Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Allgemeinmediziner stellen S3-Leitlinie zur Multimorbidität vor

Donnerstag, 23. November 2017

Frankfurt am Main – Eine Leitlinie auf S3-Niveau zum Thema Multimorbidität hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) vorgestellt. Die Fachgesellschaft betont, Multimorbidität sei eine der zentralen Anforderungen für Hausärzte in der Praxis. „Anstatt die vielen einzelnen Leitlinien separat zu konsultieren, möchten wir mit der neuen Leitlinie das große Ganze in den Mittelpunkt rücken“, erklärte der Erstautor und Sprecher der ständigen Leitlinienkommission, Martin Scherer, der auch Vizepräsident der DEGAM ist.

Die Notwendigkeit einer solchen Leitlinie illustrieren die Autoren am Beispiel einer 79-jährigen Patientin mit arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz, koronarer Herzerkran­kung, Vorhofflimmern, Arthrose, Osteoporose, Diabetes und COPD. „Wenn man diese Patientin leitliniengerecht behandeln würde, erhielte sie entsprechend der Leitlinien­empfehlungen zwölf verschiedene Medikamente und müsste ein kompliziertes, nicht medikamentöses Therapieprogramm bestehend aus 24 täglich zu befolgenden verhaltensbezogenen Therapieregeln einhalten“, so die Autoren. Diese „Verkettung von monomorbid ausgerichteten Leitlinienempfehlungen“, könne also Polypharmazie, unüberschaubare Interaktionen mit unerwünschten Wirkungen sowie widersprüchliche Behandlungsstrategien verursachen.

Die Leitlinie Multimorbidität verfolgt aufgrund ihres übergreifenden Themas einen neuen Ansatz: Sie bietet Ärzten einen sogenannten Meta-Algorithmus zur Versorgung der Patienten an. Ausgangspunkt ist hierbei ein multimorbider Mensch, der wegen eines konkreten Beratungsanlasses in die Praxis kommt. Dieser ist entweder auf eine bekannte Diagnose zurückführbar oder stellt eine bisher unbekannte Ursache dar. Daraus ergibt sich entweder ein diagnostisches Vorgehen zum Ausschluss abwendbar gefährlicher Verläufe oder der Entschluss zu einem übergreifenden Krankheits­management.

Der Metaalgorithmus beschreibt den übergeordneten hausärztlichen Denkprozess, der den ganzen Menschen im Blick hat. Aufgrund dieses ganzheitlichen Ansatzes sollen Patienten laut den Leitlinienautoren besonders ermutigt werden, ihre jeweiligen persönlichen Ziele und Prioritäten darzulegen.

Die neue S3-Leitlinie Multimorbidität ist in einer Lang- und einer Kurzversion sowie als Patienteninformation verfügbar. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15.12.17
Ambulant erworbene Harnwegsinfektion: Neue klinische Leitlinie erschienen
Eschweiler – Bei Harnwegsinfektionen nehmen die Resistenzen gegen Antibiotika stetig zu. Ein rationaler Einsatz antimikrobieller Substanzen könnte die Resistenzentwicklung bremsen. Evidenz dazu......
07.12.17
Gesundheitsexperten empfehlen nationale Infrastruktur für massenweise Proteinanalysen
Berlin – Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte Forum Gesundheitsforschung empfiehlt, in Deutschland eine Infrastruktur für klinisch orientierte umfassende......
21.11.17
Subakromiale Dekompression: Operation bei Schulterschmerzen oft ohne Nutzen
Oxford – Wer dauerhaft Schulterschmerzen aufgrund eines subakriomialen Schulterschmerz-Syndroms hat, kommt in vielen Fällen unnötigerweise unters Messer. Zu diesem Ergebnis kommt eine erste......
17.11.17
Neue US-amerikanische Zielblutdruckwerte: Deutsche Hochdruckliga hält vorerst an bestehenden Grenzwerten fest
Heidelberg – Diese Woche haben das American College of Cardiology (ACC) und die American Heart Association (AHA) ihre neuen Hypertonie-Leitlinien präsentiert. Diese klassifizieren bereits......
15.11.17
Grenzwert 130 zu 80: US-Leitlinie macht fast jeden zweiten Erwachsenen zum Hypertoniker
Washington/Dallas – Das American College of Cardiology (ACC) und die American Heart Association (AHA) haben nach zwei Jahren Konsequenzen aus der SPRINT-Studie gezogen. Eine auf der AHA-Jahrestagung......
15.11.17
Europäische S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Neurologie“ aktualisiert
Berlin – Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Fachgesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) hat die S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Neurologie“ aktualisiert. Darauf hat......
23.10.17
Koronare Herzkrankheit: Versorgungsleitlinie zur Diagnostik aktualisiert
Köln – Bevor Kardiologen eine invasive Diagnostik anwenden, sollten sie prüfen, ob stattdessen eine nichtinvasive Methode zum Einsatz kommen kann. Die aktualisierte Nationale VersorgungsLeitlinie......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige