vorredner hat absolut recht, dieser Beitrag ist kein Ruhmesblatt für das DÄ, ob hier schlecht recherchiert oder einfach nur schlampig kopiert wurde, kann ich aus der Ferne nicht entscheiden.
Dr. Steffen Rabe
am Donnerstag, 23. November 2017, 21:00

Das ist schon peinlich, liebes Ärzteblatt,

in einer ärztlichen Fachzeitschrift eine solche, in ihrer Allgemeinheit schlicht grundfalsche Aussage wie:

"Nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) müssen 95 Prozent der Men­schen in einem Land geimpft sein, damit der Impfschutz für die gesamte Bevölkerung gilt."

Wie das z.B. bei der Tetanusimpfung funktionieren soll, weiß die WHO sicher auch nicht...

Die hier wohl gemeinte Herdenimmunität durch Impfungen wird ohnehin maßlos überschätzt...

SR

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