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Medizin

Duchenne: Steroide verlangsamen Muskelschwund

Montag, 27. November 2017

/nullplus, stock.adobe.com

Sacramento – Eine langfristige Behandlung mit Glukokortikoiden, wie sie heute von den Leitlinien empfohlen wird, kann bei Kindern mit Muskeldystrophie des Typs Duchenne die Mobilität erhalten und die Lebenserwartung verlängern. Eine prospektive Langzeitstudie im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)32160-8) deutet darauf hin, dass Deflazacort eine bessere Wirkung erzielt als Prednison oder Prednisolon.

Der angeborene Mangel an Dystrophin führt bei der Muskeldystrophie Duchenne zu einem vorzeitigen Untergang von Muskelfasern, die durch Fett- oder Bindegewebe ersetzt werden. Da auch Herz- und Atemmuskulatur betroffen sind, ist die Lebens­erwartung deutlich verkürzt. Die Patienten werden mit Kortikosteroiden behandelt, die in randomisierten Studien den Rückgang der Muskelkraft vermindert haben. Es war aber angesichts der bekannten Nebenwirkungen der Steroide nicht sicher, ob die Behandlung langfristig zu einer Verbesserung der Prognose führt. 

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Craig McDonald von der Davis School of Medicine in Sacramento und Mitarbeiter haben hierzu die Daten der „Cooperative International Neuromuscular Research Group“ ausgewertet, die an 20 Zentren aus 9 Ländern (keine deutsche Beteiligung) 440 Patienten im Alter von 2 bis 28 Jahren betreut. Etwa ein Fünftel der Patienten hatte niemals Glukokortikoide erhalten oder diese Medikamente nicht länger als ein Jahr lang eingenommen. McDonald verglich den Krankheitsverlauf über 10 Jahre mit den anderen Patienten, die längerfristig mit Steroiden behandelt worden waren.

Die Analyse, die in einer nicht randomisierten Studie sicherlich nicht frei von Verzerrun­gen ist, ergab, dass die Steroide einen deutlichen Einfluss auf das Fort­schreiten haben. Der Verlust der Mobilität in den Beinen (gemessen an der Fähigkeit, sich allein aufzurichten, 4 Treppenstufen zu steigen oder 10 Meter zu laufen) trat 2,1 bis 4,4 Jahre später ein als bei Kindern, die nicht regelmäßig mit Steroiden behandelt wurden. Die Mobilität in den Armen (Benutzung der Hände, Heben der Arme über den Kopf und Führen der Hände zum Mund) blieb 2,8 bis 8,0 Jahre länger erhalten.

Dabei scheint Deflazacort eine bessere Wirkung zu erzielen als Prednison oder Prednisolon. Das mediane Alter bis zum Verlust von 3 Meilensteinen der Motorik lag um 2,1 bis 2,7 Jahre höher (wobei diese Daten wegen der fehlenden Randomisierung sicherlich kritisch zu hinterfragen sind).

Im Verlauf der 10-jährigen Beobachtungsphase starben 45 Kinder. Bei 39 Kindern war der Muskelschwund die Ursache und die Dauer der Steroidtherapie bekannt: Insgesamt 28 Todesfälle (9 Prozent) traten bei 311 Patienten auf, die ein Jahr oder länger mit Glukokortikoiden behandelt worden waren gegenüber 11 Todesfällen (19 Prozent) bei 58 Patienten ohne Steroidbehandlung. McDonald ermittelt eine Odds Ratio von 0,47, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,22 bis 1,00 eine signifikante Senkung des Sterberisikos anzeigt, wenn auch bei einer recht großen Schwankung.

McDonald hofft durch die Analyse auch jene Ärzte überzeugen zu können, die vom Nutzen der Therapie derzeit nicht überzeugt sind. Er räumt allerdings ein, dass viele Fragen zum Beginn der Therapie und zur Auswahl der Medikamente noch offen sind. © rme/aerzteblatt.de

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