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Vermischtes

Bis 2030 475.000 zusätzliche Pflegefachkräfte nötig

Donnerstag, 23. November 2017

/Peter Atkins, stock.adobe.com

Berlin – In den Jahren bis 2030 wird die Zahl der Pflegebedürftigen um 34 Prozent auf 4,1 Millionen zunehmen. Es werden bis zu 400.000 zusätzliche vollstationäre Pflege­plätze benötigt, der Bedarf an Investitionen wird voraussichtlich bis zu 85 Milliarden Euro betragen. Zusätzlich werden bis zu 475.000 Pflegefachkräfte und Beschäftigte in Vollzeit benötigt. Das berichtet das Beratungsunternehmen Deloitte zusammen mit dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und der hcb GmbH.

„Schon heute ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen auf einem historischen Höchststand“, so die Autoren der Studie „Pflegeheim Rating Report 2017“. Sie sprechen in diesem Zusammenhang von „signifikanten Herausforderungen“, vor denen der Pflegemarkt stehe. „Diese enorme gesellschaftliche Herausforderung verlangt nach einem ganzheitlichen Maßnahmenpaket. Dazu gehören die Stärkung der ambulanten Pflege, die Erhöhung der Attraktivität des Pflegeberufs, der Abbau von Bürokratie, der Einsatz von mehr Kapital und insbesondere die konsequente Nutzung von Digitalisie­rung und Technologie“, erklärte Sebastian Krolop, Partner und Leiter Life Sciences und Health Care bei Deloitte

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Besonders wichtig seien attraktivere Arbeitsbedingungen. So müssten die Verweildauer im Pflegeberuf verlängert, die Vollzeitquote ausgeweitet und neue Auszubildende gewonnen werden. „Dazu werden die Löhne für qualifiziertes Personal gegenüber Hilfskräften steigen müssen“, so die Autoren. Notwendig seien auch weniger Büro­kratie, eine gute Führungskultur, größeres gesellschaftliches Ansehen des Berufs, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bessere Karrieremöglichkeiten.

Für den alle zwei Jahre erscheinenden Report haben die Ökonomen 432 Jahres­abschlüsse ausgewertet, die insgesamt 2.050 Pflegeheime umfassen. Zudem berück­sichtigt der Report amtliche Daten des Statistischen Bundesamts von allen rund 13.600 Pflegeheimen und 13.300 ambulanten Diensten.

Die Autoren berichten, der Anteil der Neuzugänge im Pflegeheim, welche direkt aus dem Krankenhaus überwiesen würden, habe sich innerhalb von zehn Jahren auf über 70 Prozent mehr als verdoppelt. Gleichzeitig nehme der Anteil der Pflegebedürftigen der leichtesten Stufe eins in den Pflegeheimen kontinuierlich zu. „Beide Entwicklungen sind besorgniserregend, doch durch Maßnahmen wie Reha vor Pflege, Kurzzeitpflege, Einbindung von Sozialdiensten und Einsatz von Technologie zum besseren Informa­tions­austausch oder im Rahmen von Ambient Assisted Living könnten viele dieser Heimbewohner in ihrem gewohnten Umfeld bleiben“, so die Autoren. „Angehörige oder Betroffene sind in den akuten Situationen oft maßlos überfordert, hier wird von der Politik deutlich mehr erwartet“, so ihre Kritik. 

Ökonomisch betrachtet ist der Pflegesektor laut der Studie ein Wachstumsmarkt: „Der Pflegemarkt ist wirtschaftlich erfolgreich und kann sich auch in den kommenden Jahren auf ein signifikantes Wachstum freuen. Bis 2030 wird das Marktvolumen von derzeit rund 47 auf über 66 Milliarden Euro ansteigen“, so die Autoren. Die wirtschaft­liche Lage der Pflegeheime sei gut: Nur zwei Prozent der analysierten Pflegeheime besaßen eine erhöhte Insolvenzgefahr. Über 80 Prozent lagen im grünen Bereich mit geringer Insolvenzgefahr. Nur zehn Prozent erwirtschafteten einen Jahresverlust.

„Der Politik ist anzuraten, gesetzliche Vorgaben auf ein Minimum zu beschränken. So sind zum Beispiel Vorgaben zur Heimgröße oder zum Anteil der Ein-Bett-Zimmer überflüssig“, raten die Studienautoren. Wichtig sei vor allem, Qualität zu messen und transparent zu machen sowie ein ausreichend großes Angebot an Einrichtungen zu schaffen. Dann könnten sich die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen das Heim aussuchen, das ihren Präferenzen am besten entspreche und das für sie bezahlbar sei, so die Autoren. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #734037
Celissa
am Freitag, 1. Dezember 2017, 19:17

Pflegenotstand hausgemacht

Schlechte Bezahlung (im Vergleich zu vor 20 Jahren ist das Lohnniveau um 25% eingebrochen gemessen an Inflationsrate und IG-Metall) und dauerhafte Unterbesetzung sind die zwei Mankos, weshalb ich jedem Schüler mit Abitur rate, so schnell wie möglich das Weite zu suchen. Ich habe einen tollen Beruf gelernt, würde das aber nie wieder machen. Ich habe auch in Altenheimen gearbeitet und es war nur Rennen. Ich kenne Geschichten von Mitschülern, die den Bewohnern ab Monatsmitte in Plastikeinkaufstüten mit Zellstoffeinlagen wickeln mussten. Pflegern wird vorgerechnet, dass eine Windel 8 Liter fasst und daher nur zweimal am Tag gewechselt werden kann! Mir graut vor dem Alter in einem Doppelzimmer mit einer wildfremden Person, denn mehr werde ich mir nach 45 Jahren Berufstätigkeit nicht leisten können. Nicht umsonst ist die Suizidrate bei über 60-jährigen die höchste! Günther Wallraff und Claus Fussek kämpfen gegen schlimmste Umstände in Pflegeheimen, aber gewisse börsennotierte Unternehmen rechnen vor, dass Heime und KHs bis zu 15% Reingewinn abwerfen müssen. Und dies auf Kosten der Pflegekräfte, auf Kosten der Versicherungsgemeinschaft, auf Kosten der zuzahlenden Familienangehörigen, sowie der Sozialämter, also auch wieder der Steuerzahler. Kollegen (auch Ärzte), die in Skandinavien arbeiteten, erzählen von paradiesischen Zuständen. Dass sich ein reiches Land wie Deutschland das nicht leisten kann und will, und dazu der Privatisierung weiterhin die Türen öffnet, ist meiner Meinung nach eine Farce. Ich brauche keine großen Aufstiegschancen, es gibt viele, die wollen einfach nur ihre Arbeit zufriedenstellend erledigen. Also bessere Arbeitsbedingungen schaffen und bessere Löhne zahlen!
LNS

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