Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Warum Lungenkrebs zur Luftnot führt und wie Viagra dies verhindern könnte

Freitag, 24. November 2017

psdesign1 - stock.adobe.com

Bad Nauheim – Die Atemnot, unter der viele Lungenkrebspatienten leiden, wird nicht direkt durch das Tumorwachstum ausgelöst, das auf Atemwege und Gefäße drückt. Viele Patienten haben vielmehr eine pulmonale Hypertonie, die Forscher in Science Translational Medicine (2017; 9: eaai9048) auf ein „Remodeling“ der Gefäßwand zurückführen. Die Erkenntnisse deuten auf eine ungewöhnliche Therapie der Atemnot hin.

Kurzatmigkeit und Luftnot vieler Lungenkrebspatienten haben Ähnlichkeit mit den Symptomen einer pulmonalen Hypertonie, auch Lungenhochdruck genannt. Die pulmonale Hypertonie ist gekennzeichnet durch einen Anstieg des Drucks und Widerstands im Lungenkreislauf. Der Stau führt zu einer Erweiterung der Pulmonal­arterien, die das Blut vom rechten Herzen in die Lunge pumpt. Diese Erweiterung ist in einer Computertomographie (CT) sichtbar. 

Ein Team um Rajkumar Savai vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim hat die CT-Aufnahmen von 519 Lungenkrebspatienten analysiert. Bei 250 Patienten wurde ein Durchmesser der Pulmonalarterien von mehr als 28 mm gefunden, was ein pulmonale Hypertonie anzeigt. Bei einigen Patienten lagen auch die Ergebnisse der Echokardiographie vor, mit denen der Pulmonalarteriendruck geschätzt werden kann. Auch hier hatte etwa die Hälfte der Patienten erhöhte Druckwerte (über 34 mm Hg).

Damit stand fest, dass viele Lungenkrebspatienten eine pumonale Hypertonie haben. Die Forscher untersuchten daraufhin die Lungengefäße in Gewebeproben, die bei der Operation mit dem Tumor entfernt wurden. Die Wände der kleineren Gefäße waren verdickt, das Lumen verengt. Dies erklärte die Erhöhung des Widerstands im Lungenkreislauf.

Um die Ursachen hierfür herauszufinden, analysierten die Lungenforscher drei unterschiedliche Formen von Lungenkrebs an Mäusen. Dabei handelte es sich um unterschiedlich schnell wachsende Tumorarten, die experimentell in der Lunge der Tiere ausgelöst werden. Bei allen drei Mausmodellen stellte sich im Verlauf des Tumorwachstums eine pulmonale Hypertonie ein.

Die Forscher untersuchten die Blutgefäße näher und fanden eine erhöhte Anzahl von T-Zellen und Makrophagen in ihrer Nähe. Dies deutet auf ein immunologisches Geschehen hin. Tatsächlich kam es bei Mäusen, denen die Immunzellen (aufgrund eines genetischen Defekts) fehlten, nicht zur pulmonalen Hypertonie, wenn bei ihnen ein Lungenkrebs ausgelöst wurde.

Wie genau der Tumor das Immunsystem zum Umbau der Blutgefäße veranlasst, wissen die Forscher nicht. Ihre Erkenntnisse könnten jedoch zu neuen therapeutischen Ansätzen führen. Eine Folge der Immunreaktion ist eine vermehrte Bildung von Phosphodiesterase 5 (PDE5). Medikamente, die PDE5 hemmen, könnten deshalb die Entwicklung der pulmonalen Hypertonie stoppen. PDE-Inhibitoren werden bereits als Medikamente eingesetzt.

Der bekannteste Vertreter ist Sildenafil, der Wirkstoff in dem Potenzmittel Viagra. Bei Mäusen hat die Therapie bereits Wirkung gezeigt. Bei den Tieren verbesserte die sich Lungendurchblutung und die Wandstärke der Blutgefäße normalisierte sich. Ob die Therapie auch beim Lungenkrebspatienten wirksam wäre haben die Forscher bisher nicht untersucht. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

03.12.17
Lungenkrebs: Cross-Talk mit dem Knochen fördert Wachstum im Primärtumor
Boston – Noch bevor es zu Metastasen kommt, nehmen die Zellen eines nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) Kontakt zum Knochen auf. Die Krebszellen senden ein Signal an die Osteoblasten, die im......
20.09.17
Pneumologen raten zur Lungenkrebs­behandlung in zertifizierten Zentren
Berlin – Auf Fortschritte bei der Diagnostik und Therapie von Lungentumoren hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hingewiesen. „Moderne Diagnostik und......
13.09.17
Atemwegserkrankungen für mehr als jeden zehnten Sterbefall verantwortlich
Berlin – Erkrankungen der Atemwege und der Lunge bleiben trotz therapeutischer Fortschritte eine wichtige Ursachen von Krankheitslast und Sterblichkeit in Deutschland. Das geht aus der neuen Ausgabe......
12.09.17
Lungenkrebs: Durvalumab verlängert progressionsfreies Überleben im Stadium III des NSCLC
Tampa/Florida – Der PD-L1-Inhibitor Durvalumab, der verhindern soll, dass Tumore sich der natürlichen Immunabwehr entziehen, hat in einer Phase-3-Studie das progressionsfreie Überleben bei Patienten......
01.08.17
Lungenkrebs: Weniger Todesfälle durch Passivrauchen
Hamburg – Die Zahl der auf Passivrauchen zurückzuführenden Todesfälle an Lungenkrebs ist in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen. Das berichten Wissenschaftler des Universitätsklinikums......
23.06.17
Lungenkrebs: Nivolumab enttäuscht in Studie zur Erstlinientherapie
Columbus – Der PD1-Antikörper Nivolumab hat – anders als Pembrolizumab in einer anderen Studie – die Überlebenszeiten in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen nicht kleinzelligen......
07.06.17
Lungenkrebs: Alectinib in zwei Vergleichsstudien mit besserer Wirkung und Verträglichkeit
Tokio/Hongkong – Der Tyrosinkinase-Inhibitor Alectinib, der seit Kurzem als Zweitlinien-Medikament beim ALK-positiven nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom zugelassen ist, hat im direkten Vergleich......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige