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Allgemeinmediziner stellen S3-Leitlinie zur Multimorbidität vor

Donnerstag, 23. November 2017

Frankfurt am Main – Eine Leitlinie auf S3-Niveau zum Thema Multimorbidität hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) vorgestellt. Die Fachgesellschaft betont, Multimorbidität sei eine der zentralen Anforderungen für Hausärzte in der Praxis. „Anstatt die vielen einzelnen Leitlinien separat zu konsultieren, möchten wir mit der neuen Leitlinie das große Ganze in den Mittelpunkt rücken“, erklärte der Erstautor und Sprecher der ständigen Leitlinienkommission, Martin Scherer, der auch Vizepräsident der DEGAM ist.

Die Notwendigkeit einer solchen Leitlinie illustrieren die Autoren am Beispiel einer 79-jährigen Patientin mit arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz, koronarer Herzerkran­kung, Vorhofflimmern, Arthrose, Osteoporose, Diabetes und COPD. „Wenn man diese Patientin leitliniengerecht behandeln würde, erhielte sie entsprechend der Leitlinien­empfehlungen zwölf verschiedene Medikamente und müsste ein kompliziertes, nicht medikamentöses Therapieprogramm bestehend aus 24 täglich zu befolgenden verhaltensbezogenen Therapieregeln einhalten“, so die Autoren. Diese „Verkettung von monomorbid ausgerichteten Leitlinienempfehlungen“, könne also Polypharmazie, unüberschaubare Interaktionen mit unerwünschten Wirkungen sowie widersprüchliche Behandlungsstrategien verursachen.

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Die Leitlinie Multimorbidität verfolgt aufgrund ihres übergreifenden Themas einen neuen Ansatz: Sie bietet Ärzten einen sogenannten Meta-Algorithmus zur Versorgung der Patienten an. Ausgangspunkt ist hierbei ein multimorbider Mensch, der wegen eines konkreten Beratungsanlasses in die Praxis kommt. Dieser ist entweder auf eine bekannte Diagnose zurückführbar oder stellt eine bisher unbekannte Ursache dar. Daraus ergibt sich entweder ein diagnostisches Vorgehen zum Ausschluss abwendbar gefährlicher Verläufe oder der Entschluss zu einem übergreifenden Krankheits­management.

Der Metaalgorithmus beschreibt den übergeordneten hausärztlichen Denkprozess, der den ganzen Menschen im Blick hat. Aufgrund dieses ganzheitlichen Ansatzes sollen Patienten laut den Leitlinienautoren besonders ermutigt werden, ihre jeweiligen persönlichen Ziele und Prioritäten darzulegen.

Die neue S3-Leitlinie Multimorbidität ist in einer Lang- und einer Kurzversion sowie als Patienteninformation verfügbar. © hil/aerzteblatt.de

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