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Charité dokumentiert Rolle des Klinikums in der NS-Zeit

Donnerstag, 23. November 2017

/dpa

Berlin – Die Berliner Charité zeichnet in einer Ausstellung die Verwicklung ihrer früheren Ärzte in das nationalsozialistische Ausgrenzungs- und Vernichtungssystem nach. Viele leitende Mitarbeiter des Klinikums und der Berliner Universität hätten Institute und Kliniken in den Dienst der NS-Medizin gestellt, sagte der Vorstands­vorsitzende der Charité, Karl Max Einhäupl, heute bei der Eröffnung der Ausstellung in der Psychiatrischen und Nervenklinik.

Auf der Grundlage von Einzelschicksalen berichtet die Dauerausstellung, wie die Charité zum Handlanger der nationalsozialistischen Medizin wurde und dabei ethische und moralische Grenzen überschritt. Dokumentiert wird unter anderem die Verfolgung jüdischer Studenten und Ärzte sowie die Experimente an Patienten.

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Mediziner seien ständig mit Grenzüberschreitungen in der Wissenschaft konfrontiert, sagte Einhäupl. Sie müssten aber immer wieder in einen Dialog treten, wo diese Grenzen nicht überschritten werden dürften, heute etwa in Fragen der Genmanipula­tion oder der Sterbehilfe. Am Beispiel des Verhaltens der Ärzte in der NS-Zeit werde deutlich, dass Verantwortung nicht teilbar sei und jeder Einzelne sich für sein Handeln rechtfertigen müsse, sagte der Charité-Chef.

Professoren wie Werner Catel (1894-1981), der als Kinderarzt am nationalsozialis­tischen Mordprogramm für "unwertes Leben" beteiligt war, oder der Pathologe Berthold Ostertag (1895-1975), der an Embryos forschte, entschieden über ihre Patienten auf der Grundlage des "rassischen Konzepts" der Nazis. Catel, Autor eines auch nach 1945 benutzten Standardwerks zur Ausbildung von Kinderkranken­schwestern, konnte nach dem Krieg unbehelligt weiterarbeiten.

Die Ausstellung zitiert den amerikanisch-österreichischen Psychiater Leo Alexander (1905-1985), der an der Seite des US-Anklägers an den Nürnberger Ärzteprozessen beteiligt war. Am Anfang sei bei den Ärzten eine feine Verschiebung ihrer Grundeinstellung zum Leben gestanden. Von den chronisch Kranken hätten sie die Grenzen immer weitergezogen. © dpa/aerzteblatt.de

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