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Politik

E-Health bleibt Schwerpunkt der Gesundheitspolitik

Freitag, 24. November 2017

/everythingpossible, stock.adobe.com

Berlin – Wie digitale Technologien das Gesundheitswesen verändern, war Gegenstand des 2. „Innovators Summit – Digital Health“ in Berlin, einer gemeinsamen Veranstal­tung des Innovationsmagazins Technology Review und Medservation. Oliver Schenk, im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) zuständig für Grundsatzfragen der Gesundheits­politik, ging auf einige vom BMG initiierte Maßnahmen in diesem Bereich ein. Vor allem im Bereich der mobilen Anwendungen böten sich neue Chancen für Prävention und eine bessere medizinische Versorgung. Zwar gebe es noch Forschungsbedarf, und die Entwicklung sei am Anfang. „Klar ist bereits, dass die Patienten, ausgerüstet mit Smartphone, Wearables, kleinen Messgeräten und guten Anwendungen, die Abläufe in der Behandlung stark verändern werden“, betonte Schenk. „Die medizinische Versor­gung verbindet sich über die neuen Technologien eng mit dem Alltagsleben, und die Patienten bestimmen, wie.“

App-Empfehlung für Ärzte und Patienten

Beim Umgang mit Gesundheits-Apps sei jedoch die Frage der Orientierung entschei­dend. Um mehr Einblick und objektivere Informationen zu Auswahlkriterien zu bekom­men, fördere das BMG derzeit ein Projekt am Fraunhofer-Institut für Offene Kommuni­ka­tions­systeme Fokus, das einen umfassenden Katalog von Kriterien entwickeln soll, die sich für die Beschreibung, den Vergleich und die Bewertung eignen. Die systemati­sche Aufbereitung soll im nächsten Frühjahr als Webtool zur Verfügung stehen. „Damit wollen wir Übersicht schaffen und konkrete Unterstützung für die Akteure im Gesund­heitswesen bieten, die App-Bewertungen für Ärzte, Patienten, Versicherte vornehmen wollen“, hob Schenk hervor. Auch die medizinischen Fachgesellschaften zeigen hier laut Schenk  inzwischen ein großes Interesse, sich mit ihrer Expertise einzubringen.

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Eines der zentralen Probleme im Gesundheitswesen ist darüber hinaus, dass gute mobile Anwendungen nicht schnell genug in die Versorgung kommen. Zwar dürfe mit den Geldern der Versicherten in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung nur das finan­ziert werden, was einen Mehrwert habe und nachweisbar einen Nutzen bringe. Digitale Innovationen müssten aufgrund der kurzen Innovationszyklen aber schneller in den Markt kommen und nicht bis zu sieben Jahre für Zulassungsverfahren durchlaufen. „Hier müssen wir über Zulassungswege neu nachdenken, das ist eine der drängendsten Fragen“, betonte Schenk.

Offizieller Start für die Tele­ma­tik­infra­struk­tur

Bei der bundesweiten Tele­ma­tik­infra­struk­tur geht es Schenk zufolge voran: „Die Gerätschaften sind mittlerweile alle zugelassen“, berichtete der BMG-Experte. Am 21. November habe der offizielle Rollout begonnen.  Alle Praxen, Apotheken, Kranken­häuser, Krankenkassen und Patienten würden jetzt flächendeckend deutschlandweit miteinander in einer neuen Infrastruktur verbunden. Bis Ende 2018 sollen alle Beteilig­ten an diese Infrastruktur angeschlossen sein, um dann über diese Infrastruktur vernetzt sicher Daten austauschen zu können.

Neben effizienteren Verwaltungs­prozessen werden auch medizinische Anwendungen wie die Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte, der bundesweite Medikationsplan, das E-Rezept und auch die elektronische Patientenakte (ePA) möglich. Bis zum Ende dieser Legislatur­periode werde zudem für alle Versicherten eine ePa mit sämtlichen medizinischen Informationen verfügbar sein, so Schenk.

Um die Gesundheitskompetenz der Patienten zu stärken und sie in die Lage zu versetzen, ihre Gesundheitsdaten selbstbestimmt zu managen, soll ein Gesundheits­portal aufgebaut werden, über das die Nutzer verlässliche und qualitätsgesicherte, trotzdem aber leicht verständliche Informationen zu bestimmten Krankheitsbildern abrufen können.

Projekt Databox für Lungenkrebspatienten

„Die Nutzung von Daten für eine bessere medizinische Versorgung wird zu einer eigenen Säule der medizinischen Entwicklung“, erklärte Schenk. Das Potenzial der Daten müsse genutzt werden, auch wenn das mit Risiken einhergehe. Damit verbun­dene ethische Fragen müssten diskutiert werden. „Wir sehen ein wachsendes Bewusst­sein für die Nutzung von Daten im Gesundheitsbereich“, sagte Schenk. „Umfragen signalisieren,  dass die Bevölkerung sehr wohl bereit ist, ihre Daten für medizinische Zwecke zur Verfügung zu stellen, und zwar in einem erheblich größeren Maße als für eine personalisierte Kaufempfehlung.“ Danach würde hierzu jeder Zweite seine Zustimmung geben.

Um dies zu unterstützen, hat die Bundesregierung mit der Medizininformatikinitiative ein Förderprogramm gestartet, in dem es darum geht, Daten aus klinischer und medizinischer Forschung zusammenzuführen und zu analysieren. In den nächsten Tagen werde in diesem Kontext ein Big-Data-Projekt mit dem Titel „Databox“ gestartet, kündigte Schenk an. Gemeinsam mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen aus Heidelberg, den Krankenkassen TK und Barmer sowie den Unternehmen SAP und Siemens werde ein Pilotprojekt für Lungenkrebspatienten aufgenommen.

Ziel dabei sei es, aus verschiedenen Datenquellen – Genomsequenzierung, Laborwerte, Patienten­akten – Patientendaten in einer zentralen Databox zusammenzutragen, um allen an der Behandlung Beteiligten und den Patienten den Zugang zu den Daten zu erleichtern und Möglichkeiten zur Datenanalyse zu schaffen. Die daraus gewonnen Erkenntnisse sollen die Versorgung von an Lungenkrebs Erkrankten verbessern. © KBr/aerzteblatt.de

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